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Zum Brustkrebsmonat Oktober: Krebsregisterstudie zeigt Prognose bei der häufigsten Form des frühen Brustkrebses

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Auswertung von 43.214 Erkrankten aus acht deutschen Krebsregistern: Die
Fünf-Jahres-Wahrscheinlichkeit für ein invasives krankheitsfreies
Überleben liegt bei 82,9 Prozent. Die Prognose hing deutlich von
Tumorgröße, Lymphknotenbefall und Grading ab.



Lübeck, 29.09.2026 – Wie ist die Prognose von Menschen mit der häufigsten
Form des frühen Brustkrebses im Versorgungsalltag in Deutschland? Das
zeigt eine neue Auswertung bevölkerungsbezogener Daten aus acht
Krebsregistern. Untersucht wurden 42.830 Patientinnen und 384 Patienten
mit hormonrezeptorpositivem, HER2-negativem frühem Brustkrebs. Fünf Jahre
nach der Operation lag die Wahrscheinlichkeit, ohne Brustkrebsrückfall
oder neue invasive Krebserkrankung zu leben, bei 82,9 Prozent. Die
Ergebnisse wurden in „ESMO Real World Data and Digital Oncology“
veröffentlicht.

Die Studie basiert auf Daten der klinischen Krebsregister in Bayern,
Brandenburg-Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, dem
Saarland und Schleswig-Holstein. Die beteiligten Register decken rund 45
Millionen Menschen und damit etwa 54 Prozent der deutschen Bevölkerung ab.
Eingeschlossen wurden Erwachsene mit einem zwischen 2017 und 2021
diagnostizierten hormonrezeptorpositiven, HER2-negativen Brustkrebs der
Stadien I bis III. Voraussetzung waren eine Operation innerhalb von vier
Monaten nach der Diagnose und die Möglichkeit einer Nachbeobachtung über
mindestens zwei Jahre.

Häufigste Form des Brustkrebses

Hormonrezeptorpositive, HER2-negative Tumoren machen rund 73 Prozent aller
Brustkrebserkrankungen aus und sind damit der häufigste molekulare Subtyp.
Die Prognose ist insgesamt vergleichsweise günstig. Dennoch bleibt auch
nach einer erfolgreichen Operation für einen Teil der Betroffenen ein
Risiko für Rückfälle und weitere krankheitsbezogene Ereignisse bestehen.

Um dieses Risiko unter den Alltagsbedingungen der deutschen Versorgung zu
beschreiben, untersuchten die Forschenden das invasive krankheitsfreie
Überleben, kurz iDFS. Als Ereignis zählt dabei das erste Auftreten eines
Brustkrebsrückfalls in der Brust, in den regionären Lymphknoten oder in
anderen Organen, einer neuen invasiven Krebserkrankung oder des Todes
unabhängig von der Ursache. Das iDFS umfasst damit mehr als allein das
Ausbleiben eines Brustkrebsrezidivs.

Fünf-Jahres-iDFS bei 82,9 Prozent

Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 47 Monate. Während der gesamten
Beobachtungszeit trat bei 5.635 der 43.214 untersuchten Personen ein iDFS-
Ereignis auf. Bei 2.142 Betroffenen war ein Brustkrebsrückfall das erste
dokumentierte Ereignis, bei 1.415 eine zweite primäre invasive
Krebserkrankung. 2.078 Personen starben, ohne dass zuvor ein Rezidiv oder
ein Zweittumor im Register dokumentiert worden war. Die mit Methoden der
Überlebenszeitanalyse geschätzte iDFS-Wahrscheinlichkeit betrug drei Jahre
nach der Operation 90,1 Prozent und nach fünf Jahren 82,9 Prozent.

Die Prognose unterschied sich deutlich nach dem Tumorstadium. Das
geschätzte Fünf-Jahres-iDFS lag im Stadium I bei 89,4 Prozent und im
Stadium III bei 61,9 Prozent. Auch der Lymphknotenstatus machte einen
deutlichen Unterschied: Ohne Lymphknotenbefall betrug das Fünf-Jahres-iDFS
86,1 Prozent, bei einem ausgeprägteren Befall der Kategorie N2 oder höher
59,7 Prozent.

Etablierte Prognosefaktoren bestätigen sich in der Routineversorgung

Auch nach statistischer Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren waren
eine zunehmende Tumorgröße, ein stärkerer Lymphknotenbefall und ein
höheres histologisches Grading mit einem niedrigeren invasiven
krankheitsfreien Überleben verbunden. Ein höheres Risiko für ein iDFS-
Ereignis zeigte sich zudem bei Patientinnen und Patienten ab 75 Jahren
sowie bei Männern im Vergleich zu Frauen. Damit bestätigen sich zentrale
Prognosefaktoren auch in einer großen, nicht selektierten Bevölkerung aus
der deutschen Routineversorgung.

„Unsere Ergebnisse zeigen für Patientinnen und Patienten mit
hormonrezeptorpositivem, HER2-negativem frühem Brustkrebs insgesamt eine
hohe Wahrscheinlichkeit, die ersten fünf Jahre nach der Operation ohne
Brustkrebsrückfall oder neue invasive Krebserkrankung zu leben. Zugleich
machen die Krebsregisterdaten deutlich, bei welchen Patientengruppen das
Risiko erhöht ist“, sagt Paula Grieger vom Institut für Sozialmedizin und
Epidemiologie der Universität zu Lübeck.

Krebsregister zeigen Ergebnisse der Routineversorgung

Klinische Studien prüfen die Wirksamkeit und Sicherheit von Behandlungen
unter festgelegten Bedingungen. Häufig nehmen daran ausgewählte
Patientengruppen teil. Klinische Krebsregister beantworten eine ergänzende
Frage: Welche Krankheitsverläufe und Ergebnisse werden in der alltäglichen
Versorgung beobachtet?

Die klinischen Krebsregister nach § 65c SGB V erfassen dafür möglichst
vollständig und nach bundesweit einheitlichen Vorgaben Informationen zu
Diagnose, Therapie, Krankheitsverlauf und Tod. Durch die Zusammenführung
der Daten aus acht Krebsregistern, die neun unterschiedlich große und
geografisch verschiedene Bundesländer abdecken, bildet die Studie eine
breite Versorgungspopulation ab und erreicht eine hohe statistische
Aussagekraft.

„Klinische Studien und Krebsregisterdaten ergänzen sich. Während Studien
die Wirksamkeit von Therapien unter definierten Bedingungen prüfen, zeigen
Register, welche Krankheitsverläufe und langfristigen Ergebnisse in der
Routineversorgung tatsächlich beobachtet werden. Diese Studie belegt den
Wert bundesweit vergleichbarer Krebsregisterdaten“, sagt Prof. Dr.
Alexander Katalinic, Zweiter Vorsitzender des Deutschen Krebsregister e.V.
sowie Leiter des Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie der
Universität zu Lübeck und der Registerstelle des Krebsregisters Schleswig-
Holstein.

Längere Nachbeobachtung erforderlich

Die retrospektive Untersuchung weist typische Grenzen von Versorgungsdaten
(Real-World-Daten) auf. Bei einer medianen Nachbeobachtung von 47 Monaten
lassen sich insbesondere späte Rückfälle noch nicht vollständig erfassen.
Der Fünf-Jahres-Wert ist daher eine statistische Schätzung auf Grundlage
unterschiedlich langer individueller Beobachtungszeiten. Gerade bei
hormonrezeptorpositivem Brustkrebs können Rückfälle auch mehr als fünf
Jahre nach der Diagnose auftreten. Zudem waren ambulant durchgeführte
Therapien, vor allem die endokrine Therapie, teilweise unvollständig
dokumentiert. Die Forschenden empfehlen daher weitere registerbasierte
Auswertungen mit längerer Nachbeobachtung und möglichst vollständigen
Therapieinformationen.

Finanzierung und Interessenkonflikte:
Die Studie wurde von der IQVIA Commercial GmbH & Co. OHG, Frankfurt,
finanziert. Vier Autorinnen und Autoren sind bei IQVIA beschäftigt, eine
Person hält zudem Unternehmensanteile. Die übrigen Autorinnen und Autoren
geben keine Interessenkonflikte an.

Deutsche Krebsregister e.V. (DKR)
Der Deutsche Krebsregister e.V. (DKR) wurde im Mai 2024 als
Nachfolgeorganisation der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister
in Deutschland (GEKID) gegründet. Mitglieder sind alle Landeskrebsregister
in Deutschland, unabhängig von ihrer Ausrichtung (epidemiologisch,
klinisch oder integriert). Der Verein gliedert seine Arbeit in die
Sektionen „Krebsregistrierung“ sowie „Auswertung und Forschung“ und
fördert die Standardisierung der bundesweiten Krebsdokumentation. Ziel
sind eine bessere Vergleichbarkeit der Registerdaten und eine nachhaltige
Unterstützung der Krebsbekämpfung. Die vom DKR koordinierten Auswertungen
liefern wertvolle Erkenntnisse für Forschung, Prävention und
gesundheitspolitische Entscheidungen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Für Interviewfragen stellen wir gern den Kontakt zu den Autorinnen und
Autoren her.
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Originalpublikation:
Grieger P, Beykloo MY, Lee C, Moreira J, Niklas N, Twardella D, Köpf B,
Reil D, Schneider C, Luttmann S, Nennecke A, Kim-Wanner S-Z, Oesterling F,
Holleczek B, Pritzkuleit R, Katalinic A, Waldmann A: Real-world
characteristics and invasive disease-free survival of resected patients
with HR-positive/HER2-negative early breast cancer: evidence from German
population-based cancer registries.
ESMO Real World Data and Digital Oncology 2026; 13(C):100765,
https://doi.org/10.1016/j.esmorw.2026.100765