Wieviel vielfalt kann Kultur? NRW-Weite Bestandsaufnahme zu DIversität an Kultureinrichtungen veröffentlicht
Das Thema Diversität ist in der Kultur angekommen – zugleich zeigt sich in der Umsetzung noch Luft nach oben. Zu diesem Schluss kommt die erste NRW-weite Bestandsaufnahme zu Diversität an öffentlich geförderten Kultureinrichtungen, die die Zukunftsakademie NRW (ZAK NRW) am 11. Juli gemeinsam mit Bildungswissenschaftler Prof. Dr. Heiner Barz (HHU Düsseldorf) vorstellte.
262 Führungspersonen von Kulturbetrieben, die im Kulturförderbericht des Landes NRW aufgeführt sind, wurden im Frühjahr gebeten, sich an der Online-Umfrage zu beteiligen. Dank der hohen Rücklaufquote von 64 Prozent sind unterschiedliche Betriebsgrößen und Etatstärken sowie verschiedene Sparten vertreten.
Die ersten Erkenntnisse zeigen, dass der überwiegende Teil der Befragten die Relevanz des Themas Diversität grundsätzlich anerkennt – als Zukunftsthema für Kultureinrichtungen (über 80 Prozent) und auch im eigenen Betrieb (drei Viertel der Befragten). Auch haben viele Befragte angegeben, einen Wandel hin zu mehr Diversität im eigenen Haus innerhalb der letzten zehn Jahre bemerkt zu haben – vor allem im Bereich Kulturelle Bildung und beim Publikum, mit 35 Prozent deutlich weniger beim Personal.
Nach konkreten Umsetzungsschritten befragt, fanden vor allem weiche Maßnahmen wie Partnerschaften mit vielfältigen Akteur*innen und diversitätssensible Publikumsarbeit Anklang. Beauftragte für Diversität oder Quotenregelungen wurden nur von wenigen Befragten befürwortet. Bei einzelnen Maßnahmen zeigen die Ergebnisse eine zum Teil erhebliche Kluft zwischen genereller Befürwortung und realisierter Umsetzung. Zum Beispiel halten fast die Hälfte der Befragten vielfältige, zielgruppenspezifische Kommunikationswege für wichtig - aber nur 15% berichten von einer entsprechenden Praxis.
Studienautor Prof. Dr. Heiner Barz betont, dass sich aus derartigen Befunden konkrete Bedarfslagen für Training und Support ablesen lassen. Weitere qualitative Forschung könne helfen, hier noch genaueres Wissen über die strukturellen und mentalen Konstellationen zu ermitteln. ZAK-NRW-Geschäftsführerin Inez Boogaarts: „Ohne Mut zum Handeln und Fehlermachen gibt es keinen Wandel. Kleine Schritte wie die Einrichtung eines Jugendbeirats oder das Einholen anderer Perspektiven können bereits einen neuen Weg eröffnen – der sich dann durch die Entwicklung einer Strategie konsequent beschreiten lässt“.
Die Studienergebnisse können unter www.zaknrw.de/wissen aufgerufen werden.
