Nach Präeklampsie die Nieren dauerhaft im Blick behalten
Eine Präeklampsie ist mit der Geburt des Kindes nicht medizinisch
abgeschlossen – auch wenn sich viele Betroffene danach wieder vollständig
gesund fühlen. Die Schwangerschaftskomplikation geht mit Bluthochdruck
einher und kann verschiedene Organe betreffen, darunter auch die Nieren.
Was viele nicht wissen: Nach einer Präeklampsie haben die Betroffenen
langfristig ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck sowie Herz-Kreislauf-
Beschwerden und chronische Nierenkrankheit (CKD).
Da diese Erkrankungen lange unbemerkt verlaufen können, macht die Deutsche
Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN) im Vorfeld ihrer 18.
Jahrestagung vom 8. bis 11. Oktober 2026 in Leipzig auf die Bedeutung
einer strukturierten Nachsorge aufmerksam. Die aktuelle S2k-Leitlinie
schlägt Kontrollen sechs Wochen, sechs Monate und zwölf Monate nach der
Geburt vor – anschließend soll die Vorsorge jährlich weitergeführt werden.
Dazu gehören ausdrücklich auch Kontrollen der Nierenfunktion.
Präeklampsie kann auch die Nieren treffen
Von einer Präeklampsie sind etwa zwei bis fünf Prozent der Schwangeren
betroffen. Sie kann lebensbedrohlich sein und tritt in der Regel nach der
20. Schwangerschaftswoche auf. Die Schwangerschaftskomplikation geht mit
Bluthochdruck einher. Begleitet kann sie von Zeichen einer Organschädigung
sein, etwa an Nieren, Leber, Nervensystem, Blutgerinnung oder Plazenta.
„Die Nieren können bei einer Präeklampsie bleibende Einschränkungen
erleiden“, sagt Prof. Dr. med. Sylvia Stracke, Pressesprecherin der DGfN
und Leiterin Nephrologie, Dialyse und Hochdruckkrankheiten an der
Universitätsmedizin Greifswald. Eine erhöhte Eiweißausscheidung im Urin
oder eine Verschlechterung der Nierenfunktion gehören deshalb zu wichtigen
Zeichen der Erkrankung (Lit. hypertensive Erkrankungen). „Zugleich ist die
Schwangerschaftskomplikation ein wichtiges Signal für die spätere
Nierengesundheit“, so Sylvia Stracke weiter. Denn Frauen nach einer
Präeklampsie haben langfristig ein erhöhtes Risiko für eine CKD und einen
Verlust der Nierenfunktion.
Schwangerschaftskomplikationen wie Präeklampsie und HELLP-Syndrom immer
bei der Anamnese erwähnen
Nach einer sogenannten Gestationshypertonie oder Präeklampsie normalisiert
sich der Blutdruck häufig innerhalb von etwa sechs Wochen nach der Geburt.
Ob auch die Nieren vollständig unauffällig sind, lässt sich daraus jedoch
nicht ableiten. Deshalb sieht die Leitlinie zu diesem Zeitpunkt neben der
Blutdruckkontrolle auch Untersuchungen der Nierenfunktion vor.
„Viele betroffene Frauen wissen nicht, dass eine Präeklampsie oder ein
HELLP-Syndrom auch Jahre später für ihre Nierengesundheit relevant sein
können. Wenn sie sich nach der Geburt wieder vollständig gesund fühlen,
geben sie diese Schwangerschaftskomplikation bei späteren Arztbesuchen
deshalb häufig gar nicht mehr in der Anamnese an“, berichtet Stracke. Das
HELLP-Syndrom ist eine schwere, häufig mit einer Präeklampsie verbundene
Schwangerschaftskomplikation.
Nieren dauerhaft im Blick behalten
„Dabei markiert eine solche Erkrankung eine Art gesundheitliche
Schwachstelle, die wir dauerhaft im Blick behalten sollten“, so Stracke.
Das ist auch deshalb wichtig, weil eine beeinträchtigte Nierenfunktion
lange keine Beschwerden verursachen kann. Eine frühere Präeklampsie oder
ein HELLP-Syndrom sollte deshalb auch viele Jahre später Teil der
medizinischen Vorgeschichte einer Frau bleiben.
Sechs Wochen, sechs Monate, zwölf Monate – dann jährlich
Entsprechend der aktuellen S2k-Leitlinie zu hypertensiven Erkrankungen in
der Schwangerschaft, an der die Nephrologin für die DGfN mitgewirkt hat,
soll das Vorsorgeprogramm jährlich durch Ärztinnen und Ärzte der
Frauenheilkunde, Allgemeinmedizin oder Inneren Medizin weitergeführt
werden. Zur Labordiagnostik gehören neben Stoffwechselwerten ausdrücklich
die Nierenfilterleistung (GFR), Kreatinin und die Eiweißausscheidung im
Urin (Proteinurie). Bei Auffälligkeiten soll eine weitere haus- oder
fachärztliche Abklärung erfolgen. Die Leitlinie sieht außerdem
Gewichtskontrollen mit einem Ziel-BMI unter 25, Lebensstilberatung,
Bewegungsförderung und Nikotinverzicht vor. „Dass eine Frau sich gesund
fühlt, ersetzt nicht die Kontrolle“, betont die Expertin. „Denn mit
einfachen Untersuchungen können wir Veränderungen erkennen, bevor größere
Funktionsverluste entstehen.“
Die eigene „Schwachstelle“ kennen und zusätzliche Risiken vermeiden
Aus Sicht der DGfN sollten Frauen nach einer Präeklampsie oder einem
HELLP-Syndrom nicht nur ihre Nachsorgetermine wahrnehmen, sondern auch
beeinflussbare Risikofaktoren ernst nehmen. Die Leitlinie empfiehlt
ausdrücklich eine Beratung zu Lebensstilanpassungen. „Wer weiß, dass
seine Nieren möglicherweise empfindlicher sind, kann selbst dazu
beitragen, zusätzliche Belastungen zu vermeiden“, sagt Sylvia Stracke.
„Dazu gehören regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht,
Rauchverzicht und eine gute Blutdruckkontrolle. Auch nierenschädigende
Medikamente sollten nicht unkritisch eingenommen werden. Das gilt
beispielsweise für den häufigen Gebrauch bestimmter Schmerzmittel aus der
Gruppe der NSAR wie Ibuprofen oder Diclofenac.“
Präeklampsie gehört zur lebenslangen Krankengeschichte
Nach Ende der geburtshilflichen Betreuung können die langfristigen Risiken
aus dem Blick geraten. Die DGfN sieht hier eine wichtige Versorgungslücke.
Die S2k-Leitlinie empfiehlt deshalb bereits vor der Entlassung ein
Abschlussgespräch über langfristige Gesundheitsrisiken und die weitere
Nachsorge. Diese soll sechs Wochen nach der Geburt beginnen.
„Eine Präeklampsie oder ein HELLP-Syndrom gehört zur lebenslangen
Krankengeschichte einer Frau“, fasst Professorin Stracke zusammen. „Das
bedeutet nicht, dass zwangsläufig eine CKD entstehen wird. Aber wir kennen
ein erhöhtes Risiko und können dieses Wissen für die Prävention nutzen.
Entscheidend ist, Blutdruck und Nierenfunktion regelmäßig zu kontrollieren
und beeinflussbare Risikofaktoren möglichst gering zu halten.“
Das Thema Schwangerschaft und Nieren steht auch auf der Agenda der Online-
Pressekonferenz zur 18. Jahrestagung der DGfN am 6. Oktober 2026 von 11:00
bis 12:30 Uhr. Teilnahmelink: https://us02web.zoom.us/webina
/WN_8j2E-a0VQ-u8LxRogzZp6A#/re
Die Pressemitteilung ist auch unter folgendem Link abrufbar:
https://www.dgfn.eu/pressemeld
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