Zum Hauptinhalt springen

Schwangerschaftsdiabetes: Warum Nachsorge so wichtig ist

Pin It

Eine sehr süße Flüssigkeit trinken und danach Blut abnehmen lassen – zu
den schönsten Erlebnissen der Schwangerschaft zählt der Glukosetest nicht.
Trotzdem gehört er zu den wichtigsten Untersuchungen während der
Schwangerschaft, denn Schwangerschaftsdiabetes betrifft immer mehr Frauen.
Auch wenn sich der Blutzucker nach der Schwangerschaft oft normalisiert,
haben betroffene Frauen ein deutlich erhöhtes Lebenszeitrisiko für
Typ-2-Diabetes. Die empfohlenen Kontrollen werden allerdings zu selten
wahrgenommen. Auf dem Düsseldorfer Diabetes-Tag am 19. September 2026
erklärte PD Dr. Oana-Patricia Zaharia vom DDZ wer ein besonderes Risiko
hat und was bei und gegen Schwangerschaftsdiabetes hilft.



Von Schwangerschaftsdiabetes ist bis zu jede siebte Schwangere in
Deutschland betroffen. Ursache ist unter anderem eine Veränderung des
Stoffwechsels: Hormone der Plazenta wirken der Insulinwirkung entgegen,
gleichzeitig nimmt das Gewicht der Mutter zu. Reicht die körpereigene
Insulinproduktion nicht mehr aus, um den Blutzucker auszugleichen, steigt
der Blutzucker. Ein besonderes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes haben
Frauen mit Adipositas, höherem Alter, einer bestehenden Insulinresistenz
oder die bereits in einer früheren Schwangerschaft betroffen waren.
„Schwangerschaftsdiabetes kann aber grundsätzlich jede Frau betreffen,
genau deshalb ist das Screening für alle so wichtig“, sagte die
Diabetologin und Wissenschaftlerin PD Dr. Oana-Patricia Zaharia auf dem
Düsseldorfer Diabetes-Tag in der Handwerkskammer Düsseldorf, den in diesem
Jahr rund 950 Teilnehmende besucht haben.

Das Screening auf Schwangerschaftsdiabetes findet in der Regel zwischen
der 24. und 28. Schwangerschaftswoche in der gynäkologischen Praxis statt:
Getrunken wird eine Lösung mit 50 Gramm Glukose (Traubenzucker),
anschließend wird der Blutzucker gemessen. Ist dieser erhöht, wird ein
Test mit 75 Gramm Glukose angeschlossen, um die Diagnose
Schwangerschaftsdiabetes zu stellen. Bleibt der erhöhte Blutzucker
unbehandelt, steigt für die Mutter das Risiko für Bluthochdruck,
Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) und Komplikationen bei der
Geburt. Beim Kind kann es zu einem zu hohen Geburtsgewicht und
Unterzuckerungen direkt nach der Geburt kommen.

Betroffene können selbst mit ausgewogener Ernährung und Bewegung aktiv
werden

Nach der Schwangerschaft sollte sich der Blutzucker wieder vollständig
normalisieren. „Bei bis zu 40 Prozent der Frauen ist dies aber nicht der
Fall. Umso wichtiger ist es, dass Frauen die Nachsorge sechs bis zwölf
Wochen nach der Geburt wahrnehmen und ihre Werte kontrollieren lassen“,
betonte Zaharia. Genau hier liegt allerdings eine Lücke in der Versorgung:
Eine DDZ-Studie zeigte, dass nur etwa zwei von fünf der Frauen mit
Gestationsdiabetes nach der Geburt ein Diabetes-Screening wahrnehmen.
„Schwangerschaftsdiabetes ist mehr als eine vorübergehende Diagnose: Wer
davon betroffen war, trägt lebenslang ein bis zu zehnfach erhöhtes Risiko
für Typ-2-Diabetes. Der Blutzucker sollte regelmäßig weiter kontrolliert
werden“, appelliert Prof. Michael Roden, Wissenschaftlicher
Geschäftsführer und Sprecher des Vorstands des DDZ sowie Direktor der
Klinik für Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum
Düsseldorf.

Neben der Nachsorge können Betroffene auch selbst im Alltag aktiv werden:
Oft helfen eine ausgewogene Ernährung sowie auf die Schwangerschaft
abgestimmte Bewegung, um die Blutzuckerwerte ausreichend zu senken. Reicht
das nicht aus, ist Insulin eine bewährte Therapie in der Schwangerschaft.
Auch Stillen kann sich positiv auf die Gesundheit der Mutter auswirken,
das zeigt eine Auswertung aus dem Jahr 2024 aus der Deutschen
Gestationsdiabetes-Studie (PREG), an der auch das DDZ beteiligt ist:
Längeres Stillen war mit einem niedrigeren Herz-Kreislauf-Risiko
verbunden. Dieser Zusammenhang zeigte sich insbesondere bei Frauen, die
zuvor einen Schwangerschaftsdiabetes hatten. Mehr Informationen zur
Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes gibt es auf der
Informationsplattform diabinfo.de.

Über den Düsseldorfer Diabetes-Tag

Der Informationstag fand 2026 zum 24. Mal statt und wird gemeinschaftlich
organisiert vom Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ), dem Regionalen
Innovationsnetzwerk (RIN) Diabetes e.V., der Klinik für Endokrinologie und
Diabetologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, der Deutschen Diabetes-
Hilfe – Menschen mit Diabetes – (DDH-M) Landesverband NRW sowie den
niedergelassenen Düsseldorfer Diabetologinnen und Diabetologen und der
Handwerkskammer Düsseldorf.