Stadt Bochum Infos:"Jahrhunderthalle: Zweite Folge der Reihe Verborgene Orte"
Sommerserie „Verborgene Orte“
Der Schieber als Lebensretter
Nicht nur in den Unterwelten der Jahrhunderthalle Bochum, sondern auch in schwindelerregender Höhe, unter dem lichten Dach, sind Relikte aus der Vergangenheit verborgen. Ein skurriles Gebilde versperrt uns den Weg über das schwebende Brückensystem in der Halle. Was mag das sein? Der Geruch nach Stahl, Staub und rostigem Eisen hängt noch leicht in der Luft. Fast meint man, auch noch Koksgase wahrzunehmen. Wie ein gigantisches Rückgrat verläuft die Gasleitung durch die oberen Hallenteile. Kaum vorstellbar, dass in den Werkszeiten regelmäßig Arbeiter durch die großen Rohre krochen, um sie sauber zu halten oder zu warten. Zwar trugen die Männer Gasmasken, dennoch war es heiß und staubig und sicherlich auch nicht gesund! Selbst heute, nach den vielen Jahren der Stilllegung, ist es nicht ratsam, durch die Rohre zu klettern, da man nicht weiß, wie viel Staub dort noch in den Leitungen hängt. Doch zurück zu dem anfangs erwähnten „skurrilen Gebilde“: Der Schieber war praktisch der „Notausknopf“. Er verhinderte das Durchströmen des giftigen Gases, wenn die Arbeiter in die Rohre kriechen mussten.
Verschiedene Rohrleitungen waren für unterschiedliche Inhalte: Es flossen Gas, Öl oder Pressluft durch die Leitungen. Die kleineren Rohre, die heute noch an der Rückseite der Jahrhunderthalle Bochum zu sehen sind, regelten den Durchfluss von „Pressluft“ – der Hochofenwind, der die Hochöfen „zum Glühen brachte“. Auch dort waren Schieber im Einsatz – die Vorläufer heutiger Ventile. Die Schieber wurden mit einem Ventilrad per Hand verschlossen und zeugen heute noch von den Dimensionen der Arbeitsgeräte oder Maschinen und der „Handarbeit“ in der ehemaligen Maschinenhalle des Bochumer Vereins für Gussstahlproduktion, der heutigen Jahrhunderthalle Bochum.
Nächste Folge der Serie „Verborgene Orte“ am 2.8.2019, Schauspielhaus.
