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Stadt Dortmund Infos:Von Urburschen und Unruhestiftern: „Stadtgespräche im Museum“ über die politische Rolle der Studenten

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Um die politische Rolle von Studenten in einer Universitätsstadt geht es am Donnerstag, 21. Juni, 18 Uhr im Museum für Kunst und Kulturgeschichte: Prof. Dieter A. Binder von der Karl-Franzens-Universität Graz spricht darüber bei den nächsten „Stadtgesprächen im Museum“. Die Reihe beleuchtet in Kooperation mit der TU Dortmund aus unterschiedlichen Perspektiven das Oberthema „Universitätsstädte“. Der Eintritt ist frei, nach dem Vortrag darf diskutiert werden.

Die politische Rolle der Studenten in der Universitätsstadt hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt. Den Reformansatz der Urburschenschaft als studentische Standesvertretung und Vorkämpferin für bürgerliche Freiheiten reduzierte man ab 1871 auf besitzstandswahrende Positionen. Die Erben der 1848er unterwarfen sich einem Prozess der Selbst-Aristokratisierung, dessen augenscheinlichster Ausdruck die Duell-Wut wurde.

Im Widerstand gegen die Weimarer Republik wurden Teile der Studentenschaft zu Wegbereitern des Nationalsozialismus, in der Wiederaufbauphase dann zu Säulen der Einübung neuer Bürgerlichkeit und des Kalten Krieges. Die 68er-Bewegung bricht diesen Habitus auf, der in der Massenuniversität endgültig verloren geht. Das modische Markieren dieser Aufbruchsstimmung, die Veränderung der universitären Binnenstrukturen und die normative Kraft des Faktischen wie der Wunsch nach Karriere führen jedoch erneut zu gesellschaftlicher Etablierung und lassen die Alt-68er nach dem Schock des RAF-Erlebnisses nahezu zu einem Veteranenverein degenerieren. Aus den ritualisierten Saufgelagen studentischer Korporationen über die Rauschwolken der 68er-Joints fand man sich sehr rasch als nachwachsende Connaisseurs einer neuen Wein- und Cocktail-Kultur.

Prof. Dr. Dieter A. Binder lehrt am Institut für Geschichte der Karl-Franzens-Universität Graz und leitet seit 2003 den Lehrstuhl für Kulturgeschichte und Kulturanthropologie an der Andrássy Universität in Budapest. Er arbeitet zu Fragen geschlossener Gesellschaften (Freimaurerei, studentische Zusammenschlüsse), zur Geschichte der politischen Kulturen Österreichs im 20. Jahrhundert und zu Fragen der Wissenschaftsorganisation.

Bei den nächsten „Stadtgesprächen“ am 12. Juli spricht Dr. Hans-Dieter Nägelke (TU Berlin) unter der Überschrift „Einheitswunsch und Spezialisierungszwang“ über den Hochschulbau im Kaiserreich.