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Krankenhausaufenthalt darf nicht krank machen: Wie ältere Menschen geschützt werden können

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In einem Krankenhaus sollen Menschen eigentlich gesund werden. Doch gerade
für ältere und schutzbedürftige Patienten kann der Aufenthalt selbst zum
Risiko werden. „Krankenhausassoziierte Dekonditionierung ist ein großes
Problem: Sie wird durch eine Kombination von Faktoren verursacht, die mit
der Erkrankung selbst, verminderter körperlicher Aktivität, der Ernährung
und der Gestaltung der Umgebung in vielen Krankenhäusern zusammenhängen“,
sagt Dr. Carly Welch.



Die Geriaterin vom King’s College London beschäftigt sich mit der Frage,
wie dieser Abbau frühzeitig verhindert werden kann. Ihre zentrale
Botschaft: Krankenhäuser müssen nicht nur Krankheiten behandeln, sondern
zugleich aktiv dafür sorgen, dass ältere Menschen ihre Selbstständigkeit
möglichst erhalten. Beim gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen
Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für
Gerontologie und Geriatrie (DGGG) vom 23. bis 26. September 2026 in
Frankfurt am Main stellt sie ihre wichtige Perspektive vor.

Der Begriff Dekonditionierung klingt zunächst nach einem vorübergehenden
Verlust an Fitness. Für ältere Menschen, die bereits gebrechlich sind,
sind die Folgen allerdings gravierend: Schon innerhalb einer Woche nach
einer Krankenhauseinweisung kann sich bei einem Teil der zuvor nicht
sarkopenen älteren Patienten ein rascher Verlust von Muskelmasse,
-qualität oder -kraft entwickeln. „Wir müssen Dekonditionierung als
ganzheitliches Syndrom verstehen. Wenn Muskelkraft und Beweglichkeit
nachlassen, sind häufig auch kognitive Funktionen betroffen“, betont
Welch. Der geistige Abbau kann von einer verlangsamten Verarbeitung von
Informationen bis hin zum ausgeprägten Delir reichen. Hinzu kommen
mögliche Folgen wie Stürze, Kreislaufprobleme, Verstopfung, Inkontinenz
oder Druckgeschwüre. Die Auswirkungen können weit über die Entlassung
hinausreichen und die Selbstständigkeit dauerhaft beeinträchtigen.

Stellschrauben: Bewegung, Ernährung und geistige Aktivierung

Was lässt sich dagegen tun? Eine wichtige Antwort sieht Welch im
sogenannten Frailty Care Bundle. Im Mittelpunkt stehen dabei drei
Bereiche: Bewegung, Ernährung sowie kognitive und soziale Aktivierung.
Ältere Menschen sollten möglichst früh wieder mobilisiert werden,
individuelle tägliche Bewegungsziele erhalten und ausreichend Energie und
Eiweiß aufnehmen. Ebenso wichtig sind regelmäßige Delir-Screenings,
Tageslicht und geistige Anregung – etwa durch Gespräche, Lesen oder
Spiele. Entscheidend sei dabei, diese Maßnahmen nicht als einzelne
Zusatzangebote zu verstehen, sondern in den Alltag der Station zu
integrieren.

Interdisziplinär arbeiten: Gemeinsam gegen den Abbau

Damit das gelingt, braucht es mehr als einzelne engagierte Mitarbeiter.
Ärztlicher Dienst, Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Ernährungsteams
und weitere Berufsgruppen müssen an einem Strang ziehen. Auch die
Patienten selbst sollten aktiv einbezogen werden. „Wir können die Folgen
eines Krankenhausaufenthalts nur dann nachhaltig reduzieren, wenn wir
interdisziplinär arbeiten, in der klinischen Praxis genauso wie in der
Forschung“, sagt Welch. Gerade hier sieht sie großes Potenzial: Neue
Trainingskonzepte, digitale Anwendungen und intelligente technische
Systeme könnten künftig helfen, gefährdete Patienten früher zu erkennen
und Interventionen individueller anzupassen. Die Herausforderung für die
moderne Geriatrie lautet: Nicht nur Krankheiten behandeln, sondern
vermeidbaren Abbau während eines Krankenhausaufenthalts verhindern!

Keynote:
Dr. Carly Welch
Beyond the hospital bed: New insights into Hospital-Associated
Deconditioning
https://www.gerontologie-geriatrie-
kongress.org/programm/freitag/session/keynote-5.html

Gemeinsamer Jahreskongress DGGG & DGG
Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.
Campus Westend, Hörsaal 3
Freitag, 25. September 2026, 16 Uhr
https://www.gerontologie-geriatrie-kongress.org

Zur Person:
Dr. Carly Welch ist Clinical Senior Lecturer am King’s College London und
ehrenamtliche Fachärztin für Geriatrie am Guy’s and St Thomas’ NHS
Foundation Trust. Ihre Forschungsinteressen sind multidisziplinär und
zielen darauf ab, Interventionen bei klinischen Manifestationen einer
beeinträchtigten Resilienz in die klinische Praxis zu übertragen, indem
sie die Lücke zwischen experimenteller Medizin und angewandter
Gesundheitsforschung überbrückt. Sie schloss 2022 ihre Promotion zum Thema
„Akute Sarkopenie: die letzte verbleibende akute Organinsuffizienz“ an der
Universität Birmingham ab, bevor sie nach London zog. Sie hat zahlreiche
hochrangige Artikel veröffentlicht, darunter 2024 einen „New
Horizons“-Artikel zum Thema krankenhausassoziierte Dekonditionierung in
der Fachzeitschrift Age & Ageing. Klinisch ist sie in den Bereichen akute
„Front-Door“-Gebrechlichkeit, geriatrische Onkologie und Innere Medizin
tätig. Seit 2023 ist sie zudem Mitglied der European Academy for Medicine
of Ageing.