Rhythmusstörungen: Wie gut versorgt die Herzmedizin – wo sind die Patienten gefordert?
Deutscher Herzbericht: Herzrhythmusstörungen zählen zu den
Top-10-Todesursachen und verursachen mit die meisten
Krankenhausaufenthalte in Deutschland. Zunehmend in den Fokus rückt die
Volkskrankheit Vorhofflimmern: Wie schützen Prävention und Therapien vor
dem Schlaganfall-Risikofaktor und was können Patienten selbst tun?
Herzrhythmusstörungen zählen zu den Herzerkrankungen mit der höchsten
Krankheitslast mit über 509.000 vollstationären Krankenhausaufnahmen und
rund 29.800 Gestorbenen im Jahr 2024. Zugleich verursachen sie enorm hohe
Gesundheitskosten. Je nach Art der Rhythmusstörung sorgen
Unregelmäßigkeiten des Herzschlags für geringe, kaum wahrnehmbare
Beschwerden oder sie verursachen erhebliche Symptome wie Luftnot,
Herzklopfen, Schmerzen in der Brust, Schwindel und Angstzustände.
Herzrhythmusstörungen können harmlos sein oder lebensgefährliche
Komplikationen wie Schlaganfall, Herzschwäche oder plötzlichen Herztod
verursachen.
Wie der aktuelle Deutsche Herzbericht – Update 2026 dokumentiert,
verzeichnen Rhythmusstörungen 2024 einen Anstieg zum Vorjahr von rund 520
auf 532 Klinikeinweisungen pro 100.000 Einwohner (EW), in absoluten
Zahlen: von 493.636 auf 509.490. Allein wegen der häufigsten anhaltenden
Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern wurden 2024 rund 360.800 Patienten
vollstationär im Krankenhaus behandelt. Diese Zahlen sind Anlass genug für
die Herzstiftung und die deutschen Fachgesellschaften für Kardiologie
(DGK), für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), für Pädiatrische
Kardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) sowie für Prävention und
Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (DGPR), bei der Vorstellung
des neuen Herzberichts den Fokus auf die Volkskrankheit Vorhofflimmern zu
legen. Der Deutsche Herzbericht ist die umfangreichste Leistungserhebung
der kardiologischen, kinderkardiologischen und herzchirurgischen
Versorgung in Deutschland und zeigt, wie sich Morbidität und Mortalität
sowie die verschiedenen Therapieoptionen bei Herzerkrankungen entwickeln.
Der neue Deutsche Herzbericht – Update 2026 ist abrufbar unter
<https://herzstiftung.de/herzb
Herzrhythmusstörungen: Sektorenübergreifende Versorgung zunehmend
wichtiger
Vorhofflimmern ist längst zu einer großen Herausforderung für das
Gesundheitswesen geworden – auch in demografischer Hinsicht. „Je älter wir
werden, desto häufiger tritt die Erkrankung auf. Das Gros der
behandlungsbedürftigen Patienten ist ab dem 65. Lebensjahr zu finden. In
der Altersgruppe der über 70-Jährigen ist etwa jeder Zehnte davon
betroffen. In drei Jahrzehnten dürfte sich die Zahl der
Vorhofflimmerpatienten noch verdoppeln“, betont Prof. Dr. Thomas
Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. „Dieser
demografische Effekt schlägt sich auch in therapeutischen Trends wie dem
stetigen Anstieg der Katheterablationen nieder, lässt sich jedoch auch bei
anderen Herzerkrankungen beobachten, beispielsweise bei den Verfahren zum
Herzklappenersatz, da Vorhofflimmern sich auch auf die Funktion der
Mitralklappen auswirken kann.“
Neben dem fortgeschrittenen Lebensalter begünstigen Bluthochdruck,
Diabetes mellitus, entzündliche Erkrankungen (z.B. Rheuma) und das
obstruktive Schlafapnoe-Syndrom sowie Koronare Herzkrankheit (KHK),
Herzinsuffizienz, Herzklappenerkrankungen und angeborene Herzfehler das
Vorhofflimmern. Hinzu kommen Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum
und Übergewicht. „Bei der medizinischen Versorgung von Patienten mit
Herzrhythmusstörungen kommt es wie bei der Herzinsuffizienz wegen
bestehender Komorbiditäten auf eine interdisziplinäre multiprofessionelle
und sektorenübergreifende Versorgung an – von ambulant bis stationär,
zwischen Hausärzten, niedergelassenen Kardiologen sowie den invasiv
tätigen Herzmedizinern im Krankenhaus, also den Kardiologen und
Herzchirurgen. Denn bei Herzpatienten sind zusätzliche Begleiterkrankungen
häufig und können die Therapie erheblich beeinflussen.
Für Patienten, die mit der Hauptdiagnose Vorhofflimmern in stationärer
Versorgung im Akutklinikbereich oder in ambulanter Versorgung im
hausärztlichen Bereich sind, zeigen sich laut Deutschem Herzbericht am
häufigsten als Begleiterkrankung:
Bluthochdruck (stationär: 61,6 Prozent/ambulant: 58,9 Prozent)
Fettstoffwechselstörungen (stationär: 30,5 Prozent/ambulant: 32,3
Prozent)
Herzinsuffizienz (25,1 Prozent/27,3 Prozent) und
KHK (22,3 Prozent/24,6 Prozent).
„Wir sehen anhand dieser Zahlen: Alle Möglichkeiten einer frühen
Diagnostik, Therapie und vor allem Prävention dieser Erkrankungen, die das
Entstehen von Vorhofflimmern begünstigen oder – wie im Fall der
Herzschwäche und Herzklappenerkrankungen – durch Vorhofflimmern verursacht
werden können, müssen ausgeschöpft werden“, so Prof. Voigtländer. Die
kontinuierliche Nachsorge einer Herzerkrankung wie Vorhofflimmern müsse
zudem gut zwischen den behandelnden Kollegen koordiniert sein, um
frühzeitig auf auffällige Symptome wie zu hohe Pulsfrequenz, verringerte
Leistungsfähigkeit, Brustschmerz oder Luftnot als Anzeichen für eine KHK,
Herzschwäche oder Herzklappenerkrankungen reagieren zu können“, erklärt
Voigtländer. Patienten seien gefordert, indem sie neben der konsequenten
Therapie auch selbst regelmäßig den Blutdruck und Puls kontrollieren,
hierbei können digitale Helfer wie moderne Smartwatches unterstützen.
Auffällige Werte oder Beschwerden sollten mit dem Hausarzt besprochen
werden, um einer Verschlechterung des Krankheitsverlaufs vorzubeugen.
Handlungsbedarf groß: Hospitalisierungen auf hohem Niveau
In Deutschland leiden allein an Vorhofflimmern über 1,6 Millionen
Menschen. 20 bis 30 Prozent der ischämischen Schlaganfälle gehen auf
Vorhofflimmern zurück. Die Daten des aktuellen Deutschen Herzberichts zur
Morbidität und Mortalität der Herzrhythmusstörungen verdeutlichen den
Handlungsbedarf im Gesundheitswesen. So hat die Zahl der vollstationären
Krankenhausaufnahmen wegen Herzrhythmusstörungen seit 2012 (bis 2024) um
4,7 Prozent zugenommen. Im Jahr 2024 kam es zu insgesamt 509.490
Krankenhausaufnahmen wegen Herzrhythmusstörungen (2023: 493.636). Seit
2024 nähert sich die Hospitalisationsrate mit knapp 532 pro 100.000 EW
wieder dem Niveau der Vor-COVID-Ära von 2019 (535,6) an, ein Rückgang um
-0,7 Prozent.
Mit Ausnahme der Herzklappenerkrankungen (+3,6 Prozent) sind auch die
Krankenhausaufnahmen für Herzinsuffizienz (-8,9 Prozent), KHK (-19,1
Prozent) und der angeborenen Fehlbildungen (-8,6 Prozent) im Vergleich zur
Vor-COVID-Ära 2019 gesunken. Dennoch bewegen sich die
Hospitalisationsraten auf einem hohen Niveau bei der KHK mit 569,7 und bei
Herzinsuffizienz mit 468,5 pro 100.000 EW. „Der Rückgang bei KHK und
Herzinsuffizienz dürfte auch mit Verbesserungen in Diagnostik und Therapie
zu erklären sein: Moderne medikamentöse Therapien helfen
Krankenhausaufnahmen bei Herzinsuffizienzpatienten zu vermeiden, die
häufig wegen entgleister Herzschwäche, der sogenannten Dekompensation,
erfolgen. Auch die verbesserte Diagnostik und Therapie von Risikofaktoren
wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen spielen
bei der KHK eine wichtige Rolle“, erklärt Prof. Dr. Stefan Blankenberg,
Kardiologe und Präsident der DGK.
Präventionsbedarf ungebrochen: Hohe Sterblichkeit durch Herzkrankheiten
Die Sterblichkeit durch Herzrhythmusstörungen ist leicht gesunken von 30
Gestorbenen pro 100.000 EW (2023) auf 29,2 – in absoluten Zahlen: 29.759
Gestorbene (2024) gegenüber 30.128 im Vorjahr 2023. Der Vergleich zur Vor-
COVID-Ära zeigt jedoch einen Anstieg um +1,1 Prozent bei rund 28,9
Gestorbenen pro 100.000 EW (2019). Weitere Herzerkrankungen, höheren
Sterberaten gegenüber der Vor-COVID-Ära sind Herzklappenerkrankungen (+7,4
Prozent) und angeborene Herzfehler (+17,4 Prozent). Hingegen sanken die
Sterberaten der KHK (-11,1 Prozent) und Herzinsuffizienz (-1,9 Prozent).
Dennoch sterben in absoluten Zahlen weiterhin 113.473 Menschen an KHK
(davon Herzinfarkt: 41.258) und 37.633 an Herzinsuffizienz (2024).
„Auch die Sterblichkeit bewegt sich weiter auf hohem Niveau und
verdeutlicht den ungebrochenen Bedarf an frühzeitiger Prävention sowie
Diagnostik und Therapie nicht nur der Herzrhythmusstörungen selbst,
sondern auch von Grund- und Begleiterkrankungen wie KHK, Herzschwäche,
Herzklappenerkrankungen und angeborener Herzfehler sowie Bluthochdruck,
Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Adipositas (Fettleibigkeit) oder
obstruktives Schlafapnoe-Syndrom“, betont der Herzstiftungs-Vorsitzende
Prof. Voigtländer. Zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen:
https://herzstiftung.de/acht-t
Altersentwicklung: Auswirkung auf die herzmedizinische Versorgung
Die Häufigkeit von Herzrhythmusstörungen und ihrer Begleiterkrankungen
nimmt mit dem Alter zu. Steigerungen bei den Krankenhausaufnahmen zeigen
sich in allen Altersgruppen, der Großteil der behandlungsbedürftigen
Patienten findet sich in den Altersgruppen ab 65 Jahren. Bei den 75- bis
unter 85-Jährigen ist die Hospitalisationsrate seit 2012 um 13,3 Prozent
gestiegen. Der demografische Wandel und die damit verbundene Zunahme an
behandlungsbedürftigen Herzerkrankungen und Komorbiditäten korrelieren mit
der Altersverteilung von interventionellen und chirurgischen Prozeduren.
„Das zeigt sich nicht nur bei den Katheterablationen, sondern auch bei
anderen Therapieverfahren. Zum Beispiel beim Aortenklappenersatz: Die
meisten Patienten, die sich einem chirurgischen Aortenklappenersatz
unterziehen, sind zwischen 60 und 80 Jahre alt. Im Vergleich dazu
dominieren in der Patientengruppe zwischen 70 und 90 Jahren die Prozeduren
des kathetergestützten Aortenklappenersatzes (TAVI)“, erklärt der
Kardiologe Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Präsident der DGK. „Angesichts
der demografischen Entwicklung ist auch in Zukunft mit einer Zunahme der
Hospitalisierungen von Patienten im höheren Lebensalter zu rechnen. Denn
Fortschritte in der katheterbasierten Behandlung, etwa von
Herzklappenfehlern, ermöglichen es, auch hochbetagte Patienten erfolgreich
zu behandeln.“
In der Herzchirurgie beschreibt Prof. Dr. Torsten Doenst, Präsident der
DGTHG, einen ähnlichen Trend: „Risikoärmere Operationsverfahren
ermöglichen es, auch ältere Patienten sicher mit guten Langzeitergebnissen
zu operieren.“
Katheterablationen: Stellenwert in den Leitlinien nimmt zu
Die steigende Zahl an vollstationären Krankenhausaufnahmen wegen
Herzrhythmusstörungen, die zu 70 Prozent auf Vorhofflimmern/Vorhofflattern
zurückgehen, spiegelt zugleich den wachsenden Stellenwert der
Katheterablation bei Vorhofflimmern und anderen Herzrhythmusstörungen
wider. Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung von 2019 bis 2024: Um 45
Prozent stieg die Anzahl an Katheterablationen bei Herzrhythmusstörungen
und um 78,1 Prozent die Anzahl der Ablationen bei Vorhofflimmern. Allein
im Jahr 2024 verzeichnete die Katheterablation (für Rhythmusstörungen
insgesamt) einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 12,4 Prozent von 124.464
(2023) auf 139.941 Katheterablationen (2024), davon Vorhofflimmer-
Ablationen 76.720 (2023) und 88.739 (2024). „Große Studien haben gezeigt:
Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern sollten frühzeitig eine
Ablation angeboten werden, um durch eine frühe Normalisierung des
Herzrhythmus gefürchtete Komplikationen der Herzrhythmusstörung wie
Schlaganfall oder Herzschwäche zu vermeiden“, betont der Herzstiftungs-
Vorsitzende und Kardiologe Prof. Voigtländer. „Auch zeigen Studien, dass
eine Katheterablation bei Vorhofflimmern einer medikamentösen Therapie der
Rhythmuskontrolle überlegen ist, insbesondere dank einer verbesserten
Lebensqualität und weniger wiederkehrender Vorhofflimmer-Episoden“,
ergänzt DGK-Präsident Prof. Blankenberg. „Entsprechend hat die
Vorhofflimmer-Ablation einen zunehmend hohen Stellenwert in den nationalen
und internationalen Leitlinien.“
Vorhofflimmern chirurgisch ausschalten: Wann sollte operiert werden?
Vorhofflimmern kann auch chirurgisch therapiert werden, oft sogar mit
einer höheren initialen Erfolgschance. Der Eingriff ist allerdings
invasiver und daher in der Regel nicht die erste Wahl. Dafür kommt die
chirurgische Behandlung von Vorhofflimmern aber während kombinierter
Operationen zum Einsatz. „Die Operation ist immer dann sinnvoll, wenn bei
dem Vorhofflimmerpatienten ohnehin ein herzchirurgischer Eingriff ansteht,
etwa eine Bypass- oder Herzklappenoperation an der Aorten- oder
Mitralklappe. Dann wird das Vorhofflimmern gleich mitbehandelt – das
zusätzliche Risiko ist sehr niedrig“, erklärt der Herzchirurg und DGTHG-
Präsident Prof. Doenst. Im Jahr 2024 wurden während kombinierter Bypass-
und Herzklappenoperationen rund 4.300 Ablationen durchgeführt (DGTHG-
Leistungsstatistik). „Auch das linke Vorhofohr, eine Ausbuchtung des
Herzvorhofs und Hauptquelle für Gerinnselbildung, die zum Schlaganfall
oder einer Embolie führen kann, wird in der Regel im selben Eingriff mit
verschlossen“, so Doenst weiter. Neue Daten belegen, dass eine
chirurgische Ablation auch in Kombination mit der Kathetertechnik sinnvoll
ist (sog. Hybrid-Verfahren) und damit sehr hohe Erfolgsraten erzielt
werden können. Sie kommt daher besonders dann infrage, wenn das
Vorhofflimmern bisher nicht erfolgreich behandelt werden konnte und wenn
Patienten weiter hohen Leidensdruck aufweisen.
Kardiologische Reha: Wirksam, aber zu selten genutzt
Erneut offenbaren die Daten des Deutschen Herzberichts ein Defizit im
Bereich der Rehabilitation. „Kardiologische Rehabilitation mit einem
multimodalen Ansatz aus Beratung, Therapieangebot und medizinischer
Betreuung wird – obwohl sie in Bezug auf Prognose, Lebensqualität sowie
soziale und berufliche Teilhabe wirksam ist und hohen Qualitätsstandards
unterliegt – nicht ausreichend genutzt. Das zeigt sich auch im
Zusammenhang mit Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern“, bestätigt der
Kardiologe und Rehaspezialist Dr. Eike Langheim, Präsident der DGPR. Von
den insgesamt 84.302 im Rahmen einer DGPR-Umfrage erfassten Rehabilitanden
waren acht Prozent der Patienten mit Diagnose Vorhofflimmern/-flattern und
4,9 Prozent mit einer Device-Therapie (ICD/CRT).
Die Leistungen und Potenziale der kardiologischen Rehabilitation insgesamt
und auch im Kontext von Herzrhythmusstörungen werden zu selten genutzt,
wie aktuelle Zahlen des Deutschen Herzberichts zeigen:
- Bei 509.490 stationären Behandlungsfällen wegen
Herzrhythmusstörungen und 139.941 Ablationen in Deutschland und im Jahr
2024 gab es in der Rehabilitation 5.889 Patienten mit der Diagnose
Vorhofflimmern/Vorhofflattern.
- Es erfolgten 2024 zwar 129.634 Herzschrittmacher-/ICD-
Neuimplantationen, jedoch nur 3.158 Patienten mit der Diagnose ICD-
und/oder CRT-Implantation werden in der Rehabilitationsstatistik des
aktuellen Deutschen Herzberichts genannt.
„Wir sehen anhand dieser Zahlen: Obwohl die Qualität und Behandlungsdichte
und auch die Wirkung der kardiologischen Rehabilitation gut abgebildet
sind, wird für Patienten mit Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern die
kardiologische Rehabilitation nicht nur zu selten genutzt, sondern den
Patienten entgehen dadurch wichtige Maßnahmen der Prävention und
Nachsorge, unter anderem eine medizinische Trainingstherapie, Sozial- und
Ernährungsberatung sowie fallbezogene Schulungen zu Tabakentwöhnung oder
Schulungen zur Behandlung mit Gerinnungshemmern als Teil der
Schlaganfallprophylaxe“, gibt DGPR-Präsident Dr. Langheim zu bedenken.
Die kardiologische Reha mit dem biopsychosozialen Behandlungsansatz biete
die Chance, durch körperliches Training kombiniert mit einer Verbesserung
des Lebensstils die Symptomatik von Herzrhythmusstörungen, insbesondere
bei Vorhofflimmern, Angstreaktionen sowie auch Rezidivraten nach
Ablationsbehandlungen positiv zu beeinflussen. Auch wenn der Herzbericht
zeigt, dass ein Teil der als arbeitsfähig eingestuften Patienten nach der
Rehabilitation zunächst nicht in das Erwerbsleben zurückkehrt, ermöglicht
die kardiologische Rehabilitation bei kardiologischen Erkrankungen
längerfristig in einem hohen Anteil dennoch einen Erhalt der
Erwerbsfähigkeit.
Herzrhythmusstörungen nach operiertem angeborenem Herzfehler
Über 95 Prozent der Kinder mit angeborenem Herzfehler (AHF) erreichen dank
medizinischer Innovationen der Kinderkardiologie, Herzchirurgie und
moderner medikamentöser Therapien heute das Erwachsenenalter. Heute leben
schätzungsweise 350.000 EMAH in Deutschland. Die zunehmende Zahl der EMAH
älter als 60 Jahre erklärt zugleich den Anstieg der Zahl der Gestorbenen
seit 2012 bis 2024 (in allen Altersgruppen) um 63 Prozent.
Im Langzeitverlauf sind bei EMAH allerdings zunehmend Komplikationen zu
beobachten. „Herzrhythmusstörungen gehören bei EMAH zu den häufigen
Langzeitproblemen und sind neben der Herzinsuffizienz die häufigste
Ursache einer Krankenhausaufnahme“, erläutert Prof. Dr. Anselm Uebing,
Präsident der DGPK. Im Jahr 2024 wurden 24.481 Patienten (2023: 25.269)
mit angeborener Fehlbildung des Herz-Kreislauf-Systems vollstationär
behandelt.
Herzrhythmusstörungen können durch die besondere Herzanatomie, frühere
Operationen und Narbengewebe begünstigt werden. „Vorhofflimmern gehört zu
den häufigsten Rhythmusstörungen bei EMAH mit all seinen bekannten Risiken
für Komplikationen wie Herzschwäche und Schlaganfall, wenn es unbehandelt
bleibt“, erklärt Prof. Uebing. Vorhofflimmern tritt zudem in deutlich
jüngerem Alter und deutlich häufiger auf als in der Gesamtbevölkerung.
Rhythmusstörungen häufigste Komplikation bei EMAH
Bei EMAH-Patienten können ganz verschiedene Rhythmusstörungen vorliegen.
Sie können aus dem Vorhof oder aus der Herzkammer entstehen mit entweder
krankhaft beschleunigter oder verlangsamter Herzfrequenz und oftmals zu
schweren Symptomen führen. Besonders bei anhaltender Rhythmusstörung aus
der Herzkammer besteht ein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod –
mit nahezu 20 bis 30 Prozent die Haupttodesursache für EMAH im
Langzeitverlauf. Grundsätzlich hat sich die Behandlung von
Herzrhythmusstörungen in dieser Patientengruppe deutlich von der
medikamentösen Therapie hin zu interventionellen und operativen Maßnahmen
verlagert. Dazu zählen die elektrophysiologische Untersuchung (EPU), die
Verödungstherapie (Ablation) oder Device-Implantate (Schrittmacher, CRT,
CRT-D, ICD).
Der DGPK-Präsident Prof. Uebing betont, dass regelmäßige
Kontrolluntersuchungen durch einen Spezialisten in einer EMAH-Praxis oder
einem EMAH-Zentrum unverzichtbar seien, um Langzeitfolgen in Form von
Rhythmusstörungen oder anderen Folgeerkrankungen wie Herzschwäche,
Lungenhochdruck oder Veränderungen der Hauptschlagader (Aorta) früh zu
erkennen und zu behandeln. „Betroffene nehmen eine schrittweise
nachlassende Belastbarkeit oder Herzbeschwerden häufig nicht wahr, weil
sie sich daran gewöhnen und ihre Lebensgewohnheiten daran anpassen.
Dadurch bleibt eine Verschlechterung oft lange unentdeckt. Das zeigt, wie
wichtig eine flächendeckende medizinische Versorgung dieser
Patientengruppe durch EMAH-Spezialisten ist“, so Prof. Uebing.
In Deutschland stehen für die Versorgung von Erwachsenen mit angeborenem
Herzfehler 21 überregionale EMAH-Zentren, 8 EMAH-Schwerpunktkliniken und
über hundert EMAH-Spezialistinnen und -Spezialisten in EMAH-Ambulanzen und
EMAH-Praxen zur Verfügung.
Obwohl ein angeborener Herzfehler für die Betroffenen eine lebenslange
regelmäßige Nachsorge bei einem EMAH-Spezialisten erfordert, gelingt dies
über 50 Prozent der EMAH aus vielerlei Gründen nicht. „Diese Nachsorge-
Kontinuität ist aber überlebenswichtig für EMAH-Patienten. Der akute
Bedarf an Information und Aufklärung für eine bessere Versorgung dieser
stetig wachsenden Patientengruppe ist Anlass unserer aktuellen EMAH-
Kampagne“, so der Herzstiftungs-Vorsitzende Prof. Voigtländer. Infos:
https://emah-check.de
Bedarf an Aufklärung und Forschung zum Vorhofflimmern ungebrochen
Ebenso dringlich bedarf es der Aufklärungsarbeit und Forschungsförderung
für mehr Erkenntnisse und neuen Therapien zu diesen Erkrankungen. Um die
Bevölkerung hierzulande für das Pulsmessen zum niederschwelligen Aufdecken
von Unregelmäßigkeiten des Herzschlags zu sensibilisieren, führt die
Herzstiftung alljährlich am 1. März die bundesweite Awareness-Kampagne
„PULSEDAY“ (https://herzstiftung.de/pulse
bundesweiten Herzwochen Vorhofflimmern als Themenschwerpunkt
(https://herzstiftung.de/herzw
mit niederschwelligen Informationsangeboten Betroffene mit Vorhofflimmern
als auch herzgesunde Menschen, selbst aktiv für ihre Herzgesundheit zu
werden“, so der Herzstiftungs-Vorsitzende Prof. Voigtländer. Für mehr
intensivierte Forschung auf dem Gebiet der Diagnostik und Therapie von
Vorhofflimmern investiert die Herzstiftung 2026 nach 2022 erneut eine
Million Euro in innovative Forschungsvorhaben.
(Wi)
Der Deutsche Herzbericht – Update 2026 wird von der Deutschen Herzstiftung
zusammen mit den ärztlichen Fachgesellschaften, den Deutschen
Gesellschaften für Kardiologie (DGK), für Thorax-, Herz- und
Gefäßchirurgie (DGTHG), für Pädiatrische Kardiologie und Angeborene
Herzfehler (DGPK) sowie für Prävention und Rehabilitation von Herz-
Kreislauferkrankungen (DGPR) alljährlich herausgegeben.
Der Deutsche Herzbericht – Update 2026 ist kostenfrei (E-Paper) abrufbar
unter: <https://herzstiftung.de/herzb
Der Herzbericht im Podcast: Hören Sie im Herzberichts-Podcast die
Spitzenvertreter/-in der Herzstiftung und der herzmedizinischen
Fachgesellschaften zu aktuellen Trends und Entwicklungen in der
Herzkreislauf-Medizin unter <https://herzstiftung.de/podca
herzbericht-2026>
Infos für Patienten zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen bietet die Herzstiftung
kostenfrei unter <https://herzstiftung.de> an.
Die vollständige Pressemappe zur Vorstellung des Deutschen Herzberichts
mit weiteren Pressetexten aller beteiligten Fachgesellschaften sowie
druckfähiges Grafik- und Bildmaterial erreichen Sie unter:
<https://herzstiftung.de/herzb
Informieren Sie sich über Herzberichts-Themen auch auf den sozialen
Kanälen der Herzstiftung: instagram, YouTube, Linkedin, facebook, spotify
Hinweis – Bei Abdruck/Nutzung der Presse-Information bitten wir um
folgende Angabe:
Der Deutsche Herzbericht – Update 2026 wird von der Deutschen Herzstiftung
zusammen mit den wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften für
Kardiologie (DGK), für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), für
Kinderkardiologie und Angeborene Herzfehler (DGPK) und für Prävention und
Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) alljährlich
herausgegeben. Infos und ePaper: <www.herzstiftung.de/herzberic
Gendern: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die zusätzliche
Formulierung der weiblichen Form zumeist verzichtet. Wir möchten darauf
hinweisen, dass die Verwendung der männlichen Form explizit als
geschlechtsunabhängig verstanden werden soll.
