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Rheuma und Schwangerschaft: Neue Daten verbessern Risikokontrolle – Deutscher Rheumatologiekongress 2026

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Entzündlich-rheumatische Erkrankungen können Frauen in einer Lebensphase
treffen, in der Familienplanung und Elternschaft eine wichtige Rolle
spielen. Eine sichere Schwangerschaft ist heute jedoch in den meisten
Fällen möglich – dank intensiver Forschung, die in den letzten Jahren zu
neuen Möglichkeiten der Behandlung und der medizinischen Überwachung
geführt hat. Was es bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und
Kinderwunsch zu beachten gilt, welche Risiken bestehen und wie sie
minimiert werden können, war ein Thema der heutigen Vorab-Online-
Pressekonferenz am 2. September anlässlich des Deutschen
Rheumatologiekongresses 2026, der vom 9. bis 12. September in Leipzig
stattfindet.



Sie finden diese Meldung auch hier: https://www.dgrh.de/pressemitteilung
/rheuma-und-schwangerschaft/


Viele Schwangere möchten zum Schutz ihres Kindes möglichst wenige
Medikamente einnehmen – bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen kann
ein Absetzen der Therapie jedoch riskant sein. „Eine aktive rheumatische
Erkrankung kann die Schwangere und ihr ungeborenes Kind genauso gefährden
wie ein Medikament, das für die jeweilige Schwangerschaftsphase nicht
geeignet ist“, sagt Dr. med. Isabell Haase, Fachärztin für Innere Medizin
und Rheumatologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Entscheidend
sei deshalb, individuelle Risiken frühzeitig zu erkennen und Therapie und
Überwachung darauf abzustimmen.

Hochrisiko-Schwangerschaften: Neue Studie macht vorsichtig Hoffnung
Wie eine solche risikoadaptierte Behandlung aussehen könnte, zeigen neue
Daten zum Antiphospholipid-Syndrom (APS), bei dem bestimmte Autoantikörper
das Risiko für Fehl- und Totgeburten sowie weitere
Schwangerschaftskomplikationen erhöhen. Die Standardbehandlung des
geburtshilflichen APS besteht aus niedrig dosierter Acetylsalicylsäure und
Heparin. Bei besonders gefährdeten Schwangeren mit dauerhaft nachweisbarem
Lupus-Antikoagulans kommt es jedoch trotz dieser Behandlung in Studien bei
40 bis 64 Prozent zu einem ungünstigen Schwangerschaftsausgang. In der
IMPACT-Studie erhielten 51 Schwangere mit Hochrisiko-APS und schweren
Komplikationen in der Vorgeschichte zusätzlich zur Standardtherapie
Certolizumab pegol. Schwere APS-bedingte Schwangerschaftskomplikationen
traten bei 20 Prozent auf, 93 Prozent der Neugeborenen überlebten bis zur
Entlassung aus dem Krankenhaus. Aufgrund der geringen Studiengröße und des
Fehlens einer randomisierten Kontrollgruppe seien die Ergebnisse
vorsichtig zu interpretieren, betont Haase. Certolizumab ist zudem nicht
zur Behandlung des geburtshilflichen APS zugelassen. „Dennoch zeigt die
Studie eine konkrete zusätzliche Therapieperspektive für einzelne
Hochrisikopatientinnen auf, bei denen die Standardbehandlung nicht
ausreicht.“

Risiken früher erkennen und engmaschiger überwachen
Nicht nur bei der Behandlung von Schwangerschaftskomplikationen, sondern
auch bei ihrer Früherkennung gibt es neue Ansätze. Bei Schwangeren mit
Anti-SSA/Ro-Antikörpern entwickelt das ungeborene Kind in etwa ein bis
zwei Prozent der Fälle einen angeborenen AV-Block, eine Störung der
elektrischen Reizleitung im Herzen. Ein höhergradiger AV-Block kann
innerhalb weniger Stunden entstehen und damit zwischen zwei
Ultraschallterminen unentdeckt bleiben. Die laufende STOP-BLOQ-Studie
untersucht deshalb ein häusliches Monitoring: Schwangere mit hohen
Antikörperwerten kontrollieren dreimal täglich den Herzrhythmus ihres
Kindes. In der bisherigen Auswertung von 413 Schwangerschaften trat ein
AV-Block ausschließlich bei hohen Antikörperwerten auf und wurde
zuverlässig durch das Selbstmonitoring erkannt. Ob durch die frühere
Erkennung auch ein dauerhafter vollständiger Herzblock verhindert werden
kann, ist noch offen.

Sichere Therapie braucht verlässliche Informationen
Neben neuen Behandlungs- und Überwachungsansätzen von
Schwangerschaftskomplikationen bleibt die Kontrolle der rheumatischen
Grunderkrankung entscheidend. Die aktualisierten EULAR-Empfehlungen
zeigen, dass zahlreiche antirheumatische Therapien auch während Zeugung,
Schwangerschaft und Stillzeit eingesetzt werden können. Fachinformationen
und Beipackzettel bleiben jedoch häufig zurückhaltender oder widersprechen
den wissenschaftlichen Empfehlungen.
In der internationalen PRAISE-Umfrage unter 414 Angehörigen von
Gesundheitsberufen berichteten 58 Prozent, dass solche Widersprüche zu
Unsicherheit oder Spannungen im ärztlichen Beratungsgespräch führen; fast
20 Prozent würden deshalb eine laufende Behandlung wahrscheinlich
absetzen. „Nun gilt es, Fachinformationen und Beipackzettel schneller an
die wissenschaftlichen Leitlinien anzupassen“, betont Haase abschließend.

Bei Abdruck Beleg erbeten.

Aktuelle Zahlen zu Rheuma und Schwangerschaft:
•       Statistisches Bundesamt (Destatis). Geburten in Deutschland.
Verfügbar unter: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-
Umwelt/Bevoelkerung/Geburten/_inhalt.html
•       Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie
e. V. (DGRh). Daten und Fakten. Rheuma in Zahlen. Verfügbar unter:
https://www.dgrh.de/finden/presse/daten-und-fakten/

Quellen:
•       Braun J, Albrecht K, Callhoff J, et al; Kommission Versorgung der
DGRh. Rheumatologische Versorgung in Deutschland: Memorandum der Deutschen
Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie 2024. Z
Rheumatol. 2024;83(suppl 2):249-284. doi:10.1007/s00393-024-01539-2
•       Gebhart J, Posch F, Koder S, et al. High risk of adverse pregnancy
outcomes in women with a persistent lupus anticoagulant. Blood Adv.
2019;3(5):769-776. doi:10.1182/bloodadvances.2018026948
•       Lockshin MD, Kim M, Laskin CA, et al. Prediction of adverse
pregnancy outcome by the presence of lupus anticoagulant, but not
anticardiolipin antibody, in patients with antiphospholipid antibodies.
Arthritis Rheum. 2012;64(7):2311-2318. doi:10.1002/art.34402
•       Branch DW, Kim MY, Guerra MM, et al. Certolizumab pegol to prevent
adverse pregnancy outcomes in patients with antiphospholipid syndrome and
lupus anticoagulant (IMPACT): results of a prospective, single-arm, open-
label, phase 2 trial. Ann Rheum Dis. 2025;84(6):1011-1022.
doi:10.1016/j.ard.2025.02.012
•       Wallmeier P, Haase I. Sjögren-Erkrankung und Schwangerschaft
[Sjögren's disease and pregnancy]. Z Rheumatol. Published online April 13,
2026. doi:10.1007/s00393-026-01813-5
•       Buyon JP, Masson M, Izmirly CG, et al. Prospective evaluation of
high-titer autoantibodies and fetal home monitoring in the detection of
atrioventricular block among anti-SSA/Ro pregnancies. Arthritis Rheumatol.
2024;76(3):411-420. doi:10.1002/art.42733
•       Rüegg L, Pluma A, Hamroun S, et al. EULAR recommendations for use
of antirheumatic drugs in reproduction, pregnancy, and lactation: 2024
update. Ann Rheum Dis. 2025;84(6):910-926. doi:10.1016/j.ard.2025.02.023
•       Schreiber K, Graversgaard C, Parodis I, et al. Impact of
conflicting information on the use of antirheumatic drugs in pregnancy and
breastfeeding: perspectives of healthcare providers from the global PRAISE
survey. Ther Adv Musculoskelet Dis. 2025;17:1759720X251350087. Published
2025 Jul 16. doi:10.1177/1759720X251350087
•       Schreiber K, Clark A, Andreoli L. Announcing The Lancet
Rheumatology Commission on reproductive health and family planning in
immune-mediated long-term conditions: empowering special reproductive
journeys. Lancet Rheumatol. 2026;8:e497-e500

Terminhinweise:
Vorab-Pressekonferenz (online)
Datum: Mittwoch, 2. September 2026
Uhrzeit: 11:00 bis 12:00 Uhr
Den Link zur Aufzeichnung finden Sie hier:
https://nextcloud.rheumaakademie.de/index.php/s/oZgRg3gefNsaN8n?dir=/&editing=false&openfile=true

Themen und Referierende

Adipositas, Immunzellen und Rheuma: neue Erkenntnisse aus der
Stoffwechselforschung
Professor Dr. med. Ulf Wagner, Kongresspräsident der DGRh, Leiter des
Bereichs Rheumatologie der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie,
Nephrologie, Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig

Rheumatherapie und Schwangerschaft: was für eine sichere Versorgung
notwendig ist
Dr. med. Isabell Haase, Oberärztin am Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie

Autoimmunerkrankungen verhindern, bevor sie entstehen: neue Erkenntnisse
zur Prävention am Beispiel der rheumatoiden Arthritis
Professor Dr. med. Jürgen Rech, Oberarzt für Rheumatologie und Immunologie
am Universitätsklinikum Erlangen

Therapie der rheumatoiden Arthritis mit krankheitsmodifizierenden
Medikamenten: Was empfiehlt die neue DGRh-Leitlinie?
Professor Dr. med. Torsten Witte, Direktor der Klinik für Rheumatologie
und Immunologie, Medizinische Hochschule Hannover

Rheuma wartet nicht – warum der frühe Zugang zur internistischen
Rheumatologie entscheidend ist
Professor Dr. med. Ulf Wagner, Kongresspräsident der DGRh und
Corinna Elling-Audersch, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, Bonn

Kongress-Pressekonferenz (hybrid)
Datum: Donnerstag, 10. September 2026
Uhrzeit: 12:00 bis 13:00 Uhr
Raum: Congress Center Leipzig, Vortragsraum 9 (Ebene +2)
Link zur Anmeldung für die Onlineteilnahme:
https://events.teams.microsoft.com/event/4cd7c5f7-ac69-4524-985e-
035db34e16ff@1495922a-4378-45e9-a32a-422448450fb1

Vorläufige Themen und Referierende

Wenn Entzündung chronisch wird: neue Erkenntnisse zur Entstehung von
Rheuma
Professor Dr. med. Ulf Wagner, Kongresspräsident der DGRh, Leiter des
Bereichs Rheumatologie der Klinik und Poliklinik für Endokrinologie,
Nephrologie, Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig

Kombination von Biologika bei schwerem Kinderrheuma: wenn ein gezielter
Wirkstoff nicht ausreicht
Professor Dr. med. Christian Klemann, Kongresspräsident der GKJR, Leiter
der Klinik für Kinder und Jugendmedizin am Klinikum Lippe sowie Leiter der
Pädiatrischen Immunologie, Kinderrheumatologie und Infektiologie am
Universitätsklinikum Leipzig

Von der Immunsuppression zum Immun-Reset: neue Entwicklungen bei
zellbasierten Therapien
Professor Dr. med. Ina Kötter, 1. Vizepräsidentin der DGRh, Fachärztin für
Innere Medizin, Rheumatologie und Hämatologie/Onkologie; Direktorin der
Klinik für Rheumatologie und Immunologie an der Auenlandklinik Bad
Bramstedt und Leiterin der Sektion Rheumatologie und Entzündliche
Systemerkrankungen (in der Abteilung III. Medizin) am Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf

Rheumatische Erkrankungen im höheren Lebensalter: Herausforderungen und
Besonderheiten für Diagnostik, Therapie und Versorgung
Professor Dr. med. Jan Leipe, Leiter der Sektion Rheumatologie und des
Exzellenzzentrums Entzündungsmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-
Holstein der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Ein weiteres Thema aus der orthopädischen Rheumatologie wird in Kürze
bekanntgegeben.

Verleihung des Rheuma-Preises 2026 „Rheuma Arbeit geben – die Chancen
nutzen“
Termin: Samstag, 12. September 2026, 10:00 – 11:30 Uhr im Raum
Mehrzweckfläche 3, Ebene 0
Anmeldung: bis 1. September unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Weitere Programmhighlights zu entzündlich-rheumatischen Erkrankungen und
Alter:
•       Immunalterung – Impulse aus der experimentellen Forschung
(Mittwoch, 9. Sept., 16:30 - 17:45 Uhr, Saal 1)
•       Alter schützt vor Bewegung nicht – Rheuma auch nicht (Donnerstag,
10. Sept., 10:30 - 12:00 Uhr, Mehrzweckfläche 1)
•       Chancengleichheit in der Versorgung (Donnerstag, 10. Sept., 10:30
- 12:00 Uhr, Mehrzweckfläche 4)
•       Herausforderungen und Besonderheiten rheumatischer Erkrankungen im
höheren Lebensalter (Freitag, 11. Sept., 14:30 - 16:00 Uhr, Saal 1)
•       Best Care for Best Agers (Freitag, 11. Sept., 16:30 - 18:00 Uhr,
Mehrzweckfläche 3)