Demenz vorbeugen: Warum soziale Kontakte wichtig für die Gehirngesundheit sind
Soziale Isolation und Depressionen zählen zu den beeinflussbaren
Risikofaktoren für Demenz. Im dritten Teil ihrer Presseserie zum Welt-
Alzheimertag zeigt die Alzheimer Forschung Initiative e. V. (AFI), wie
soziale Kontakte die Gehirngesundheit unterstützen können, wie sich
Einsamkeit und soziale Isolation unterscheiden und was gegen Einsamkeit
helfen kann. Ergänzend bietet die AFI ein Factsheet zu den wichtigsten
beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz.
Alleinsein kann guttun. Einsamkeit belastet hingegen – besonders, wenn sie
länger anhält. Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September
veröffentlicht die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e. V.
(AFI) den dritten Teil ihrer dreiteiligen Presseserie zur
Demenzprävention. Im Mittelpunkt stehen diesmal soziale Kontakte,
Einsamkeit und Depressionen sowie die Frage, warum seelische Gesundheit
auch für die Gehirngesundheit wichtig ist.
Laut der Lancet Commission 2024 zählen Depressionen und soziale Isolation
zu den 14 modifizierbaren Risikofaktoren für Demenz. Dem Bericht zufolge
könnten weltweit theoretisch rund 45 Prozent der Demenzfälle verzögert
oder verhindert werden, wenn alle diese Risikofaktoren gezielt angegangen
würden. Einsamkeit oder Depressionen führen jedoch nicht automatisch zu
Alzheimer oder einer anderen Demenz. Sie können aber die Gehirngesundheit
belasten und sollten ernst genommen werden.
„Soziale Kontakte fordern unser Gehirn: Wir hören zu, reagieren, erinnern
uns, planen und tauschen uns aus. Wenn Menschen sich dauerhaft einsam
fühlen oder sich zurückziehen, fehlen diese Anregungen. Auch depressive
Symptome sollten nicht abgetan, sondern medizinisch abgeklärt und
behandelt werden“, erklärt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der
Abteilung Wissenschaft der AFI.
Wie hängen Einsamkeit, Depressionen und das Demenzrisiko zusammen?
Einsamkeit, soziale Isolation und Depression sind eng miteinander
verbunden, aber nicht dasselbe. Einsamkeit beschreibt ein belastendes
Gefühl, bei dem Menschen ihre sozialen Beziehungen als nicht ausreichend
oder nicht erfüllend erleben. Soziale Isolation bezeichnet dagegen eher
den tatsächlichen Mangel an Kontakten. Depressionen sind Erkrankungen, die
mit anhaltender Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Erschöpfung und
Rückzug einhergehen können.
Wer sich einsam fühlt oder depressiv ist, zieht sich möglicherweise weiter
zurück. Dadurch fehlen Gespräche, gemeinsame Aktivitäten und Anregungen im
Alltag. Umgekehrt können fehlende Kontakte und Unterstützung die seelische
Gesundheit zusätzlich belasten. Deshalb sollten Einsamkeit und depressive
Symptome ernst genommen werden. Sie sind keine persönliche Schwäche und
sollten auch im höheren Alter nicht als „normal“ abgetan werden. Wer über
einen längeren Zeitraum hinweg niedergeschlagen ist, sich zurückzieht und
kaum noch Freude empfindet, sollte ärztlichen oder psychotherapeutischen
Rat suchen.
Warum Einsamkeit entstehen kann
Kaum jemand sucht sich die Einsamkeit selbst aus. Oft sind es
Veränderungen im Leben, die sich auch auf das soziale Umfeld auswirken,
wie beispielsweise der Auszug der Kinder, der Eintritt in den Ruhestand,
eine Erkrankung, ein Umzug, eine Trennung oder der Tod eines nahestehenden
Menschen. Solche Einschnitte können gewohnte Kontakte verändern oder gar
abbrechen lassen.
Der Aufbau neuer Kontakte ist oft leichter gesagt als getan. Viele
Menschen haben das Gefühl, andere seien bereits gut eingebunden und hätten
keinen Bedarf an neuen Begegnungen. Doch soziale Beziehungen verändern
sich im Laufe des Lebens immer wieder. Auch andere Menschen durchlaufen
Übergänge, erleben Verluste oder beginnen neue Lebensphasen. Wer den
ersten Schritt macht, erlebt deshalb oft mehr Offenheit als erwartet.
Zunächst kann es hilfreich sein, zu überlegen, was genau fehlt:
vertrauliche Gespräche, gemeinsame Unternehmungen, ein regelmäßiger Termin
in der Woche oder das Gefühl, gebraucht zu werden. Wer besser einschätzen
kann, welche Art von Kontakt fehlt, findet leichter passende
Möglichkeiten.
Was gegen Einsamkeit helfen kann
Es gibt nicht die eine große Lösung gegen Einsamkeit. Oft sind es kleine
Schritte, die wieder mehr Verbindung in den Alltag bringen. Ein erster
Schritt kann darin bestehen, alte Kontakte aufzufrischen, indem man
frühere Bekannte, Freundinnen, Freunde oder Arbeitskolleginnen und
-kollegen anruft oder ihnen schreibt. Auch die Nachbarschaft kann wichtig
sein: Ein kurzes Gespräch im Hausflur, Unterstützung beim Einkauf oder ein
gemeinsamer Spaziergang können Nähe entstehen lassen.
Viele Menschen finden über gemeinsame Interessen neue Kontakte. Kurse,
Sportgruppen, Chöre, Vereine, Kirchengemeinden, Seniorentreffs oder
Volkshochschulen bieten Gelegenheiten, regelmäßig mit anderen
zusammenzukommen. Auch ein Ehrenamt kann dabei helfen. Wer sich engagiert,
erlebt Gemeinschaft und hat zugleich das Gefühl, etwas Sinnvolles
beizutragen.
Digitale Angebote können ebenfalls ein Einstieg sein, besonders wenn die
Mobilität eingeschränkt ist oder es vor Ort keine passenden Angebote gibt.
Über soziale Medien, Nachbarschaftsplattformen oder Online-Gruppen lassen
sich Menschen mit ähnlichen Interessen finden. Sie können persönliche
Begegnungen ergänzen und manchmal den ersten Schritt erleichtern.
„Neue Kontakte entstehen selten auf Knopfdruck. Deshalb sollte man sich
nicht entmutigen lassen, wenn es nicht sofort klappt. Entscheidend ist,
dranzubleiben und Angebote zu suchen, die zur eigenen Lebenssituation
passen“, erklärt Pfitzer-Bilsing.
Quellen:
Livingston, Gill, et al. "Dementia prevention, intervention, and care:
2024 report of the Lancet standing Commission." The Lancet 404.10452
(2024): 572-628.
Sommerlad, Andrew, et al. "Social participation and risk of developing
dementia." Nature Aging 3.5 (2023): 532-545.
Redaktionsservice: Factsheet zur Demenzprävention
Die AFI bietet Redaktionen ein kostenloses Factsheet zur Alzheimer- und
Demenzprävention an. Es fasst die wichtigsten wissenschaftlichen
Erkenntnisse, darunter die Ergebnisse der Lancet Commission 2024 zu 14
modifizierbaren Risikofaktoren, verständlich zusammen. Das Factsheet
zeigt, welche Faktoren die Gehirngesundheit beeinflussen und welche
Maßnahmen Menschen selbst ergreifen können, um ihr Risiko zu senken.
