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Pflege? Damit kann ich mich (nicht) sehen lassen

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Zum Image von Pflegeberufen und seiner Bedeutung für die Berufswahl
Jugendlicher

Pflegekräfte sind schon heute rar in Deutschland. Die steigende
Lebenserwartung sowie ein daraus resultierender vermehrter
Versorgungsbedarf wird die Fachkräftenachfrage weiter erhöhen. Auch die
Coronapandemie hat den Pflegebereich verstärkt ins öffentliche Bewusstsein
gerückt. Seit 2020 ist viel unternommen worden, um das Ansehen von
Pflegeberufen zu stärken und das Interesse der Jugendlichen an einer
Ausbildung in diesem Bereich zu steigern.

Eine aktuelle Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)
unter nordrhein-westfälischen Schülerinnen und Schülern zum Image von
Pflegeberufen zeigt, dass sich derzeit jede/-r Fünfte (19 Prozent) der
befragten Jugendlichen eine Pflegeausbildung vorstellen kann. Jede/-r
Zweite (52 Prozent) schließt sie hingegen für sich aus. Differenziert man
nach Schulformen und -stufen, tendieren Jugendliche von Hauptschulen am
häufigsten zu einer Pflegeausbildung, Jugendliche der Oberstufe am
seltensten. Befragt wurden im Herbst 2021 rund 2.400 Schülerinnen und
Schüler aus 66 allgemeinbildenden Schulen in Nordrhein-Westfalen.

Ob sich die Schülerinnen und Schüler eine Pflegeausbildung vorstellen
können, hängt nicht zuletzt davon ab, welches Image Pflegekräfte bei ihnen
haben. Gehören die statusbezogenen Eigenschaften Bildung, Intelligenz,
Vermögen oder Ansehen aus Sicht der Jugendlichen dazu, neigen sie eher
dazu, sich den Beruf vorstellen zu können, weil sie dann verstärkt damit
rechnen, mit einer Pflegeausbildung bei Eltern oder Freundinnen und
Freunden punkten zu können. Die in der Studie abgefragten Eigenschaften
wie Fleiß, Geschick, Kontaktfreude oder Uneigennützigkeit wirken sich
dagegen kaum auf die erwartete soziale Anerkennung aus. Diese
Eigenschaften sind damit auch für das Interesse oder Desinteresse junger
Menschen an einer Pflegeausbildung weniger bedeutsam.

„Um mehr junge Menschen für den Pflegebereich zu gewinnen, kommt es darauf
an, an der Wahrnehmung der professionellen Pflegeausbildung anzusetzen“,
erklärt BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser. „Dazu müssen wir
verdeutlichen, dass Pflegeberufe nicht nur gesellschaftlich überaus
relevante, sondern vor allem auch sehr anspruchsvolle Berufe sind, die von
den Beschäftigten ein hohes Maß an Kompetenzen und Qualifikationen
erfordern. Hilfreich wäre es zudem, ein bundesweit gültiges
Berufslaufbahnkonzept in der Pflege zu entwickeln, durchlässig
auszurichten und umzusetzen.“

Zum Stichtag 31.12.2021 befanden sich nach vorläufigen Angaben des
Statistischen Bundesamtes insgesamt rund 105.000 Personen in einer
Ausbildung zur Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann. Eine
Ausbildung in diesem Beruf angefangen haben im Jahr 2021 rund 61.500 junge
Menschen. Das waren 7 Prozent mehr als 2020. Fast drei Viertel der
Auszubildenden (74 Prozent), die 2021 ihre Ausbildung antraten, sind
weiblich.

Weitere Informationen in BIBB REPORT, Heft 1/2022: „Pflege? Damit kann ich
mich (nicht) sehen lassen. Zum Image von Pflegeberufen und seiner
Bedeutung für die Berufswahl Jugendlicher“. Download unter
<www.bibb.de/bibbreport>

Empfehlungen für eine künftige Ausgestaltung der Berufsbildung im Bereich
der Pflege enthält auch das Wissenschaftliche Diskussionspapier des BIBB:
„Zukunftsfähig bleiben! 9+1 Thesen für eine bessere Berufsbildung“, Seite
33ff. Download unter
<https://www.bibb.de/dienst/veroeffentlichungen/de/publication/show/17769>

Wie der künftige Fachkräftebedarf am Beispiel des Handwerks gesichert und
die Attraktivität der beruflichen Bildung insgesamt weiter gesteigert
werden kann, sind auch Fragestellungen, die beim BIBB-Kongress „Future
Skills – Fortschritt denken“ am 27. und 28. Oktober 2022 in Bonn
diskutiert werden. Informationen, Programm und Anmeldung unter
<www.bibb.de/kongress2022>