Grippeimpfung schützt auch das Herz: DGIM ruft Ältere und chronisch Kranke zum Impfcheck auf
Vor der Erkältungszeit rät die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.
V. (DGIM) älteren und chronisch kranken Menschen, ihren Impfstatus
überprüfen zu lassen. Die Grippeimpfung kann Infektionen und schwere
Krankheitsverläufe verhindern. Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-
Erkrankungen hat sie zudem noch einen positiven Zusatzeffekt: Laut einer
Studie verringert die Impfung das Risiko für erneute Herzinfarkte und
Todesfälle deutlich. Die DGIM empfiehlt, den Impfpass zum nächsten
Arzttermin mitzubringen und Impflücken zu schließen.
Oft beginnt es innerhalb weniger Stunden: Plötzlich steigen Fieber und
Krankheitsgefühl, Kopf und Glieder schmerzen. Dahinter kann eine Influenza
stecken – eine akute, durch Viren verursachte Erkrankung der Atemwege.
Anders als eine normale Erkältung kann sie den gesamten Körper stark
belasten. Besonders gefährdet sind Menschen im höheren Alter oder mit
chronischen Erkrankungen. Denn die virale Influenza-Infektion löst
Entzündungsreaktionen aus, die Herz, Lunge und Kreislauf beanspruchen und
bestehende Erkrankungen innerer Organe verschärfen können.
„Gerade für ältere Menschen sowie Patientinnen und Patienten mit
chronischen Erkrankungen ist es daher wichtig, sich durch Impfungen zu
schützen“, sagt Professorin Dr. med. Ursula Müller-Werdan, Vorsitzende der
DGIM. „Impfungen sind ein fester Bestandteil guter internistischer
Vorsorge“, so die Direktorin der Klinik für Geriatrie und Altersmedizin an
der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Influenzaimpfung als Herzschutz
Ein positiver Nebeneffekt der Grippeschutzimpfung: Sie schützt auch
Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In der randomisierten,
placebokontrollierten IAMI Studie (Influenza Vaccination After Myocardial
Infarction) erhielten Patientinnen und Patienten kurz nach einem
Herzinfarkt oder mit einer schweren Erkrankung der Herzkranzgefäße
entweder eine Influenzaimpfung oder ein Placebo. Die Studie ergab:
Innerhalb eines Jahres kam es in der Impfgruppe seltener zu Todesfällen,
erneuten Herzinfarkten oder Gefäßverschlüssen am eingesetzten Stent. Das
relative Sterberisiko war um 41 Prozent geringer.
„Die Grippeimpfung ist für Menschen nach einem Herzinfarkt nicht nur
Infektionsschutz, sondern neben den etablierten Therapien ein wichtiger
Baustein, um weiteren Herz-Kreislauf-Ereignissen vorzubeugen“, betont
Professor Dr. med. Georg Ertl, Internist und Kardiologe aus Würzburg sowie
Generalsekretär der DGIM.
Große Lücken im Impfschutz älterer Menschen
Die Impfquoten in Deutschland bleiben dennoch niedrig. Nach Daten des
Robert Koch-Instituts waren in der Saison 2024/2025 nur 34 Prozent der
Menschen ab 60 Jahren gegen Influenza geimpft. Die Gründe sehen Forschende
in einem geringen Risikobewusstsein – viele Menschen haben zudem
Vorbehalte gegenüber Impfungen. Doch Ärztinnen und Ärzte können dazu
beitragen, die Impfquote ihrer Patientinnen und Patienten zu heben: „Viele
Patientinnen und Patienten entscheiden sich für eine Impfung, wenn
Ärztinnen und Ärzte ihnen verständlich erklären, warum dieser Schutz mit
Blick auf ihre Vorerkrankung wichtig ist“, so der DGIM-Generalsekretär
Ertl. „Deshalb gehört das Thema der Impfungen in jede internistische
Behandlung – in die hausärztliche Praxis, die fachärztliche Sprechstunde
und in den Entlassbrief nach einem Krankenhausaufenthalt.“
DGIM empfiehlt: Diese Impfungen sollten jetzt geprüft werden
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche
Influenzaimpfung unter anderem für Menschen ab 60 Jahren, Personen mit
bestimmten chronischen Erkrankungen, Schwangere ab dem 2.
Schwangerschaftsdrittel und medizinisches Personal. Ob darüber hinaus
Impfungen gegen Pneumokokken, COVID-19, Herpes zoster oder das
Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) sinnvoll sind, hängt unter anderem
vom Alter, von Vorerkrankungen, der Stärke des Immunsystems und dem
persönlichen Erkrankungsrisiko ab.
Die DGIM empfiehlt Patientinnen und Patienten, ihren Impfpass zum nächsten
Arzttermin mitzubringen und Impflücken anzusprechen. Ärztinnen und Ärzte
sollten den Impfstatus regelmäßig prüfen, fehlende Impfungen empfehlen und
möglichst direkt anbieten.
Quellen
Laufs U, Blankenberg S, Schunkert H, Thiele H, Frey N, Baldus S.
Prävention und Vorsorge in der Kardiologie. Die Innere Medizin. 2026.
https://doi.org/10.1007/s00108
Fröbert O, Götberg M, Erlinge D, et al. Clinical impact of influenza
vaccination after ST- and non-ST-segment elevation myocardial infarction -
insights from the IAMI trial. Am Heart J. 2023;255:82-89.
doi:10.1016/j.ahj.2022.10.005
Badenschier F, Feig M, Rau C. Impfquoten in Deutschland. Epidemiologisches
Bulletin 50/2025. Robert Koch-Institut, 11. Dezember 2025. DOI:
10.25646/13589.2
Sie finden diese Meldung auch online unter:
https://www.dgim.de/presse/pre
