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Sepsis: Gerettet, aber nicht gesund

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Eine schwere Sepsis zu überstehen, ist oft erst der Anfang eines langen
Weges zurück ins Leben. Zum Welt-Sepsis-Tag am 13. September macht die
Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin
(DIVI) darauf aufmerksam, dass Betroffene und Angehörige auch nach der
Entlassung Orientierung und Unterstützung brauchen. Die Fachgesellschaft
sieht dabei auch die behandelnden Kliniken selbst in der Verantwortung.

„Sepsis betrifft Menschen in jedem Lebensalter – vom Früh- und
Neugeborenen bis zum hochbetagten Menschen“, betont PD. Dr. Christina
Scharf-Janßen, stellvertretende Sprecherin der DIVI-Sektion Systemische
Inflammation und Sepsis. Und: „Nicht nur die Patienten bekommen eine
Sepsis, sondern eine ganze Familie gerät binnen Stunden in einen
medizinischen Ausnahmezustand. Angehörige brauchen deshalb früh ehrliche
und verständliche Informationen – und bei Bedarf auch psychologische oder
seelsorgerische Unterstützung“, so die Oberärztin in der Klinik für
Anästhesiologie des LMU Klinikums München.

Wie groß die Dimension ist, zeigen deutsche Krankenhausdaten: Rund 320.000
Sepsisfälle werden pro Jahr erfasst, die tatsächliche Zahl dürfte noch
einmal deutlich höher liegen. Weltweit erkranken Schätzungen zufolge rund
50 Millionen Menschen pro Jahr an einer Sepsis, etwa elf Millionen sterben
daran. Die gute Nachricht: Durch Fortschritte in der Früherkennung und
Intensivmedizin überleben heute mehr Menschen auch schwere Verläufe. Umso
wichtiger wird die Frage, wie es nach der Rettung weitergeht.

Die Rettung ist erst der Anfang

„Nur das Überleben zu sichern, ohne die Nachsorge sicherzustellen, kann
kein vernünftiges Ziel sein“, sagt DIVI-Generalsekretär Prof. Alexander
Zarbock. Nach der Akutphase können Nieren, Lunge, Herz oder andere Organe
geschädigt bleiben. Hinzu kommen möglicherweise Einschränkungen der
Beweglichkeit, kognitive Probleme oder psychische Belastungen. Manche
Folgen zeigen sich erst Monate oder Jahre später. „Wir müssen allerdings
und unbedingt den ganzen Menschen sehen und nicht nur einzelne Organe“,
betont Zarbock, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, operative
Intensivmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Münster.

In der Krebsmedizin hat sich für Menschen, die mit und nach einer
Krebserkrankung leben, der Begriff „Cancer Survivors“ etabliert. Auch
international wird von „Sepsis Survivors“ gesprochen. Der Gedanke ist
vergleichbar: Die akute Behandlung kann erfolgreich abgeschlossen sein,
während körperliche, psychische oder soziale Folgen weiterbestehen. Eine
überstandene Sepsis sollte deshalb Teil der weiteren Krankengeschichte
bleiben – und bei später auftretenden Beschwerden mitgedacht werden.

Eine überstandene Sepsis bleibt Teil der Krankengeschichte

„Wir dürfen die Verantwortung nicht einfach an die Weiterbehandelnden
abgeben“, betont Zarbock. „Auch wir Intensivmediziner müssen besser dafür
sorgen, dass bei der Entlassung klar ist, welche Organe betroffen waren,
welche Risiken daraus entstehen und welche Kontrollen notwendig sind.“ Die
DIVI ruft deshalb auch die Kolleginnen und Kollegen in den Kliniken dazu
auf, diese Informationen im Entlassbrief festzuhalten und Betroffene sowie
Angehörige verständlich darüber aufzuklären. So können Haus- und Fachärzte
gezielt an die Akutbehandlung anknüpfen.

Für eine bessere Nachsorge nach intensivmedizinischer Behandlung macht
sich die DIVI seit Jahren stark. Auch für ehemalige Sepsispatienten sollte
es spezialisierte Ambulanzen oder andere regionale Anlaufstellen geben.
„Entscheidend ist, dass Betroffene und Angehörige verlässliche
Ansprechpartner finden und notwendige medizinische sowie psychosoziale
Unterstützung koordiniert wird“, sagt Scharf-Janßen. „Wer eine Sepsis
überlebt hat, darf mit seinen Beschwerden nicht erst selbst herausfinden
müssen, welches Fachgebiet zuständig ist.“

Betroffene und Angehörige brauchen verlässliche Ansprechpartner

Die DIVI rät deshalb, sich bereits vor der Entlassung erklären zu lassen,
welche Organe beeinträchtigt waren, welche Kontrollen empfohlen werden und
an wen man sich bei späteren Beschwerden wenden kann. Auch Monate oder
Jahre danach sollte die frühere Sepsis bei Arztbesuchen erwähnt werden. So
können mögliche Zusammenhänge erkannt und notwendige Untersuchungen
rechtzeitig veranlasst werden – damit Überlebende lernen, mit den Folgen
der Sepsis möglichst gut und selbstbestimmt weiterzuleben.