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Ältere und vorerkrankte Menschen profitieren – Operation ohne Vollnarkose: Ultraschall kann Nerven gezielt ausschalten

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Eine Operation nach einem Armbruch, der Einsatz eines künstlichen
Kniegelenks oder ein Eingriff am Sprunggelenk: Bei vielen Operationen an
Armen und Beinen kann auf eine Vollnarkose verzichtet werden. Stattdessen
lassen sich einzelne Nerven oder Nervengruppen gezielt und vorübergehend
ausschalten. Mithilfe von Ultraschall können Anästhesistinnen und
Anästhesisten Nerven und umliegende Strukturen direkt darstellen und die
Punktionsnadel kontrolliert bis an die gewünschte Stelle führen.



Welche Bedeutung die Sonografie inzwischen in Anästhesie und
Schmerztherapie hat, ist Thema bei der Online-Pressekonferenz der
Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) am 22.
September 2026 von 11.00 bis 12.00 Uhr. Diese findet anlässlich des 49.
Dreiländertreffens der deutschsprachigen Ultraschallgesellschaften vom 23.
bis 26. September 2026 in Mainz statt. Medienvertreterinnen und -vertreter
können sich bereits jetzt anmelden.
Hier geht’s zur Anmeldung: https://events.teams.microsoft.com/event
/6cbd07ad-65c2-4f57-8a56-8c053a47735a@1495922a-4378-45e9-a32a-422448450fb1


„Der Ultraschall hat die Regionalanästhesie grundlegend verändert“, sagt
Dr. med. Karsten Pracht, Chefarzt der Anästhesie, Intensivmedizin,
Schmerztherapie und Palliativmedizin an den Sana Kliniken Leipziger Land
und Präsident der DEGUM. „Wir sehen heute direkt, wo ein Nerv verläuft,
welche Strukturen unmittelbar danebenliegen und wohin wir die Nadel führen
müssen.“ Das ist deshalb relevant, weil die Anatomie von Mensch zu Mensch
unterschiedlich sein kann. Früher orientierten sich Anästhesistinnen und
Anästhesisten bei vielen Regionalanästhesien vor allem an anatomischen
Landmarken. Mit dem Ultraschall lässt sich dagegen die individuelle Lage
eines Nervs unmittelbar vor und während der Punktion darstellen. Dadurch
kann das lokale Betäubungsmittel gezielt am gewünschten Nerv platziert
werden.

Nadel und Nerven während der Punktion im Blick
Während der Punktion lässt sich die Nadel mithilfe des Ultraschalls direkt
auf dem Bildschirm verfolgen. So können benachbarte Strukturen bewusst
geschont und eine versehentliche Medikamentengabe in ein Gefäß vermieden
werden. Gleichzeitig reicht meist eine geringere Menge des
Lokalanästhetikums aus, um den Nerv zuverlässig zu blockieren. „Wir können
heute wesentlich zielgenauer arbeiten und kommen häufig mit geringeren
Medikamentendosen aus“, erklärt Pracht. „Das hat die Zuverlässigkeit und
Sicherheit der Regionalanästhesie deutlich verbessert.“

Für ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen von Bedeutung
Regionalanästhesien kommen insbesondere bei Eingriffen an Armen und Beinen
zum Einsatz, beispielsweise nach Knochenbrüchen. Bei geeigneten
Operationen kann dadurch vollständig auf eine Vollnarkose verzichtet
werden. Das Verfahren lässt sich grundsätzlich in sehr unterschiedlichen
Altersgruppen einsetzen – vom Kindesalter bis zu hochbetagten Patientinnen
und Patienten. Gerade für ältere und gesundheitlich vorbelastete Menschen
kann dies von Bedeutung sein. Im Vergleich zur Vollnarkose ist eine
örtliche Betäubung deutlich schonender für den Kreislauf. Das kann
insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit erhöhtem
Komplikationsrisiko von Vorteil sein.

Auch bei Vollnarkose weniger Schmerzmittel nötig
Die ultraschallgeführte Regionalanästhesie spielt jedoch nicht nur als
Alternative zur Vollnarkose eine Rolle. Sie kann auch ergänzend eingesetzt
werden: Wird ein bestimmter Körperbereich gezielt betäubt, werden während
und nach einer Operation häufig weniger Schmerzmittel – insbesondere
weniger Opioide – benötigt. Auch die notwendige Dosis der Medikamente für
eine Allgemeinanästhesie kann dadurch reduziert werden. Nach der Operation
ist die Methode ebenfalls Teil moderner Schmerztherapiekonzepte. „Ziel ist
es, Schmerzen wirksam zu behandeln und gleichzeitig unerwünschte Effekte
wie ausgeprägte Bewegungseinschränkungen möglichst gering zu halten“, so
Pracht.
Das sei beispielsweise für Behandlungskonzepte wichtig, bei denen
Patientinnen und Patienten nach einem Eingriff früh wieder mobilisiert
werden oder Operationen ambulant beziehungsweise mit kurzem
Klinikaufenthalt erfolgen.

„Ultraschall ist in der modernen Regionalanästhesie nicht mehr
wegzudenken“, sagt Pracht. „Er hilft uns, Nerven gezielt zu erreichen,
Medikamente präziser einzusetzen und die Behandlung an den einzelnen
Patienten anzupassen.“