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Zelltherapie zeigt anhaltende Wirkung bei schwerer neuromuskulärer Autoimmunerkrankung

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Neue Langzeitdaten: Drei Patientinnen mit der seltenen Muskelerkrankung
Myasthenia gravis sind nach CAR-T-Zelltherapie auch Jahre später
beschwerdefrei und benötigen keine Medikamente



Am 30. Mai 2023 gelang an der Universitätsmedizin Magdeburg ein
medizinischer Meilenstein: Damals wurde weltweit erstmals eine Patientin
mit schwerer, therapieresistenter Myasthenia gravis erfolgreich mit einer
gegen B-Zellen gerichteten CAR-T-Zelltherapie behandelt – ein Verfahren
das ursprünglich aus der Krebsmedizin stammt. Drei Jahre später hat ein
interdisziplinäres Team nun die Langzeitergebnisse von drei Patientinnen
im renommierten Fachjournal Cell Reports Medicine veröffentlicht – zwei
von ihnen wurden in Magdeburg behandelt.

Alle drei Patientinnen waren kurz nach der Behandlung beschwerdefrei. Die
zuvor notwendigen Medikamente konnten vollständig abgesetzt werden,
während sich Muskelkraft, Alltagsfunktionen und Lebensqualität deutlich
verbesserten. Die erste Magdeburger Patientin ist seit mehr als drei
Jahren symptomfrei. Das besondere an diesen Ergebnissen ist vor allem die
lange Beobachtungsdauer: Sie zeigt, dass die Wirkung der Therapie nicht
nur kurzfristig, sondern über Jahre anhalten kann.

Seltene Erkrankung mit teilweise lebensbedrohlichem Verlauf

Myasthenia gravis ist eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper
die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln stören. Typische Folgen
sind eine rasch zunehmende Muskelschwäche, Doppelbilder sowie
Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken. Ist die Atemmuskulatur
betroffen, kann die Erkrankung lebensbedrohlich werden.

In Deutschland leben Schätzungen zufolge bis zu 24.000 Menschen mit einer
Myasthenie. Die Erkrankung kann in jedem Lebensalter auftreten. Bei einem
frühen Krankheitsbeginn sind Frauen etwa drei- bis viermal häufiger
betroffen als Männer. Obwohl sich die Behandlungsmöglichkeiten in den
vergangenen Jahren deutlich verbessert haben, benötigen viele Betroffene
eine dauerhafte Therapie. Bei einem Teil der Patientinnen und Patienten
lässt sich die Erkrankung trotz mehrerer Medikamente nicht ausreichend
kontrollieren.

Gezielter Neustart des Immunsystems

Bei der CAR-T-Zelltherapie werden aus dem Blut von Betroffenen
körpereigene Abwehrzellen, die sogenannten T-Zellen, entnommen.  Im Labor
werden sie genetisch so verändert, dass sie anschließend B-Zellen gezielt
erkennen und zerstören können. Die veränderten Zellen werden der Patientin
oder dem Patienten wieder zurückgegeben.

B-Zellen spielen bei Myasthenia gravis und vielen weiteren
Autoimmunerkrankungen eine zentrale Rolle. Sie bilden die fehlgeleiteten
Antikörper, die die Kommunikation zwischen Nerven und Muskeln
beeinträchtigen. Die Idee: Werden diese Zellen vorübergehend entfernt,
kann sich das Immunsystem danach möglicherweise neu ordnen.

„Unsere Daten sprechen dafür, dass diese vorübergehende B-Zell-Beseitigung
dem Immunsystem die Chance auf einen sogenannten immunologischen Neustart
geben kann“, erklärt Prof. Dr. Dimitrios Mougiakakos, der zu den Pionieren
dieses Therapiekonzepts bei Autoimmunerkrankungen gehört und dessen
klinische Entwicklung maßgeblich mit vorangetrieben hat.

Gute Verträglichkeit durch weitere Magdeburger Studie gestützt

In der aktuellen Fallserie wurde die Behandlung insgesamt gut vertragen.
Auftretende Nebenwirkungen waren vorübergehend und beherrschbar. Dies
deckt sich mit einer weiteren 2026 in HemaSphere veröffentlichten
Magdeburger Studie: Auch dort wurden bei den untersuchten Fällen mit
schweren Autoimmunerkrankungen, darunter drei mit Myasthenia gravis, keine
schwerwiegenden therapiebedingten Nebenwirkungen beobachtet.

Von Einzelfällen zur internationalen Studie

Die Erfahrungen aus der Fallserie sind inzwischen in die internationale
klinische Studie KYSA-6 eingeflossen. In dieser großangelegten
Phase-2/3-Studie wird dasselbe CAR-T-Zellprodukt bei einer größeren Zahl
von Menschen mit schwerer generalisierter Myasthenia gravis untersucht.

Auch an der Universitätsmedizin Magdeburg werden dafür Betroffene mit
einer aktiven Myasthenia gravis gesucht. Interessierte können sich unter
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. über die Studie informieren. Ob eine Teilnahme
möglich ist, wird anschließend individuell anhand der jeweiligen
Studienkriterien geprüft.

Interdisziplinäre Zelltherapieforschung in Magdeburg

Die aktuelle Publikation entstand in enger Zusammenarbeit zwischen der
Universitätsmedizin Magdeburg, der Medizinischen Hochschule Hannover, der
Ruhr-Universität Bochum, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-
Nürnberg und weiteren klinischen sowie wissenschaftlichen Partnern.

Das Magdeburger Zentrum für Zell- und Immuntherapien (MAZI) bündelt die
hierfür erforderliche Expertise und verbindet experimentelle Forschung und
klinische Anwendung. Mit weltweit beachteten Pionierbehandlungen hat sich
Magdeburg zu einem der besonders aktiven deutschen Standorte für
T-zellbasierte Immuntherapien bei schweren Autoimmunerkrankungen
entwickelt.

„Der Weg von der ersten individuellen Behandlung über die
wissenschaftliche Langzeitbeobachtung bis zur kontrollierten Studie zeigt,
wie translationale Medizin funktionieren kann“, betont Prof. Mougiakakos.
„Im MAZI schaffen wir die interdisziplinären Strukturen, um solche Ansätze
gemeinsam weiterzuentwickeln.“

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Dimitrios Mougiakakos, Direktor der Universitätsklinik für
Hämatologie, Onkologie, Zell- und Strahlentherapie Magdeburg, E-Mail:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein..de, Tel: +49 391 67 13266

Originalpublikation:
A. Long-term outcomes of anti-CD19 CAR T cell therapy in refractory
myasthenia gravis: A case series, in: Cell Rep Med., 2026 Aug 21,  DOI:
10.1016/j.xcrm.2026.103000.

Expansion and safety profile of CD28-costimulated anti-CD19 CAR T cells in
B-cell lymphoma versus autoimmune disease., in: Hemasphere,  2026 Jul 8,
DOI: 10.1002/hem3.70426.