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Ermittlung von Mindestvorhaltezahlen in der Pneumologie: „Zahlreiche Faktoren werden nicht berücksichtigt“

DGP-Taskforce-Sprecher Professor Winfried Randerath nimmt Stellung zur Ermittlung von Mindestvorhaltezahlen in der Pneumologie.  Quelle: Mike Auerbach
DGP-Taskforce-Sprecher Professor Winfried Randerath nimmt Stellung zur Ermittlung von Mindestvorhaltezahlen in der Pneumologie. Quelle: Mike Auerbach
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Wie sollen die Mindestvorhaltezahlen deutscher Kliniken zukünftig
transparent und wissenschaftlich fundiert definiert werden? Im aktuellen
Entwurf des zuständigen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im
Gesundheitswesen (IQWiG) sieht die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie
und Beatmungsmedizin (DGP) noch Nachbesserungsbedarf und fordert erst
einmal eine Pilotphase der neuen Methodik.

Die neu zu definierende
Empfehlung von Mindestzahlen soll sicherstellen, dass Krankenhäuser
ausreichende Erfahrung und Ressourcen für die qualitätsgesicherte
Erbringung dieser Leistungen haben. Und die Kliniken müssen diese
Mindestfallzahlen erfüllen, um Anspruch auf eine Vorhaltevergütung zu
haben.

Zum Entwurf der Methoden zur Ableitung der Empfehlung von
Mindestvorhaltezahlen hat sich die DGP mithilfe der Taskforce Qualität und
Wirtschaftlichkeit in den Vorschlag eingearbeitet und Stellung bezogen.
Professor Winfried Randerath klärt als Sprecher der Taskforce über die
entscheidenden Punkte auf.

Herr Prof. Randerath, was genau ist der Entwurf der Methoden zur Ableitung
der Empfehlung von Mindestvorhaltezahlen?

Randerath: Das Papier beschreibt die Methodik, wie der Gesetzgeber
zukünftig die Strukturmerkmale ermitteln könnte, um Leistungsgruppen
zuzuordnen. Dafür wurde das IQWiG beauftragt zu ermitteln, welche
Mindestfallzahlen und welche Mindestmengen eine Klinik erbringen muss, um
eine Leistungsgruppe erhalten zu können. Wird die Methodik am Ende so
anerkannt, dann wird genau nach diesem Schlüssel jede Klinik bewertet.

Wie bewerten Sie den Vorschlag?

Randerath: Die Struktur ist schon sehr nachvollziehbar. Der
wissenschaftliche Ansatz versucht, möglichst breit und unter Einschluss
verschiedenster Faktoren zu einem Ergebnis zu kommen. So gibt es eine
Qualitätsanalyse und eine Wirtschaftlichkeitsanalyse.

Wo liegen die Schwächen?

Randerath: Das Paper geht von einem idealen System aus. Keine
Komplikationen. Und die große Frage ist: Kann man über einzelne
Krankheitsbilder oder Leistungen ein ganzes Fachgebiet definieren? Es kann
nicht für alle pneumologischen Krankheitsbilder Mindestvorgaben geben.
Welche werden also als so wichtig und repräsentativ ausgewählt, dass sie
über die Zuerkennung einer Leistungsgruppe entscheiden können? Wie geht
das IQWiG damit um? Vom G-BA festgelegte Fallzahlen gibt es zum Beispiel
bei den Lungenzentren, Definitionen von Fachgesellschaften gibt es bei
OnkoZert für Lungenkrebszentren und von der DGP beim Weaning. Aber das
kann nicht reichen, um die Leistungsgruppe komplexe Pneumologie zu
definieren, denn unser Fach ist ja sehr viel breiter.

Was kritisiert die DGP noch an dem Methodenentwurf?

Randerath: Die größte Schwierigkeit wird die Zuordnung der einzelnen Fälle
zu den verschiedenen Leistungsgruppen sein. Was fällt in die allgemeine
Innere Medizin, was in die Pneumologie? Das haben wir in unserer
Stellungnahme auch klar gespiegelt. So schlagen wir eine Pilotphase vor.
Es gibt auch zahlreiche regionale Faktoren, die in dem Entwurf nicht
berücksichtigt werden. Auch das haben wir gegenüber dem IQWiG deutlich
gemacht.

Wie optimistisch sind Sie?

Randerath: Ja, ich glaube, wir haben in der Pneumologie Glück! Denn im
Gegensatz zu anderen Fachgebieten hat die Mehrzahl der pneumologischen
Kliniken den speziellen pneumologischen Fachabteilungsschlüssel angemeldet
– und diejenigen, die dies noch nicht getan haben, sollten es schnell tun!
Dieser Schlüssel wird bei der Fallzuordnung zur komplexen Pneumologie
enorm hilfreich sein. Die Zertifizierung als Lungenkrebszentrum und die
Etablierung von Lungenzentren haben gute Strukturen vorgegeben. In
Nordrhein-Westfalen haben viele Kliniken, die die Leistungsgruppe komplexe
Pneumologie beantragt haben, diese bekommen. Es wird in anderen Bereichen
sehr viel mehr Unsicherheit und offene Fragen geben als in der
Pneumologie!