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Uniklinikum baut Expertise für hochkomplexe Aorten-Eingriffe aus

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Spezialisierte Gefäßchirurgie ermöglicht schonende Behandlung in komplexen
und akuten Fällen. Behandlungserfolg durch enge interdisziplinäre
Zusammenarbeit mit Herzchirurgie, Radiologie und Anästhesiologie.
Langzeitnachsorge lässt erneute Erkrankungen frühzeitig erkennen und
behandeln.

Erkrankungen der Hauptschlagader (Aorta) gehören zu den gefährlichsten
Gefäßerkrankungen überhaupt. Insbesondere Aortendissektionen – ein Riss
der inneren Wand der Aorta – und Aneurysmen – krankhafte Aussackungen oder
Erweiterungen von Blutgefäßen – können entweder akut oder langsam
chronisch lebensbedrohlich werden und erfordern höchste medizinische
Expertise. Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden werden diese
Patientinnen und Patienten unter anderem mit hochspezialisierten
endovaskulären Verfahren behandelt. Dabei werden die betroffenen
Blutgefäße kathetergestützt und minimalinvasiv von innen behandelt. Dank
moderner Stentprothesen und langjähriger Erfahrung damit können heute
selbst komplexe Eingriffe durchgeführt werden, die noch vor wenigen Jahren
nur mit einer offenen Operation möglich gewesen wären.

„Unsere Aufgabe ist es, Menschen auch dann eine Behandlungsoption anbieten
zu können, wenn die Erkrankung besonders komplex ist oder frühere
Operationen das Risiko deutlich erhöhen. Die Kombination aus Erfahrung,
moderner Technik und der engen Zusammenarbeit verschiedener
Fachdisziplinen ermöglicht es uns, selbst schwierigste Fälle erfolgreich
zu versorgen“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand am
Universitätsklinikum Dresden.
In Deutschland werden jährlich etwa 7.000 Patienten wegen einer
Aortendissektion behandelt – Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Gleiches gilt für das Aortenaneurysma, wegen dem ca. 22.000 Patienten pro
Jahr im Krankenhaus stationär versorgt werden müssen. Beide Indikationen
sind unbehandelt bzw. unentdeckt lebensbedrohlich. Die Gefäß- und
Endovaskuläre Chirurgie am Uniklinikum Dresden ist deutschlandweit eines
der führenden Zentren in der Versorgung komplexer Erkrankungen der Brust-
und Bauchschlagader, insbesondere auch mit sogenannten branched oder
fenestrated Stent Grafts. Dabei handelt es sich in geplanten Fällen meist
um für den Patienten individuell maßgefertigte, minimalinvasive
Gefäßprothesen zur Behandlung komplexer Aortenaneurysmen oder Dissektionen
mit abgehenden lebenswichtigen Seitenarterien. Die Gefäßprothesen werden
mit Seitenarmen ausgestattet, die die Durchblutung lebenswichtiger Organe
oder hirnversorgender Gefäße auch bei komplizierten Aortenveränderungen
sichern. Um auch Notfälle jederzeit minimalinvasiv behandeln zu können
hält die Gefäßchirurgie am Uniklinikum Dresden mittlerweile auch spezielle
vorgefertigte Stentprothesen vor, oder fertig diese sogar selber an, so
dass nicht nur geplante Operationen, sondern auch die operative Versorgung
in akuten Notfallsituationen gewährleistet werden kann.

Bogenprothese verhindert lebensgefährliche Erkrankung
Gerold T. aus einer Kleinstadt im Landkreis Görlitz trifft Prof. Christian
Reeps, Direktor des UniversitätsGefäßCentrums bereits zum zweiten Mal. Vor
elf Jahren musste er aufgrund einer akuten Aortendissektion notfallmäßig
behandelt werden. Nach der lebensrettenden Operation wurde der heute
67-Jährige engmaschig nachbetreut. Im Rahmen der Kontrollen stellten die
Spezialistinnen und Spezialisten eine fortschreitende krankhafte
Erweiterung der Hauptschlagader im Bereich des Aortenbogens fest. Anfang
Juni wurde der Patient deshalb erneut im Dresdner Uniklinikum operiert.
Dies soll ein lebensbedrohliches Einreißen der Gefäßwand verhindern. Dafür
setzte das Team um Prof. Christian Reeps eine neuartige endovaskuläre
Bogenprothese mit drei Seitenarmen ein. Aufgrund seiner komplexen
Vorgeschichte wäre eine erneute offene Operation mit erheblichen Risiken
verbunden gewesen, sodass nach interdisziplinärer Fallentscheidung diese
Art der Therapie gewählt wurde. Wenige Wochen nach dem Eingriff konnte der
Patient entlassen werden und kommt nun im Alltag und bei seiner Familie
an.

„Eingriffe dieser Art gehören zu den anspruchsvollsten Verfahren der
endovaskulären Gefäßchirurgie und werden nur an bestimmten Zentren
angeboten. Im Bereich des Aortenbogens liegen die hirnversorgenden Gefäße
– in dieser Hochrisikoregion müssen Planung und Durchführung der Operation
bis ins kleinste Detail stimmen. Entscheidend für den Behandlungserfolg
sind neben der chirurgischen Expertise vor allem die enge
interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Anästhesiologie, Angiologie,
Herzchirurgie und Radiologie “, sagt Prof. Christian Reeps. Sein Team
führt jährlich rund 200 Eingriffe mit endovaskulären Stentprothesen sowie
ca. 70 offen operative Rekonstruktionen an der Hauptschlagader durch. Von
den endovaskulären Aorteneingriffen sind etwa 60 komplexe fenestrierte
oder gebranchte Versorgungen und weitere zehn mehrfach gebranchte
Rekonstruktionen des Aortenbogens wie im beschriebenen Patientenfall.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist auch die anschließende strukturierte
Langzeitnachsorge. Nach Eingriffen an der Hauptschlagader werden
Patientinnen und Patienten zeitlebens regelmäßig nachuntersucht – dies
auch in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten.
Spätere Veränderungen an der Rekonstruktion oder den relevanten
Blutgefäßen können dadurch frühzeitig erkannt und behandelt werden, bevor
sie zu einem lebensbedrohlichen Problem werden. Gleichzeitig entwickelt
das Team der Gefäßchirurgie ihre Verfahren und Expertise kontinuierlich
weiter und setzt neue Generationen von Stentprothesen ein. Das ermöglicht
den Ausbau des Spektrums an Behandlungen insbesondere für voroperierte
Hochrisikopatientinnen und -patienten.