Zum Hauptinhalt springen

20 Jahre Kooperation: Wo Wissenschaft auf Einsatz trifft

Pin It

– Am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
(BNITM), Bundeswehrkrankenhaus Hamburg und Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf (UKE) arbeiten führende Expert:innen seit 20 Jahren in der
Tropenmedizin und Infektionsbiologie erfolgreich Hand in Hand. Am
01.09.2026 fand anlässlich dieses Jubiläums eine akademische Feierstunde
mit Grußworten, Impulsvorträgen und Podiumsdiskussion statt. Das BNITM
lädt die interessierte Öffentlichkeit zu einer weiteren Veranstaltung am
Mittwoch, 30.09.2026, von 17:00 bis 18:30 Uhr in den historischen Hörsaal
des BNITM ein – spannende Vorträge über die gemeinsamen Forschungsprojekte
und Missionen stehen auf dem Programm.

Gestern Abend blickten das BNITM, das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg und
das UKE auf 20 Jahre erfolgreiche Partnerschaft zurück. Im Rahmen einer
akademischen Feierstunde beleuchteten die drei Institutionen ihre
gemeinsame Arbeit an der Schnittstelle von Forschung, klinischer
Versorgung und Einsatzvorbereitung und gaben einen Ausblick auf die
Herausforderungen der Zukunft.

Gemeinsam gegen globale Gesundheitskrisen

Prof. Dr. Jürgen May, Vorstandsvorsitzender des BNITM, betont die
Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit: „Die Tropenmedizin ist
ein Feld, das unterschiedliche Perspektiven und Kompetenzen erfordert. Die
Erfahrung aus den Auslandseinsätzen des Sanitätsdienstes der Bundeswehr,
die klinische Expertise des UKE und das tropenmedizinische Wissen des
BNITM in der Infektionsbekämpfung sowie in Forschung und Praxis vor Ort
machen diese Kooperation so besonders. Sie ist ein Beispiel dafür, wie
Institutionen gemeinsam mehr erreichen können als allein.“

Die über 20 Jahre gewachsene Zusammenarbeit der drei Hamburger
Institutionen verbindet grundlagenwissenschaftliche Expertise, klinische
Erfahrung und einsatzmedizinische, logistische Kompetenz. Gemeinsam
konnten die drei Partner in den vergangenen Jahren wichtige Beiträge zur
Bekämpfung von Infektionskrankheiten leisten: Ob in der Forschung zu
hämorrhagischen Fiebern, der klinischen Versorgung von Patient:innen mit
tropischen Erkrankungen oder der Ausbildung von Fachkräften, die
Partnerschaft hat sich in zahlreichen Projekten und Krisensituationen
bewährt.

Historische Wurzeln, moderne Antworten

Die Feierstunde zeigte: Die historischen Wurzeln der Zusammenarbeit
reichen bis in die Gründungszeit des BNITM zurück. Heute setzen die drei
Partnerinstitutionen diese Tradition auf moderne Weise fort: mit mobilen
Laboren in Krisengebieten, klinischen Studien zu vernachlässigten
Krankheiten, der Ausbildung von Fachkräften für globale Einsätze und in
Kooperationen mit Partnerinstitutionen in afrikanischen Ländern.

Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher machte in seinem
Grußwort deutlich, welchen Stellenwert die Zusammenarbeit der drei
Institutionen nicht nur für die medizinische Forschung und Versorgung in
Hamburg, sondern auch für die globale Gesundheit hat:

„Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und das UKE haben einen
hervorragenden Ruf und passen als Kooperationspartner gut zusammen. Sie
stehen für wissenschaftliche Exzellenz und für medizinische Forschung und
Krankenversorgung auf höchstem Niveau. Seit Jahrzehnten kooperieren sie
auf dem Gebiet der Tropen- und Infektionsmedizin, das von globaler und
gerade für eine Hafenstadt und eine internationale Metropole von größter
praktischer Bedeutung ist. Seit 20 Jahren gehört zu diesem starken
Hamburger Bündnis gegen tropische Infektionskrankheiten auch das
Bundeswehrkrankenhaus. Die Kollaboration ist ein hervorragendes Beispiel
der guten zivil-militärischen Zusammenarbeit in Hamburg, für die ich mich
bei allen Beteiligten im Namen des Senats sehr herzlich bedanke. Ich
wünsche ihnen bei ihrer Arbeit weiterhin viel Erfolg und für die Zukunft
alles Gute.“

Im Anschluss an die Grußworte folgten Impulsvorträge von Generalstabsarzt
Dr. Hans-Ulrich Holtherm (Kommandeur der Sanitätsakademie der Bundeswehr,
München), Prof. Dr. Christian Gerloff (Ärztlicher Direktor und
Vorstandsvorsitzender des UKE) und Prof. Dr. Jürgen May
(Vorstandsvorsitzender des BNITM), die die vielfältigen Facetten und
Erfolge der gemeinsamen Arbeit beleuchteten.

„Krisenresilienz entsteht nicht erst im Krisenfall. Sie wächst aus
verlässlichen Partnerschaften, gemeinsamen Strukturen und dem Vertrauen,
das über Jahre hinweg entsteht. Gerade angesichts neuer Infektionsgefahren
ist die Kooperation von UKE, BNITM und Bundeswehrkrankenhaus entscheidend,
um wissenschaftliche Erkenntnisse rasch in die Versorgung zu bringen und
gemeinsam handlungsfähig zu bleiben“, sagt Prof. Gerloff.

Ein weiterer Programmpunkt der Feierstunde war die Podiumsdiskussion zum
Thema „Künftige Strategie und Positionierung der Kooperation“. Unter der
Moderation von Oberstabsarzt Dr. Saskia Samuel diskutierten Prof. Dr.
Michael Ramharter (Leiter der Abteilung Klinische Forschung am BNITM und
Leiter der Sektion Tropenmedizin der I. Medizinischen Klinik und
Poliklinik des UKE), Generalarzt Dr. Thomas Harbaum (Kommandeur und
Ärztlicher Direktor des Bundeswehrkrankenhaus Hamburg) und Prof. Dr.
Blanche Schwappach-Pignataro (Dekanin der Medizinischen Fakultät am UKE)
über die zukünftigen Schwerpunkte der Zusammenarbeit.

Generalarzt Dr. Harbaum erläutert: „Neue Einsatzszenarien der Bundeswehr
verlangen ein erweitertes Verständnis von Tropenmedizin. Sie umfasst heute
weit mehr als die Behandlung klassischer Tropenkrankheiten: gefragt sind
Kenntnisse über neu auftretende Erreger, klimatische und infrastrukturelle
Extrembedingungen sowie die medizinische Versorgung in instabilen Lagen.
Unsere Kooperation schafft dafür eine besondere Verbindung von Forschung,
klinischer Expertise und militärischer Anwendung. Zugleich können die
dabei entwickelten Fähigkeiten im Krisenfall der Gesundheitsversorgung in
Deutschland zugutekommen.“

Einladung zur Infoveranstaltung „Wo Wissenschaft auf Einsatz trifft“ am
30.09.2026 am BNITM

Am 30. September 2026 lädt das BNITM zu einer spannenden Infoveranstaltung
ein, die Einblicke in die einzigartige Zusammenarbeit zwischen dem BNITM,
dem Bundeswehrkrankenhaus Hamburg und dem UKE bietet. Veranstaltungsort
ist der historische Hörsaal des BNITM (Bernhard-Nocht-Straße 74, 20359
Hamburg). Eine Anmeldung für die Veranstaltung ist auf der BNITM-Website
möglich.

Die Vortragenden berichten, wie klinische Expertise, tropenmedizinische
Forschung und der Sanitätsdienst der Bundeswehr gemeinsam Fortschritte
erzielen:

Oberfeldarzt Dr. Dorothea Wiemer (Leiterin Fachbereich
Tropenmedizin/Infektiologie, Klinik I Innere Medizin Bundeswehrkrankenhaus
Hamburg) stellt vor, wie der Fachbereich Tropenmedizin/Infektiologie des
Bundeswehrkrankenhauses Hamburg die Gesundheit von Personen, die sich in
tropischen Klimazonen aufhalten, erhält und wiederherstellt.

Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit (Leiter der Abteilung Arbovirologie und
Entomologie am BNITM) erzählt von seinem ungewöhnlichen Weg zur
Bundeswehr. Ohne vorherigen Militärdienst wurde er erst spät gemustert.
Nach mehreren Ausbildungswochen begann er als Matrose der Reserve und
stieg schließlich zum Flottenarzt auf. Er berichtet auch, warum er es als
große Bereicherung empfindet, seine Erfahrung aus Tropenmedizin und
Virologie einzubringen, und wie ihn seine Tätigkeit bei der Bundeswehr in
den Königspalast nach Thailand geführt hat.

Oberfeldarzt Prof. (APL) Dr. Hagen Frickmann (Klinischer Direktor der
Abteilung Mikrobiologie und Krankenhaushygiene sowie Forschungskoordinator
des Bundeswehrkrankenhauses Hamburg) präsentiert kooperative
Forschungsarbeiten zur Diagnostik und Infektionsepidemiologie tropischer
Infektionskrankheiten. Er zeigt, wie im Sanitätsdienst das Ziel verfolgt
wird, die Risiken solcher Infektionen bei den Einsatzkräften in den Tropen
zu minimieren.

Prof. Dr. Michael Ramharter (Leiter der Abteilung Klinische Forschung am
BNITM) gibt Einblicke in die Zusammenarbeit zwischen der Klinischen
Tropenmedizin des UKE, der Abteilung Klinische Forschung am BNITM und dem
Bundeswehrkrankenhaus Hamburg. Dabei geht er nicht nur auf die
Reisesprechstunde, die Impfambulanz und die Tropendermatologie ein,
sondern berichtet auch über seine gemeinsame Feldforschung mit
Kolleg:innen der Bundeswehr.

Oberregierungsrat Dr. Albert Eisenbarth (Leiter der Entomologie innerhalb
des Strukturelements Tropenmedizinische Mikrobiologie und Entomologie,
Abteilung für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Bundeswehrkrankenhaus
Hamburg) wird die kooperative Forschungsarbeit zum Vorkommen und der
Biodiversität tropischer Zeckenarten in einem Regenwaldgebiet in
Zentralafrika, einschl. des möglichen Infektionsrisikos der exponierten
Bevölkerung, vorstellen.

Über das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)

Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist Deutschlands
größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet
tropentypischer und neu auftretender Infektionskrankheiten. Das BNITM ist
Nationales Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen
Infektionserreger, Konsiliarlabor für Borna-Viren, WHO-Kooperationszentrum
für Arboviren und hämorrhagische Fieberviren, WHO-Kooperationszentrum für
Verhaltensforschung zur Förderung Globaler Gesundheit und ein Institut in
der Leibniz-Gemeinschaft. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und
infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten
biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) und ein Sicherheits-Insektarium
(BSL3). In zahlreichen Ländern des Globalen Südens unterstützt das BNITM
beim Aufbau von (mobilen) Laborkapazitäten.

Über das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg (BwKrhs Hamburg)

Das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg (BwKrhs Hamburg) ist eines der fünf
Bundeswehrkrankenhäuser in Deutschland und Teil des Sanitätsdienstes der
Bundeswehr. Als militärisches Krankenhaus stellt es die fachärztliche und
klinische Versorgung von Soldatinnen und Soldaten sicher und ist zugleich
fest in die zivile Gesundheitsversorgung der Freien und Hansestadt Hamburg
eingebunden. Gesetzlich und privat versicherte Patientinnen und Patienten
werden hier regelmäßig in den Fachabteilungen des Hauses behandelt.
Das Krankenhaus verbindet die Gesundheitsversorgung der zivilen
Bevölkerung mit den besonderen Aufgaben der militärischen
Gesundheitsfürsorge. Dazu gehören insbesondere die medizinische
Vorbereitung und Versorgung bei Auslandseinsätzen sowie im Rahmen der
Landes- und Bündnisverteidigung. Darüber hinaus verfügt das Krankenhaus
über besondere Kompetenzen in der Notfall-, Einsatz- und
Katastrophenmedizin. Mit dem größten Rettungszentrum Norddeutschlands
leistet das Bundeswehrkrankenhaus Hamburg einen wichtigen Beitrag zur
boden- und luftgebundenen Notfallversorgung in Hamburg und der Region.

Über das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Das 1889 gegründete Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ist eine
der modernsten Kliniken Europas und mit rund 17.000 Mitarbeitenden einer
der größten Arbeitgeber in Hamburg. Pro Jahr werden im UKE rund 595.000
Patient:innen versorgt, 98.000 davon stationär und 497.000 ambulant. Zu
den Forschungsschwerpunkten des UKE gehören insbesondere Immunität,
Infektionen und Entzündungen, die Herz-Kreislauf-Forschung, Onkologie,
Neurowissenschaften sowie die Versorgungsforschung. An der ins UKE
integrierten Medizinischen Fakultät studieren rund 3.500 Studierende
Medizin, Zahnmedizin und Hebammenwissenschaft.