Wo Forschende Kunst und Gesundheit schützen
Damit Kultur nicht nur schön anzuschauen ist, sondern auch sicheren Genuss
bietet, haben Forschende in der Zuse-Gemeinschaft schonende Verfahren zum
Schutz von Kunstwerken und Gesundheit entwickelt. Holz als empfindliches,
natürliches Material, das zugleich Schadstoffe beherbergen kann, ist ein
Schwerpunkt dieser Aktivitäten.
Kunstwerke restauriert man, um sie zu erhalten und sie im Idealfall wieder
in ihren ursprünglichen Zustand zu bringen. Doch kann auch der Schutz des
Menschen vor den Kunstwerken nötig sein, so bei Holzschnitzereien. Denn
bei deren Restaurierung kamen bis in die achtziger Jahre hinein nicht
selten gesundheitsgefährdende Holzschutzmittel mit Stoffen wie
Pentachlorphenol (PCP), Lindan oder auch DDT zum Einsatz. Für die
Befreiung historischer Holzkonstruktionen und Kulturgüter von solchen
Gefahrstoffen hat das Forschungsinstitut INNOVENT aus Jena die Reinigung
mit Atmosphärendruckplasma entwickelt. Bei dem Verfahren wird mit einem
aufgeladenen Stickstoff-Gas gearbeitet, das die Rückstände des
Holzschutzmittels reduziert. „Das schonende Verfahren kommt ohne
Feuchtigkeit aus. Gemeinsam mit dem Institut für Holztechnologie Dresden
(IHD) einem weiteren Mitglied der Zuse-Gemeinschaft, wollen wir die
entscheidenden Schritte tun, damit sich diese Methode in der Praxis der
Restaurierung verstärkt durchsetzt - für den Schutz von Kulturgütern und
zum Gesundheitsschutz für die Mitarbeitenden in Depots und Museen“,
erklärt Constanze Roth, Kunsthistorikerin bei INNOVENT.
Während sich INNOVENT um die Oberflächenbehandlung kümmert, arbeiten die
IHD-Wissenschaftler an der Versiegelung der gereinigten Oberflächen, damit
keine weiteren schädlichen Substanzen aus dem Holz entweichen. Dazu lassen
sie die Holzstruktur etwas aufquellen. „Sind die Zellwände möglichst
dicht, wird dieser Zustand fixiert“, erläutert Dr. Martin Fischer vom IHD
das Vorgehen beim Projekt Plasdecon.
Schimmelpilzen an Kirchenorgeln zu Leibe gerückt
Während in Museen und Sammlungen mit ihren häufigen Wander-Ausstellungen
Schadinsekten zur Gefahr für Kunstschätze aus Holz werden können, lauern
in Kirchen als Hort sakraler Kunst andere Risiken. Schimmelpilze und von
ihnen gebildete Sporen greifen nicht nur die Verkleidung und das
Innenleben von Kirchenorgeln an, sondern sind auch eine potenzielle
Gesundheitsgefahr. Weil Gemeinden seit Jahren zunehmenden
Schimmelpilzbefall an Kirchenorgeln beklagen, entwickelte das IHD in
Zusammenarbeit mit dem Institut für Gebäudeenergetik, Thermotechnik und
Energiespeicherung in Stuttgart sowie dem Institut für Diagnostik und
Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt erfolgreich
Strategien zum Schutz der Musikinstrumente. Mit einem kombinierten
Luftreiniger aus Filtermodulen, Ionisator und UV-Strahler wurden
Schwebeteilchen der Luft reduziert und unschädlich gemacht. Neben der
Messung von Schimmelpilzkonzentrationen in der Luft ging es in
Kleinstarbeit ans Zählen und Analysieren der Partikel unter dem Mikroskop.
An einem speziell entwickelten Computer-Simulationsmodell wurden erstmalig
in einem 3D-Modell kritische Stellen im Windsystem der Orgel sichtbar
gemacht. „Unsere an vier Kirchen in Ostsachsen erprobten Methoden wollen
wir weiter testen, um die aufgezeigten Lösungsansätze möglichst breit in
die Anwendung zu bringen. Schimmelpilze sollen sich in den kühlen Kirchen
nicht mehr wohl fühlen“, sagt IHD-Projektleiterin Katharina Plaschkies.
Am 9. und 10. Mai widmet sich das 5. Mykologische Kolloquium am IHD
interdisziplinär dem Schimmelpilzbefall in Kirchenorgeln. Der
wissenschaftliche Erkenntnisgewinn über die Grenzen einzelner Fächer
hinaus kennzeichnet auch das bei INNOVENT angesiedelte Forum Inn-O-Kultur.
Das offene Bündnis führt Forschungsergebnisse aus den Disziplinen Chemie,
Biologie, Physik, Werkstoffe sowie Restaurierung und Denkmalpflege
zusammen, um neue Einsatzmöglichkeiten innovativer Oberflächen-
Technologien für Kulturgüter zu erkunden
