Bilder der Reise von 1934-1935 (Teilnehmer Alfons Bayrle, Adolf Ellegard Jensen, Helmut von den Steinen, Helmut Wohlenberg).  Steigerwald
Bilder der Reise von 1934-1935 (Teilnehmer Alfons Bayrle, Adolf Ellegard Jensen, Helmut von den Steinen, Helmut Wohlenberg). Steigerwald

Das Frobenius-Institut für kulturanthropologische Forschung an der Goethe-
Universität übergibt 20.000 Fotos und Zeichnungen aus 60 Jahren Äthiopien-
Forschung in digitalisierter Form an das äthiopische Nationalarchiv in
Addis Abeba. Die Sammlung ist von besonderem ethnografischen und
historischen Interesse, da sie in einem bisher kaum erforschten Gebiet
Äthiopiens und noch vor der Missionierung durch protestantische Kirchen
entstanden ist.
Rund 20.000 Fotografien und Zeichnungen dokumentieren die
Forschungen des Frobenius-Instituts in Südäthiopien zwischen 1934 und
1994. Nun sollen diese Bilder vor Ort einsehbar und für Recherchen nutzbar
werden. Am 22. November 2019 übergibt das Frobenius-Institut für
kulturanthropologische Forschung die Sammlung in digitalisierter Form an
das äthiopische Nationalarchiv in Addis Abeba.

Die Übergabe ist Teil einer Initiative des äthiopischen Nationalarchivs,
das sich zunehmend mit Fragen der digitalen Archivierung und dem Aufbau
eines nationalen Fotoarchivs beschäftigt. Neben den Fotografien umfassen
die Archive des Frobenius-Instituts weiteres umfangreiches Material zu
Südäthiopien: etwa 200 geografische und ethnographische Karten, 60
Filmrollen, 1.200 ethnographische Objekte sowie die Nachlässe der
ehemaligen Instituts-Direktoren Prof. Adolf E. Jensen und Prof. Eike
Haberland, die verschiedene Arten von Dokumenten wie Expeditionsberichte,
Briefe, Manuskripte und Notizbücher enthalten. Diese Archivbestände sind
von besonderem ethnografischen und historischen Interesse, da sie in einem
bisher kaum erforschten Gebiet Äthiopiens und noch vor der Missionierung
durch ausländische protestantische Kirchen gesammelt wurden. Die spätere
Missionierung und die Zeit unter sozialistischer Führung (1974–1987)
brachten für die Menschen in Südäthiopien einen radikalen kulturellen und
sozialen Wandel. Was vorher war, ist kaum dokumentiert. Insofern stellen
die Dokumentationen der frühen ethnologischen Forschungsreisen einen
besonders wertvollen Bestand dar.

Gerade das damals in einer bilderarmen Zeit entstandene Bildmaterial ist
für die heutige Bevölkerung von großer Relevanz. Das Frobenius-Institut
möchte dieses einzigartige Bildmaterial mit Wissenschaftlern und der
interessierten Öffentlichkeit in Äthiopien und weltweit teilen. Im Rahmen
eines Instituts-Projekts wurde das Bildmaterial, gefördert durch die
Deutsche Forschungsgemeinschaft, zwischen 2006 und 2009 digitalisiert.
Über eine Online-Datenbank steht es allen Interessierten zur Verfügung. In
Kooperation mit dem Goethe-Institut Addis Abeba fanden bereits drei Foto-
Ausstellungen mit einer kleinen Auswahl von Bildern statt (2010, 2014 und
2019). Auch die aktuelle Ausstellung „BAXXE ፤ HOME“, die am 21. November
2019 am Goethe-Institut in Addis Abeba eröffnet wird, zeigt historische
Bilder aus der Region Gedeo neben Bildern der zeitgenössischen Fotografin
Maheder Haileselassie.