Patientensicherheit im Klinikalltag: So bereiten sich Menschen mit Diabetes auf ihren Krankenhausaufenthalt richtig vor
Menschen mit Diabetes sollten einen Krankenhausaufenthalt gut vorbereiten
und ihre Erkrankung bereits bei der Aufnahme aktiv ansprechen. Denn nur
wenn Therapiepläne, das Insulinschema, Medikamente sowie Informationen zu
Glukosesensoren oder Insulinpumpen frühzeitig vorliegen, kann das
Klinikteam die Diabetesbehandlung von Beginn an sicher mitplanen. Auch
wenn Diabetes nicht der eigentliche Aufnahmegrund ist, kann die
Stoffwechselerkrankung einen operativen Eingriff und den
Behandlungsverlauf entscheidend beeinflussen. Anlässlich des Tages der
Patientensicherheit am 17.9.2026 zeigt die Deutsche Diabetes Gesellschaft
(DDG), wie Betroffene sicherer durch den Klinikaufenthalt kommen können.
Ob Operation, Untersuchung, Infekt, Cortisontherapie, Änderungen in der
Medikation oder verschobene Mahlzeiten: Im Klinikalltag kann der
Blutzucker schnell aus dem Gleichgewicht geraten. Besonders bei
insulinpflichtigen Patientinnen und Patienten mit Diabetes Typ 1 oder Typ
2, und insbesondere bei Verwendung einer Insulinpumpe oder CGM-/FGM-
Systemen braucht es klare Zuständigkeiten und diabetologische Erfahrung.
„Diabetes ist im Krankenhaus keine Nebensache“, so Professor Dr. med.
Andreas Fritsche, Past-Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft
(DDG). „Auch wenn Menschen wegen Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall,
Knochenbruch oder einer Operation aufgenommen werden, muss die
Diabetesbehandlung von Beginn an mitgedacht werden. Sonst können
vermeidbare Risiken entstehen.“
Bei Infekten und Therapieänderungen besonders aufmerksam sein
Auch akute Erkrankungen können die Diabetesbehandlung verändern. Viele
Patientinnen und Patienten werden beispielsweise wegen Infektionen wie
einer Lungenentzündung oder Nierenbeckenentzündung im Krankenhaus
behandelt und benötigen eine antibiotische Therapie. Bei Diabetes kann
eine Infektion den Blutzucker stark erhöhen, bis hin zu einer diabetischen
Ketoazidose; die Therapie muss dann angepasst und intensiviert werden.
Greift die Behandlung und geht die Infektion zurück, kann wiederum weniger
antidiabetische Therapie nötig sein, etwa weniger Insulin. Auch darauf
muss das Behandlungsteam rechtzeitig reagieren, um bei einer
Insulinbehandlung eine potenziell lebensgefährliche Unterzuckerung zu
vermeiden.
Diabetes ansprechen – Zuständigkeiten klären
Für Menschen mit Diabetes ist es deshalb wichtig, Veränderungen aktiv
anzusprechen: Wird eine neue Therapie begonnen? Muss Insulin angepasst
werden, wenn der Blutzucker während einer Infektion stark steigt oder nach
Abklingen der Erkrankung wieder sinkt. Aus Sicht der DDG sollten Menschen
mit Diabetes oder deren Angehörige schon vor einem geplanten Aufenthalt
daher klären, wer im Krankenhaus für ihre Diabetesbehandlung zuständig
ist. Wichtig ist außerdem, dass das Klinikteam frühzeitig weiß, welche
Diabetesform vorliegt, welche Medikamente eingenommen werden und ob
Insulin, Insulinpumpe oder Glukosesensor genutzt werden. „Menschen mit
Diabetes sollten nicht davon ausgehen, dass alle Informationen zu ihrer
Stoffwechselerkrankung automatisch in der Klinik vorliegen“, so Fritsche.
„Wer Therapieplan, Medikamentenliste, Pumpeneinstellungen oder Sensordaten
mitbringt, erleichtert dem Behandlungsteam eine sichere Versorgung.“
DDG Zertifikat gibt Orientierung
Ein wichtiges Orientierungskriterium ist eine Diabetes-Zertifizierung der
Klinik. Ein DDG Zertifikat zeigt, dass eine Klinik im Umgang mit Diabetes
gut aufgestellt ist. „Sind im Klinikteam Diabetologinnen oder Diabetologen
und/oder Diabetesberaterinnen und -berater vertreten, ist das für
Betroffene ein guter Hinweis darauf, dass eine Klinik Strukturen für eine
gute Diabetesversorgung aufgebaut hat“, so Fritsche. „Dazu gehören immer
diabetologisch geschulte Fachkräfte, qualifiziertes Pflegepersonal und
klare Abläufe.“ Menschen mit Diabetes können deshalb vor einem geplanten
Aufenthalt prüfen, ob die Klinik DDG-zertifiziert ist oder ob dort
diabetologisch geschultes Personal in die Behandlung eingebunden werden
kann. „Eine Zertifizierung gibt auch viel Sicherheit, denn nicht immer
sind die Betroffenen bei ihrer Klinikaufnahme oder nach der OP in der
Lage, ihre Bedarfe an das Klinikpersonal aktiv zu kommunizieren. Jedes
Krankenhaus sollte daher Strukturen haben, die Menschen mit Diabetes eine
sichere Versorgung gewährleisten“, betont Fritsche.
Was Menschen mit Diabetes vor der Aufnahme im Blick haben sollten
Besonders wichtig ist eine Klinik-Vorbereitung bei Typ-1-Diabetes,
Insulinpumpentherapie, schweren Unterzuckerungen in der Vorgeschichte oder
bestehenden diabetischen Begleit- und Folgeerkrankungen wie Neuropathie
oder bestehender Schädigung des Herzens, der Augen oder Nieren. „Gerade
bei insulinpflichtigen Menschen kann eine unklare Zuständigkeit gefährlich
werden“, so Fritsche.
Die DDG empfiehlt Menschen mit Diabetes daher, vor einem geplanten
Krankenhausaufenthalt einige praktische Fragen zu stellen und alle
wichtigen Diabetes-Utensilien in die Krankenhaus-Tasche zu packen.
FAQ für den Klinikaufenthalt
- Gibt es in der Klinik einen Diabetologen, eine Diabetologin oder ein
Diabetes-Team?
- Ist die Klinik DDG-zertifiziert? Hier informieren: https://www.ddg.info
/behandlung-leitlinien/zertifi
- Wer entscheidet über Insulin, Tabletten oder andere Diabetesmedikamente
während des Aufenthalts?
- Was passiert mit meinem Insulin, wenn ich nüchtern bleiben muss?
- Darf meine Insulinpumpe weiterlaufen?
- Wer bewertet meine CGM- oder FGM-Werte?
- Wie wird verhindert, dass Mahlzeiten, Insulin und Untersuchungen
zeitlich nicht zusammenpassen?
- Was passiert, wenn sich eine Mahlzeit verschiebt oder ausfällt?
- Wer passt meine Therapie an, wenn ich eine Infektion habe oder neue
Medikamente bekomme?
DDG fordert mehr diabetologische Expertise in Kliniken
Diabetes ist im Krankenhaus häufig: Jede fünfte Person im Krankenhaus hat
einen Diabetes. Gleichzeitig ist nur etwa ein Drittel aller Krankenhäuser
für Diabetes zertifiziert. Zwei Drittel der Kliniken verfügen weder über
Ärztinnen und Ärzte mit diabetologischer Weiterbildung noch über
Pflegepersonal mit Weiterbildung „Diabetesberaterin/-berater DDG“.
Eine neuere Untersuchung die Kliniken mit und ohne Diabetes-Zertifizierung
verglichen hat, macht die strukturelle Versorgungslücke in Deutschland
sichtbar: Patientinnen und Patienten mit Diabetes werden in zertifizierten
Kliniken besser behandelt. Hochgerechnet könnten jährlich 1140 Menschen
mit Diabetes weniger in deutschen Kliniken sterben, wenn alle Kliniken
über ein Zertifikat verfügten.
Die DDG setzt sich deshalb gesundheitspolitisch dafür ein, diabetologische
Expertise in Kliniken zu sichern, die Sichtbarkeit von zertifizierten
Einrichtungen zu stärken und verbindliche Abläufe für die Versorgung von
Menschen mit Diabetes im Krankenhaus zu etablieren.
Hier finden Sie weitere Informationen zu DDG-zertifizierten Kliniken:
https://www.ddg.info/behandlun
Quellen:
Auzanneau M, Fritsche A, Eckert AJ, Seidel-Jacobs E, Heni M and Lanzinger
S (2026) In-hospital outcomes of adults with diabetes treated in certified
vs. non- certified hospitals: a nationwide analysis of German DRG
statistics. Front. Health Serv. 6:1782882. doi:
10.3389/frhs.2026.1782882publi
outcomes of adults with diabetes treated in certified vs. non-certified
hospitals: a nationwide analysis of German DRG statistics), Volume 6 -
2026 https://doi.org/10.3389/frhs.2
Pressemitteilung DDG: Neue Daten zeigen niedrigere
Krankenhaussterblichkeit und kürzere Liegedauer von Menschen mit Diabetes
in DDG-zertifizierten Zentren: https://www.ddg.info/presse/20
daten-zeigen-niedrigere-kranke
von-menschen-mit-diabetes-in-d
Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9300 Mitgliedern
eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in
Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich
seit 1964 in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert
Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine
wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der
mehr als 9 Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem
Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.
