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Neues Forschungsprogramm zur Dynamik von Religionen

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Exzellenzcluster „Religion und Politik“ in Münster eröffnet am Freitag
feierlich seine neue Förderphase – Sprecher Prof. Dr. Nils Jansen stellt
neues Forschungsprogramm vor: „Dynamiken von Tradition und Innovation“ –
Festvortrag von Luther-Biographin Lyndal Roper

Der Exzellenzcluster „Religion und Politik. Dynamiken von Tradition und
Innovation“ der WWU eröffnet am Freitag in Münster mit einem Festakt seine
neue Förderphase im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern.
„Seit 2007 erforschen wir das Verhältnis von Religion und Politik quer
durch die Epochen und Kulturen. Wir freuen uns, dass wir als einer der
wenigen Exzellenzcluster der ersten Stunde eine weitere Förderung
einwerben konnten, und beleuchten in den kommenden Jahren besonders die
Faktoren, die Religion zum Motor für politischen und gesellschaftlichen
Wandel machen“, sagt der Sprecher und Rechtshistoriker Prof. Dr. Nils
Jansen. „Es mag paradox erscheinen, aber Religionen entwickeln in
Geschichte und Gegenwart Innovationen regelmäßig, indem sie sich auf
Traditionen berufen.“ Als Festrednerin wird die renommierte Historikerin
und Luther-Biographin Prof. Dr. Lyndal Roper von der Universität Oxford
erwartet, die über „Cranachs Luther“ spricht. Die Eröffnungsfeier, auf der
Nils Jansen das neue Forschungsprogramm zu religiösen Dynamiken vorstellt,
beginnt um 18.00 Uhr in der Aula am Aasee an der Scharnhorststraße 100 in
Münster (Anmeldung in der Geschäftsführung unter m.koenig@uni-
muenster.de).

„Zahlreiche Beispiele führen die gesellschaftliche Kraft von Religionen
vor Augen“, erläutert der Sprecher des Exzellenzclusters. „Kirchlicher
Protest in der DDR, Evangelikale Kräfte in der US-Politik, Islamisierung
in der Türkei, der Einfluss orthodoxer Juden in Israel, das
Umweltengagement religiöser Gruppen, ganz allgemein die christliche
Codierung westlicher Rechtsordnungen und die auch heute rechtsprägende
Autorität christlicher Kirchen in Institutionen wie dem Ethikrat:
Religionen spielen in Umbruchprozessen eine zentrale Rolle.“ Die
Leitfragen des Exzellenzclusters lauten deshalb: „Auf welche Weise kann
Religion gesellschaftliche und politische Auseinandersetzungen
stimulieren, eindämmen und modifizieren? Worin liegt ihre dynamische
Potenz begründet? Welche äußeren Bedingungen begünstigen ihre
Mobilisierungsfähigkeit oder schränken sie ein?“

Die neue Förderphase des 2007 gegründeten Exzellenzclusters von 2019 bis
2025 wurde im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern mit einem
Fördervolumen von 31 Millionen Euro bewilligt. Der interdisziplinäre
Forschungsverbund ist der bundesweit größte dieser Art und unter den
Exzellenzclustern in Deutschland einer der ältesten sowie der einzige zum
Thema Religion. Die 140 Forschenden aus 20 geistes- und
sozialwissenschaftlichen Fächern und 10 Nationen befassen sich mit den
„Dynamiken von Religion und Politik“ in rund 80 Einzelprojekten. Um den
komplexen Forschungsgegenstand systematisch untersuchen zu können, ist er
in drei Forschungsfelder unterteilt: transkulturelle Ver- und
Entflechtungen, Religiöse Vielfalt und rechtlich-politische Einheit sowie
Religionskritik und Religionsapologie. Quer dazu verlaufen
Theorieplattformen, in denen die Forschenden mit Theorien des Konflikts,
der Emotionalität und Medialität sowie der gesellschaftlichen Ungleichheit
und Differenzierung arbeiten. Hinzu kommen flexibel eingesetzte „Research
Clouds“ zu übergreifenden Themen wie Theologische Glaubenslehre und
gelebte Religiosität, Migration und Diaspora, Ambiguität und Entscheidung
sowie Genesis und Geltung.

Wenn Religion Konflikte verstärkt oder bremst

„Mit der Untersuchung von Dynamiken“, führt Sprecher Nils Jansen aus,
„lenken wir die Aufmerksamkeit auf den Eigensinn und die aktive Rolle von
Religion in den politischen, sozialen und wirtschaftlichen
Auseinandersetzungen von Gesellschaften. Damit grenzen wir uns von
Säkularisierungstheorien und anderen Theorien ab, die bei der Erklärung
der sozialen Bedeutung religiöser Gemeinschaften dazu neigen, Religion als
traditionale Größe zu behandeln, die Umweltveränderungen lediglich reaktiv
ausgesetzt ist.“ Demgegenüber wird in Münster untersucht, wie Religionen –
auch unter Bedingungen zunehmender Konfessions- und Religionslosigkeit –
gesellschaftlich-politischen Wandel initiieren und beeinflussen können und
sich selbst dabei verändern.

Der Festakt am Freitag, 10. Mai, beginnt um 18.00 Uhr mit der Einführung
des Rechtshistorikers Nils Jansen. Er hat zum Jahreswechsel das
Sprecheramt im Exzellenzcluster von dem Religionssoziologen Detlef Pollack
übernommen, der nun stellvertretender Sprecher ist. Münsters
Bürgermeisterin Karin Reismann und WWU-Prorektorin für Forschung Prof. Dr.
Monika Stoll halten ein Grußwort. Für Musik sorgt das Arthos Trio mit Nima
Mirkhoshhal (Klavier), Till Müller (Klarinette) und Cornelia Emmert
(Cello). Die australische Festrednerin Lyndal Roper, die „Regius Professor
of History“ in Oxford ist, hat eine Biografie des vielmals von Lucas
Cranach porträtierten Reformators vorlegt, die 2016 unter dem Titel „Der
Mensch Martin Luther“ im Verlag S. Fischer erschienen ist und mehrfach
ausgezeichnet wurde. Sie untersucht schwerpunktmäßig die Geschichte der
Reformation und der Frühen Neuzeit in Deutschland und gehört dem
Wissenschaftlichen Beirat des Exzellenzclusters an. (sca/vvm)