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Neue Studie zeigt geringe Teilnahmeraten an Krebs-Screenings von Menschen mit Behinderungen

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Deutsche Krebsgesellschaft fordert mit Blick auf eine inklusive
Krebsfrüherkennung mehr Forschung und Spezialisierung.
Krebsfrüherkennung kann Leben retten. Doch nicht alle Menschen haben
gleichermaßen Zugang zu Krebs-Screenings. Dies zeigt erstmals eine neue
Übersichtsarbeit der Deutschen Krebsgesellschaft, die zusammen mit dem
Centre for Cancer Detection Bruges/Belgien, dem Universitätskrankenhaus
Leuven/Belgien und dem Cancer Registry of Norway veröffentlich wurde.


Personen mit Unterstützungsbedarf und kognitiver Beeinträchtigung stoßen
auf zahlreiche Hürden bei der Teilnahme an Krebsfrüherkennungs-
Untersuchungen und nehmen somit seltener an Krebs-Screenings teil.

Berlin, 20. August 2026. Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung
erkranken ähnlich häufig an Krebs wie Menschen ohne Beeinträchtigung.
Daten zeigen jedoch, dass in dieser Gruppe Krebsdiagnosen oftmals in einem
fortgeschrittenen Stadium gestellt werden und die Heilungschancen somit
geringer ausfallen. Auch die Krebssterblichkeit ist bei Menschen mit
kognitiver Beeinträchtigung höher.¹

Wissenschaftler*innen der Deutschen Krebsgesellschaft haben nun erstmals
im Rahmen des EU-geförderten Projekts EUCanScreen gemeinsam mit
Forschenden aus Belgien und Norwegen 78 Studien weltweit verglichen, die
Screening-Raten von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, Barrieren
und förderliche Faktoren zur Screening-Teilnahme sowie Interventionen zur
Verbesserung des Zugangs für die Zielgruppe analysieren. Ein wichtiges
Ergebnis: Die Teilnahmeraten an Screening-Untersuchungen für Brust-,
Gebärmutterhals-, Darm-, und Magenkrebs sind bei Menschen mit
Beeinträchtigung durchweg geringer – und das länderübergreifend.²  „Viele
Länder erfassen keine Screening-Daten von Menschen mit Beeinträchtigung –
das Thema hat in der Forschungslandschaft noch nicht den Stellenwert, den
es haben sollte.  Das Forscher*innenteam konnten nun Daten aus 14 Ländern
auswerten. Gute Studiendaten gab es beispielsweise in Dänemark. Dort lag
die Teilnahmerate bei Frauen mit kognitiver Beeinträchtigung beim
Brustkrebs-Screening bei nur 25 Prozent, gegenüber 62 Prozent bei Frauen
ohne kognitive Beeinträchtigung“, sagt Carmen Koko, Mitarbeiterin in der
Abteilung Versorgungsforschung der Deutschen Krebsgesellschaft und
Erstautorin der Studie.

Erste Daten aus Deutschland zeigen ebenfalls, dass es hierzulande ähnlich
aussieht: Die Screening-Teilnahme für Gebärmutterhals-, Brust-, Darm-,
Prostata- und Hautkrebs von Menschen mit Down-Syndrom lag in einer
retrospektiven Querschnittsstudie mit Abrechnungsdaten der gesetzlichen
Krankenversicherung nur bei rund 17 Prozent, verglichen mit 26 Prozent bei
Menschen ohne kognitive Beeinträchtigung.³

Hindernisse beim Krebs-Screening

Die Studie zeigt zudem Barrieren zur Teilnahme an Krebs-Screenings auf.
Die Kommunikation und die partizipative Entscheidung sind dabei wichtige
Bausteine. Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung benötigen
zielgruppengerechte Screening-Einladungen, etwa mit begleitendem
Bildmaterial und in Einfacher Sprache. Die Ergebnisse der Untersuchungen
werden meist an Hausärzt*innen oder die Betreuungspersonen kommuniziert –
die Betroffenen werden nur indirekt informiert. Dies ist für gemeinsame
Therapieentscheidungen hinderlich.

Nachbesserungsbedarf gibt es auch in der Versorgung: Praxen sind oftmals
nicht barrierefrei. Zudem ist das Fachpersonal mit Blick auf die Bedarfe
der Zielgruppe nur unzureichend geschult und muss die Untersuchungen in
einem kurzen Zeitfester durchführen. Ängste der Betroffenen und spezielle
Bedürfnisse, wie z. B. Besuche der Untersuchungs-Räume vor dem
eigentlichen Screening, längere und ruhigere Terminzeiten zu Beginn oder
am Ende des Tages oder eine Sedierung, können im streng getakteten Praxis-
oder Klinikalltag nur schwer realisiert werden. Zudem ist keine
entsprechende Vergütung für den zeitlichen Mehraufwand vorgesehen.

Mehr Spezialisierung und Forschung

Die Studie zeige, dass es keinen chancengleichen Zugang zu Krebs-
Screenings für bestimmte Gruppen gebe, so Dr. Konstanze Blatt,
Generalsekretärin der Deutschen Krebsgesellschaft. Versorgungsstrukturen
seien derzeit nicht ausreichend auf die spezifischen Bedarfe von Menschen
mit kognitiver Beeinträchtigung ausgerichtet: „Ich sehe hier ein großes
Potenzial hin zu mehr Spezialisierung. Deutschlandweit gibt es
medizinische Behandlungszentren für Erwachsene mit Behinderungen (MZEB),
die eine Expertise in der Versorgung dieser Gruppe aufweisen und z. B.
Sprechstunden zur Darmkrebs-Früherkennung anbieten. Wir müssen diese
Schnittstellen gezielter nutzen.“ Für eine inklusive und personalisierte
Krebsfrüherkennung würden zudem mehr Forschungsdaten benötigt, ergänzt
Blatt. Wissenslücken gebe es beispielweise bei den einzelnen
Beeinträchtigungen und den eventuell damit einhergehenden spezifischen
Krebsrisiken. Mehr Evidenz werde auch bei der Risiko-Nutzen-Abwägung von
Krebsfrüherkennung bei bestimmten Syndromen benötigt. „So könnten wir
langfristig Empfehlungen zu inklusiven Screening-Maßnahmen in Leitlinien
einfließen lassen, das Wissen an das ärztliche Fachpersonal weitergeben
und die Krebsversorgung von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung
verbessern.“

Weitere Informationen:

Die Publikation entstand im Rahmen der Joint Action EUCanScreen.
EUCanScreen wird durch das EU4Health-Programm der Europäischen Union
finanziert und verfolgt das Ziel, Krebsfrüherkennung in der gesamten EU
als Standard zu etablieren. Das Konsortium besteht aus 29 Ländern,
darunter 25 EU-Mitgliedsstaaten, die Ukraine, Moldawien, Norwegen und
Island. EUCanScreen ist zudem Teil des Europäischen Plans zur
Krebsbekämpfung. Die Joint Action läuft bis März 2028.

Projekt-Webseite: https://www.krebsgesellschaft.de/projekte/eucanscreen

Publikation: Koko, C., Yang, Z., Nygård, M. et al. Cancer screening in
people with intellectual disability: a scoping review of participation,
barriers, facilitators, and improvement strategies within the EUCanScreen
initiative. Int J Equity Health 25, 186 (2026).
https://doi.org/10.1186/s12939-026-02965-1

Die Deutsche Krebsgesellschaft

Die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG) – eine Nachfolgeorganisation
des 1900 gegründeten „Comité für Krebssammelforschung“ – ist die größte
wissenschaftlich-onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum.
Die rund 8.500 Einzelmitglieder in 25 Arbeitsgemeinschaften, die 16
Landeskrebsgesellschaften und 32 Fördermitglieder sind in der Erforschung
und Behandlung von Krebserkrankungen tätig. Die DKG engagiert sich für
eine Krebsversorgung auf Basis von evidenzbasierter Medizin,
Interdisziplinarität und konsequenten Qualitätsstandards, ist
Mitinitiatorin des Nationalen Krebsplans und Partnerin der „Nationalen
Dekade gegen Krebs“.
https://www.krebsgesellschaft.de/

Referenzen

[1] Cuypers, M., Schalk, BWM., Boonman, AJN. et al. Cancer-related
mortality among people with intellectual disabilities: A nationwide
population-based cohort study. Cancer 128(6), 1267–1274 (2022).
https://doi.org/10.1002/cncr.34030

[2] Koko, C., Yang, Z., Nygård, M. et al. Cancer screening in people with
intellectual disability: a scoping review of participation, barriers,
facilitators, and improvement strategies within the EUCanScreen
initiative. Int J Equity Health 25, 186 (2026).
https://doi.org/10.1186/s12939-026-02965-1

[3] Sappok, T., Krieg, S., Rosenbusch, M. L. et al. Cancer Frequencies and
Screening in Individuals With Down Syndrome: A Comprehensive Nationwide
Cross-Sectional Analysis. JCO Glob Oncol 12(6), e2500710 (2026).
https://doi.org/10.1200/GO-25-00710