Wo Ultraschall in der Früherkennung sinnvoll ist – und warum Qualität entscheidend bleibt
Eine Fettleber verursacht oft lange keine Beschwerden. Auch Veränderungen
an Gefäßen oder kleine Tumoren können zunächst unbemerkt bleiben.
Ultraschall kann solche Auffälligkeiten früh sichtbar machen –
strahlenfrei, vergleichsweise kostengünstig und vielerorts verfügbar.
Dennoch spielt die Sonografie in den gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen
bislang kaum eine Rolle. Anlässlich des 49. Dreiländertreffens der
deutschsprachigen Ultraschallgesellschaften vom 23. bis 26. September 2026
in Mainz zeigt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin
e.V. (DEGUM), wo Ultraschall die Früherkennung ergänzen kann und welche
Voraussetzungen für einen verlässlichen Einsatz erfüllt sein müssen.
Das Thema war auch Teil der gestrigen Online-Pressekonferenz. Wer sie
verpasst hat, hier geht es zur Videoaufzeichnung:
https://www.degum.de/presse/pr
degum-2026.html
„Ultraschall kann eine Fettleber und frühe Gefäßveränderungen sichtbar
machen, bevor sie Beschwerden verursachen“, sagt Dr. med. Sabine Guth,
Ärztliche Leiterin von Sana Praevention Hamburg und Kongresspräsidentin
des Dreiländertreffens 2026. „Gerade wenn wir Gefäßveränderungen schon vor
dem 50. Lebensjahr sehen, finden wir häufig zusätzliche Risikofaktoren wie
erhöhte Cholesterinwerte, ein erhöhtes Lipoprotein(a) oder bislang
unentdeckten Bluthochdruck.“
Fettleber und Gefäßveränderungen mit Ultraschall erkennen
Eine Fettleber ist ein unabhängiger Risikofaktor für die Entwicklung von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Wie relevant das sein kann,
zeigt eine schwedische Studie mit rund 13.000 Patientinnen und Patienten
mit Fettleber: Die Sterblichkeit infolge eines plötzlichen Herztods lag um
54 Prozent höher, die krebsbedingte Sterblichkeit um 47 Prozent. Mit
Ultraschall lässt sich eine Fettleber erkennen; auch Veränderungen an
Gefäßen können sonografisch sichtbar werden.
Welche Bedeutung Ultraschall in der Prävention haben kann, zeigt Guth
anhand ihrer eigenen Vorsorgeklientel: Unter rund 20.000 Untersuchungen
bei Personen, die sich etwa im Rahmen betrieblicher Angebote oder aus
privater Initiative vorstellen, finden sich nach ihren Angaben bei etwa 30
Prozent eine Fettleber oder beginnende Gefäßwandveränderungen. „Bei etwa
einem Prozent der Untersuchten entdecken wir zudem bösartige oder
potenziell bösartige Befunde – häufig in einem frühen Stadium“, so Guth.
Check-up ohne Ultraschall
In den regulären gesetzlichen Früherkennungsangeboten ist Ultraschall
bislang nur sehr begrenzt vorgesehen. So umfasst beispielsweise der Check-
up ab 35 Jahren keine regelhafte Ultraschalluntersuchung. Eine Ausnahme
ist das einmalige Screening auf ein Bauchaortenaneurysma für Männer ab 65
Jahren. Guth plädiert deshalb dafür, zumindest die Ultraschalluntersuchung
des Bauchraums in Vorsorgekonzepte einzubinden.
Ein häufiger Einwand gegen einen breiteren Einsatz der Sonografie in der
Früherkennung sind Zufallsbefunde. Guth sieht darin bei
qualitätsgesicherter Untersuchung jedoch keinen grundsätzlichen
Hinderungsgrund. „Erfahrene Untersuchende können harmlose Zufallsbefunde
in der Regel als solche einordnen und auffällige Befunde lassen sich
gezielt weiter abklären oder im Verlauf kontrollieren“, betont Guth.
Gute Früherkennung braucht gute Ausbildung
Für die DEGUM ist deshalb die Qualität der Untersuchung ein zentraler
Punkt. Ultraschall ist stark von Ausbildung, Erfahrung und Gerätequalität
abhängig. Nur wenn Ärztinnen und Ärzte pathologische Veränderungen sicher
erkennen und harmlose Befunde zuverlässig davon unterscheiden können,
entfaltet die Methode ihren Nutzen. „Alles steht und fällt mit einer
fundierten Ultraschallausbildung“, sagt Guth. „Wenn Sonografie stärker in
der Früherkennung eingesetzt werden soll, müssen Qualifikation,
Geräteausstattung und Qualitätssicherung mitgedacht werden.“
Auch wirtschaftlich kann frühe Erkennung relevant sein: Entdeckt der
Ultraschall eine Fettleber oder Gefäßveränderungen frühzeitig, können
Ärztinnen und Ärzte begleitende Risikofaktoren wie Bluthochdruck sowie
erhöhte Blutfett- oder Blutzuckerwerte gezielt behandeln und
Lebensstiländerungen anstoßen. So lassen sich unter Umständen schwere
Krankheitsverläufe und aufwendige Therapien vermeiden. Die DEGUM spricht
sich deshalb dafür aus, den möglichen Stellenwert qualitätsgesicherter
Ultraschalldiagnostik in Prävention und Früherkennung stärker
wissenschaftlich zu untersuchen und bei entsprechender Evidenz in
Versorgungskonzepte und Leitlinien einzubeziehen.
