S3-Leitlinie Palliativmedizin bei nicht heilbarer Krebserkrankung umfassend aktualisiert
Die S3-Leitlinie „Palliativmedizin für Patient*innen mit einer nicht
heilbaren Krebserkrankung“ wurde umfassend aktualisiert. Neu hinzugekommen
sind Kapitel zur Angehörigenbetreuung und Spiritualität.
Die S3-Leitlinie „Palliativmedizin für Patient*innen mit einer nicht
heilbaren Krebserkrankung“ liegt in aktualisierter Fassung vor. Neu
hinzugekommen sind Kapitel zur Angehörigenbetreuung und Spiritualität.
Zahlreiche bestehende Empfehlungen wurden überarbeitet. Ziel der Leitlinie
ist es, die Lebensqualität von Krebsbetroffenen in palliativen Situationen
und die ihrer Angehörigen zu erhalten oder zu verbessern. Die Leitlinie
entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für
Palliativmedizin e. V. (DGP) und unter Mitwirkung von 70 weiteren
Fachgesellschaften und Organisationen. Finanziert wurde das
Leitlinienupdate von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des
Leitlinienprogramms Onkologie.
Krebs zählt nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu der zweithäufigsten
Todesursache in Deutschland. „Die Palliativversorgung hat sich in den
vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt. Einer der Gründe ist die
konsequente Orientierung an den Wünschen und Bedürfnissen der
Krebsbetroffenen in nicht heilbaren Situationen und an denen der
Nahestehenden“, sagt Professor Steffen Simon, Uniklinik Köln. Zusammen mit
Professorin Claudia Bausewein, LMU Klinikum München, und Professor Raymond
Voltz, ebenfalls Uniklinik Köln, hat er die Leitlinienerstellung
koordiniert. „Daher war es uns ein Anliegen, die Leitlinienempfehlungen zu
überarbeiten und um zwei neue Aspekte – Angehörige und Spiritualität – zu
erweitern.“
Neu: Angehörige unterstützen und Spiritualität einbeziehen
Die psychosoziale Belastung von Angehörigen, Freund*innen und Familien von
Menschen mit nicht-heilbaren Krebserkrankungen ist sehr hoch. Sie
übernehmen eine zentrale Rolle als Bezugspersonen für die Patient*innen,
sind zugleich mit eigenen emotionalen, sozialen und organisatorischen
Herausforderungen konfrontiert und haben so selbst Unterstützungsbedarf.
„In der Palliativmedizin müssen wir auch diese Gruppe in den Blick nehmen
und sie multiprofessionell unter Einbezug aller Berufsgruppen
unterstützen“, sagt Bausewein. „In der Leitlinie geben wir Empfehlungen,
wie deren Belastung und Bedürfnisse erfasst und daraus geeignete Maßnahmen
abgeleitet werden können. Das können beispielsweise Unterstützungsangebote
zur Stärkung der Selbstfürsorge oder für die Trauerbegleitung sein.“
Neu aufgenommen in die S3-Leitlinie wurde zudem der Themenbereich
Spiritualität. „Wir wissen aus Studien, dass sich Patient*innen in
palliativen Situationen und ihre Angehörigen oftmals mit existenziellen
Fragestellungen, Werten und religiösen Aspekten auseinandersetzen. Zudem
gibt es Hinweise darauf, dass Belastungen durch fehlenden Halt, Sinn oder
Orientierung mit einer schlechteren Lebensqualität und Symptomen wie Angst
und Depression einhergehen können“, so Voltz. Dem gegenüber gibt es bei
den Behandelnden aktuell noch Defizite bei der Integration dieses Themas
in den Behandlungsalltag. In der aktualisierten Leitlinie findet das
Fachpersonal daher Hinweise zur Erfassung von spirituellen Bedürfnissen.
Unter anderem wird empfohlen, Spiritual Care zum Thema von Aus-, Fort- und
Weiterbildung für alle Personen zu machen, die Menschen mit nicht-
heilbaren Krebserkrankungen behandeln und begleiten.
Neben den zwei neuen Themenbereichen wurden zudem systematisch alle
bestehenden Leitlinienempfehlungen überprüft und dort, wo nötig
aktualisiert. Die Überarbeitungen betreffen unter anderem die Medikation
bei Atemnot, Übelkeit und Erbrechen. Zudem wurden Empfehlungen zu
Tumorschmerzen, zur Behandlung opioidbedingter Obstipation und zu Fatigue
angepasst.
Die S3-Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar https://www
.leitlinienprogramm-onkologie.
Leitlinien-Hub unter https://hub.leitlinienprogramm
onkologie.de/leitlinie/palliat
Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Android-Smartphone-Nutzer finden die App hier:
https://play.google.com/store/
iPhone-Nutzer
https://apps.apple.com/de/app/
Das Leitlinienprogramm Onkologie (OL)
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 37 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm
Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP)
Deren 6.800 Mitglieder aus Medizin, Pflege und weiteren Berufsgruppen
engagieren sich für eine umfassende multiprofessionelle
Palliativversorgung in enger Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Im
Zentrum stehen die bestmögliche medizinische, pflegerische, psychosoziale
und spirituelle Behandlung und Begleitung schwerstkranker und sterbender
Menschen sowie ihrer Angehörigen. Gemeinsames Ziel ist es, für weitgehende
Linderung der Symptome und Verbesserung der Lebensqualität zu sorgen – in
welchem Umfeld auch immer Betroffene dies wünschen.
https://www.dgpalliativmedizin
