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Das Objekt des Monats: Café Corso

Cafe Coso in Hamm Holzschnitt Hölscher Theo
Cafe Coso in Hamm Holzschnitt Hölscher Theo
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Cafe Coso in Hamm Holzschnitt Hölscher Theo
Cafe Coso in Hamm Holzschnitt Hölscher Theo

Direkt in die bewegten 1920er Jahre führt uns ein Holzschnitt von Theo Hölscher aus dem Jahr 1924. Er zeigt einen Innenraum im legendären Café Corso in Hamm: im Vordergrund einen Tee trinkenden Mann, im Zentrum der Typus „neue Frau“ mit Kurzhaarfrisur, Hemdblusenkleid und Zigaretten rauchend, im Hintergrund einen Mann am Flügel und einen Stehgeiger im Frack.

Das Café Corso lag an der Ecke Kurze Straße/Bahnhofstraße und bot Gästen mit unterschiedlichen Bedürfnissen gastronomische und musikalische Highlights. Neben dem Musikcafé, das mit seiner Bühne wohl ebenfalls für Varietés genutzt wurde, gab es auch eine Bar und eine Altdeutsche Bierstube.

Theo Hölscher (geb. 1895 in Münster und dort 1966 gestorben) hatte sich im Oktober 1922 im Café Corso in Begleitung einer Dame aufgehalten, wie er seinem Notizheft anvertraut hatte. Möglicherweise befand er sich auf der Durchreise von oder nach Kassel, denn an der dortigen Kunstakademie hatte er studiert. Das Lokal in unmittelbarer Bahnhofsnähe hätte sich für einen Zwischenstopp angeboten. Vielleicht war Hölscher auch später noch das ein oder andere Mal Gast im Corso, jedenfalls hat er seine Eindrücke von dort erst mit dem Holzschnitt im Jahr 1924 bekannt gemacht.

Seit Ostern 1923 arbeitete Hölscher als Zeichenlehrer am Städtischen Realprogymnasium in Hamm (später Märkisches Gymnasium). Die höhere Schule für Jungen war anfangs im Gebäude der Rektoratsschule (Ecke Franziskanerstraße/Brüderstraße) untergebracht und zog 1925 in das repräsentative Haus an der Hohen Straße 71 um, wo zuvor die „höheren Töchter“ unterrichtet worden waren. In diesem Gebäudekomplex, der vielen noch als Volkshochschule in Hamm bekannt sein dürfte, hat Theo Hölscher den größten Teil seines Lehrerdaseins verbracht. Neben dem Holzschnitt vom Café Corso hat Hölscher noch zahlreiche weitere Ansichten aus der Stadt Hamm geschaffen, die gegenwärtig in einer Ausstellung im Gustav-Lübcke-Museum Hamm zu sehen sind: Hamm – mit Hölschers Augen und mit dem Fotoobjektiv von Jürgen Post (25. Februar – 2. September 2018).

Übrigens: Das Kult-Café in Hamm wurde Ende der 1960er-Jahre abgerissen und machte Platz für den großen Neubau des Kaufhauses Horten. Von 1970 bis 2007 stand Horten für ein modernes Konzept des Einkaufens: innen mit zahlreichen Einzelkaufhäusern unter einem Dach, verbunden durch ein Rolltreppensystem, und außen mit seinen typischen, vom Architekten Egon Eiermann entworfenen modernen Kacheln. Heute steht hier das Heinrich-von-Kleist-Forum mit der Stadtbücherei und der Volkshochschule. Und das Café Heinrich besetzt etwa die Stelle, wo früher das Café Corso war.