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Herz-Teams: Gemeinsam entscheiden für die beste Therapie

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 Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind
die häufigste Todesursache in Deutschland. Umso wichtiger ist es, die
bestmögliche Behandlung für Herzpatient:innen zu finden. Genau das leisten
sogenannte Herz-Teams. Herzchirurg:innen, Kardiolog:innen und Kolleg:innen
aus weiteren Fachgebieten bringen ihre Expertise zusammen und entscheiden
gemeinsam. Zum Weltherztag betonen die Deutsche Gesellschaft für Thorax-,
Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und die Deutsche Gesellschaft für
Kardiologie (DGK) die Bedeutung ihrer gemeinsamen Arbeit.

Robotik, technischer Fortschritt, Innovationen: Herzmedizin wird immer
präziser und bietet heute mehr Behandlungsmöglichkeiten denn je. Doch
welche ist die richtige? Gerade bei komplexen Herzerkrankungen kommen
häufig sowohl eine Operation als auch eine kathetergestützte Intervention
infrage – etwa bei der Koronaren Herzkrankheit mit mehreren verengten
Herzkranzgefäßen oder Erkrankungen der Herzklappen. „In all diesen Fällen
ist das Herz-Team gefragt“, erklärt Prof. Dr. Torsten Doenst, Präsident
der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie und
Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie des
Universitätsklinikums Jena. „Zahlreiche Studien belegen, dass konsequent
gelebte Herz-Team-Entscheidungen die Behandlungsergebnisse verbessern.“
Auch in etlichen Leitlinien, beispielsweise bei Herzklappen-Therapie oder
komplexer Koronarer Herzerkrankung, ist das Herz-Team verankert.

Viele Expertisen – ein richtiger Weg

„Im Herzteam beraten sich Kolleg:innen der Kardiologie und der
Herzchirurgie strukturiert unter Einbindung der Patient:innen; ergänzt um
Kolleg:innen weiterer Fachgebiete wie Anästhesiologie und Radiologie,
Intensivmedizin oder Geriatrie; je nach individuellem Krankheitsfall“,
erklärt Prof. Dr. med. Holger Thiele, Past-Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Kardiologie und Direktor der Universitätsklinik für
Kardiologie am Herzzentrum Leipzig. „Jedes Fachgebiet bringt seine
Expertise ein, um gemeinsam Chancen und Risiken im Ganzen zu bewerten und
den besten Therapieweg zu ermitteln.” Dabei gehe es ausdrücklich nicht
darum, die Therapie des eigenen Fachgebiets durchsetzen zu wollen, sondern
einzig im Sinne des Patienten bzw. der Patientin zu handeln, betont
Herzchirurg Prof. Dr. Torsten Doenst. “Es ist wichtig, an dieser Stelle
eine korrekte Risiko-Nutzen Abwägung durchzuführen und die Patientin oder
den Patienten richtig zu informieren. Ein chirurgischer Eingriff ist
natürlich invasiver, aber im Langzeitverlauf oft lohnenswert im Vergleich
zu den Alternativen.“

Die Idee der Herz-Teams ist nicht neu. Seit 2015 sind sie in Deutschland
bei mehreren Erkrankungen in den Richtlinien verpflichtend verankert.
Heißt: Die gemeinsame Beratung im Herz-Team, mit Inaugenscheinnahme der
Patient:innen, ist Voraussetzung für Krankenhäuser, um bestimmte Eingriffe
wie die kathetergestützte Aortenklappenimplantation (TAVI) überhaupt
durchführen zu dürfen. Doch wie sieht das in der Realität aus? In
Deutschland gibt es mehr als 600 Kliniken mit einer Fachabteilung
Kardiologie inklusive Herzkatheterlabor, aber nur rund 80 Kliniken mit
einer herzchirurgischen Fachabteilung. Wie findet an Standorten ohne
herzchirurgische Kolleg:innen die Abstimmung statt? „In diesen Fällen sind
verlässliche Kooperationen besonders wichtig, beispielsweise über
Telemedizin“, sagt Kardiologe Prof. Dr. Holger Thiele.  So könnten auch
über größere Entfernungen hinweg Befunde gemeinsam beurteilt,
Therapieoptionen diskutiert und konsentierte Empfehlungen durch
interdisziplinäre Teams gegeben werden. Gerade mit Blick auf die
flächendeckende Versorgung wird es deshalb künftig darauf ankommen, solche
Strukturen weiter auszubauen und verbindlich zu organisieren.

Ursprung liegt in der Kinderherzmedizin

Schnelle und verlässliche Abstimmung – in der Kinderherzchirurgie
funktioniert das besonders gut, betont Prof. Dr. André Rüffer, Direktor
der Klinik für Kinderherzchirurgie und Chirurgie angeborener Herzfehler an
der Uniklinik RWTH Aachen. “Der Herz-Team-Gedanke ist aus meiner Sicht
tief in der historisch gewachsenen, engen Zusammenarbeit zwischen
Kinderherzchirurgie und Kinderkardiologie verwurzelt“, sagt er. „Unsere
Patientinnen und Patienten haben häufig Nebenerkrankungen wie Leber- oder
Nierenschädigungen. Absprachen auch mit anderen Fachgebieten sind also
essenziell.“ Oft gebe es nicht den einen ausschließlichen Therapieweg,
sondern unterschiedliche vertretbare Ansätze. Entscheidend sei jedoch,
dass die gemeinsam getroffene Strategie von allen Beteiligten im Herz-Team
konsequent mitgetragen und verfolgt werde.

Teamwork – Herzchirurg Prof. Dr. Torsten Doenst wünscht sich in Zukunft
noch mehr davon. Derzeit sieht er den fachgebietsübergreifenden und
multiprofessionellen Ansatz in der klinischen Praxis noch nicht überall
konsequent umgesetzt; vor allem auch, was die Aufklärung der Betroffenen
selbst betrifft. „Unser oberstes Ziel sollte sein, dass Betroffene
vollständig über alle Behandlungsmöglichkeiten sowie deren Vor- und
Nachteile aufgeklärt sind.“ Am Ende entscheiden die Patient:innen
natürlich selbst, welche Therapie sie wählen. Und genau das sollte auf
einer guten Grundlage geschehen: nach umfassender und
fachgebietsübergreifender Beratung.