2. Deutscher Schlaganfallkongress: fachlich stark, lebendig und produktiv
Volle Säle bis zum Samstagmorgen, lebhafte Diskussionen und neue
Kooperationen für die Schlaganfallforschung: Der 2. Deutsche
Schlaganfallkongress der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft, der DSG26,
hat gezeigt, dass sich das junge Kongressformat als zentraler Treffpunkt
der Schlaganfallmedizin etabliert. 900 Teilnehmende kamen vom 10. bis 12.
September im Berliner Henry-Ford-Bau zusammen.
„Wir hatten einen wirklich beeindruckenden Kongress“, zieht
Kongresspräsident Prof. Martin Köhrmann, stellv. Direktor der Klinik für
Neurologie des Universitätsklinikums Essen, nach zweieinhalb Tagen Bilanz.
Das Programm bildete die gesamte Breite der Schlaganfallmedizin ab – mit
kontroversen Pro-Con-Sessions, aktuellen klinischen Studien und viel Raum
für neue Ideen. „Man wird immer wieder überrascht. Auch ich als alter Hase
unseres Faches hatte in den Pro-Con-Sessions Momente, in denen ich dachte:
Da habe ich noch nie drüber nachgedacht. Gut, dass ich hier war.“
Neue Formate bringen Studien voran
Sehr gut kam auch das neue Format der Speed-Dating-Sessions an.
Leiterinnen und Leiter klinischer Studien stellten hier ihre Projekte
bereits während der laufenden Forschung vor – nicht erst nach deren
Abschluss. Gesucht wurden weitere Studienzentren, Mitarbeitende und
Kooperationspartner. „Dabei wurde sichtbar, wie aktiv die
Schlaganfallszene in Deutschland bei großen Studien ist, und wie sie die
Medizin weltweit voranbringen kann“, so Köhrmann. Auch Kongresssekretär
Prof. Benedikt Frank, Oberarzt in der Klinik für Neurologie am
Universitätsklinikum Essen, überzeugte das Format: „Man konnte miterleben,
wie hochwertig die aktuell geplanten Studien sind.“ Einige der Ergebnisse
aus den derzeitigen Projekten dürften bereits Stoff für kommende
Schlaganfallkongresse liefern, sind sich beide einig.
Nachwuchs auf die große Bühne
Das Kongressteam hatte bei der Planung in diesem Jahr vor allen Dingen die
jungen Kolleginnen und Kollegen im Blick. Ausgewählte Abstracts wurden
deshalb nicht nur als Poster präsentiert: In nahezu allen Themenblöcken
erhielten Nachwuchswissenschaftler die Möglichkeit, ihre Arbeiten im
regulären Vortragsprogramm vorzustellen. „Ich weiß selbst noch, wie
aufgeregt ich bei meinem ersten Vortrag war“, erinnert sich Köhrmann.
„Deshalb fand ich es extrem wichtig, den jungen Mitgliedern der Stroke
Units hier Möglichkeiten zu geben, Erfahrungen zu sammeln und sich zu
bewähren.“
Interdisziplinäres und multiprofessionelles Netzwerk gestärkt
Wie gut der Kongress als Ganzes angenommen wurde, zeigte sich für
Kongresssekretärin Sabrina Geiermann nicht zuletzt an den durchgehend gut
besuchten Veranstaltungen: „Selbst früh morgens und am Samstag waren
beeindruckend viele Menschen in den Sessions.“ Zugleich sei es gelungen,
die verschiedenen Berufsgruppen wie auch Fachdisziplinen miteinander ins
Gespräch zu bringen. Ärztliches Fachpersonal, Pflege und therapeutische
Berufe diskutierten gemeinsam über neue Ansätze für die Versorgung. 900
registrierte Teilnehmende, 199 Referierende, 88 Abstracts und mindestens
200 vertretene zertifizierte Stroke Units unterstreichen die fachliche
Breite des DSG26 auch in Zahlen. Für Köhrmann verbindet sich mit dem
erfolgreichen Kongress zugleich ein Auftrag: „Wir müssen am Ball bleiben,
um den Schlaganfall stärker auf die Agenda zu bringen. Diese wichtige
Erkrankung wird gesellschaftlich noch viel zu wenig beachtet.“
2027 geht der Deutsche Schlaganfallkongress in Frankfurt in die nächste
Runde.
Vom 23. bis 25. September wird der 3. Deutsche Schlaganfallkongress, der
DSG27, auf dem Campus Riedberg in Frankfurt am Main stattfinden.
