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700 Teilnehmer beim Online-Kongress der DGG: „Unsere Erwartungen wurden übertroffen!“

Professor Rainer Wirth  Quelle: Marien Hospital Herne
Professor Rainer Wirth Quelle: Marien Hospital Herne
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Professor Rainer Wirth  Quelle: Marien Hospital Herne
Professor Rainer Wirth Quelle: Marien Hospital Herne

Der erste Online-Kongress der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG)
war ein voller Erfolg! Insgesamt 700 Interessierte haben über drei Tage an
dem digitalen Format Anfang September teilgenommen. Der zuerst anvisierte
Präsenz-Kongress musste aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie abgesagt
werden. „Die Nachfrage zu unserem umfangreichen Kongress-Programm zeigt
deutlich, wie viel Interesse man der Geriatrie mittlerweile
entgegenbringt“, sagt DGG-Kongresspräsident Professor Rainer Wirth,
Direktor der Klinik für Altersmedizin und Frührehabilitation im Marien
Hospital Herne.

Im Interview zieht der Mediziner nun eine persönliche Konferenz-Bilanz: Er
spricht über die Zukunft der digitalen Formate, das On-Demand-Angebot der
DGG, geriatrische Zukunftsthemen sowie den Kongress im kommenden Jahr, den
er noch einmal als Kongresspräsident der DGG leiten wird.

Herr Professor Wirth, worauf führen Sie die große Nachfrage am Programm
des ersten rein digitalen Kongresses der DGG zurück?

Die Geriatrie ist ein absolutes Wachstumsfach und wir haben beim Kongress-
Programm darauf geachtet, dass wirklich alle Bereiche abgedeckt werden, in
denen es spannende Neuigkeiten zu berichten gibt. Zudem haben wir durch
diverse Online-Konferenzen, an denen viele von uns seit Beginn der
Pandemie teilgenommen haben, viel darüber gelernt, wie unsere Inhalte
digital am besten abgebildet werden können. Auch das wissenschaftliche
Niveau der Vorträge und Poster hat sich in den letzten Jahren
kontinuierlich verbessert. Das Gesamtpaket hat eben gestimmt, sodass auf
der Kongress-Plattform genauso viel los war wie bei einem Präsenz-Kongress
der DGG.

Was spricht für Sie dafür, dann auch in Zukunft auf digitale Kongress-
Formate zu setzen?

Wir müssen bei allen Vorteilen einer Online-Veranstaltung auch eines
festhalten: Ein Präsenz-Kongress entwickelt nochmal eine ganz andere
Dynamik. Sich in Chats zu einem Vortragsthema auszutauschen ist etwas
anderes, als die Menschen direkt zu treffen. Ich denke, das haben alle in
den vielen zurückliegenden Online-Events gemerkt. Für uns heißt das: Wir
planen mit einem geriatrisch-gerontologischen Präsenz-Kongress im
kommenden Jahr in Halle (Saale). Wir werden allerdings auch versuchen,
einzelne hybride Formate für diejenigen anzubieten, die nicht zum Kongress
kommen können. Und wir überlegen, auch in Zukunft wichtige Vorträge
aufzunehmen, die dann nach dem Kongress noch länger online abrufbar sein
werden.

Mit ein paar Tagen Abstand: Mit welchem Gefühl blicken Sie nun auf die
drei Tage Online-Kongress zurück?

Mich macht es ausgesprochen glücklich, dass unsere Erwartungen übertroffen
wurden. Mit 500 bis 600 Teilnehmern haben wir kalkuliert – aber 700
Teilnehmer sind wirklich ein großer Erfolg für unsere Gesellschaft. Nun
liegt die Messlatte für zukünftige Kongresse natürlich höher. Ich bin auch
wirklich ausgesprochen zufrieden, dass alles gut geklappt hat. Gut, zu
Beginn gab es technische Probleme mit dem Streaming. Aber diese Probleme
ließen sich beheben und waren dann im weiteren Kongress-Verlauf
hoffentlich vergessen. Die persönlichen Rückmeldungen an mich waren nach
dem Kongress durchweg positiv. Das Programm wurde sehr gut angenommen, die
Themen waren hochspannend und die Referenten exzellent. Es war insgesamt
ein sehr lebendiger Austausch.

Welche Vorträge oder Sessions haben Ihnen am besten gefallen?

Das ist schwer, da einen bestimmten Vortrag hervorzuheben. Ich hatte ja
fast durchgehend selbst Verpflichtungen während des Kongresses, sodass ich
gar keine Chance hatte, manche Veranstaltungen zu besuchen. Herausheben
möchte ich alle vier Keynote-Lectures und die Special-Lecture zur
geriatrischen Onkologie des ehemaligen DGG-Präsidenten Professor Gerald
Kolb aus Lingen. Ihn haben wir zu Beginn des Kongresses mit dem erstmals
ausgelobten DGG-Preis für das Lebenswerk geehrt. Ich bin ganz ehrlich: Zu
gerne hätte ich während des Kongresses noch viel mehr Sessions besuchen
wollen, als ich es zeitlich schaffen konnte. Gerade als Kongresspräsident
ist man natürlich besonders neugierig, wie die eine oder andere Session so
läuft.

Sie sprechen es an: Das Angebot ist groß, die Zeit knapp. Was passiert mit
den aufgezeichneten Vorträgen?

Viele Referenten haben sich dankenswerterweise bereit erklärt, dass die
Video-Aufzeichnungen ihrer Präsentationen noch länger online zur Verfügung
stehen können. Das finde ich klasse und absolut bereichernd. Dieses
Angebot steht exklusiv allen Teilnehmern des Kongresses bis 30. November
kostenfrei zur Verfügung. Ich persönlich habe mir schon einige Vorträge
angeschaut, die ich während des Kongresses verpasst habe – die aber hoch
relevant sind für die geriatrische Arbeit.

Welches Zukunftsthema für die Geriatrie haben Sie identifizieren können?

Die Geriatrie selbst ist das Zukunftsthema. Sie wird angesichts der
demographischen Entwicklung und zunehmender Multimorbidität weiter an
Bedeutung gewinnen. Nur müssen wir es hier auch schaffen, die
entsprechenden Felder in der Krankenversorgung und in der Wissenschaft zu
besetzen und mit Inhalten zu füllen. Auch die interdisziplinäre Behandlung
zusammen mit der Geriatrie wird ein Feld der Zukunft sein, so, wie wir das
aktuell im Bereich der Alterstraumatologie erleben. Auch dem digitalen
Assessment und den digitalen Biomarkern sage ich eine große Zukunft
voraus. Es ist doch völlig anachronistisch, dass wir in Zeiten, in denen
wir alle einen Multifunktionscomputer in der Hosentasche tragen, beim
geriatrischen Assessment noch mit Bleistift, Papier und Stoppuhr unterwegs
sind.

Dann lassen Sie uns in die Zukunft blicken. Was erwartet uns beim nächsten
Geriatrie-Kongress?

Unseren nächsten Kongress planen wir wieder als Präsenzveranstaltung
zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie –
der DGGG. Unter dem Motto ‚Altern im Spannungsfeld von Resilienz und
Vulnerabilität‘ wird der Kongress vom 7. bis 10. September 2022 in Halle
an der Saale stattfinden. Wir dürfen hier wieder die Räumlichkeiten der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg nutzen und ich freue mich schon
sehr, zusammen mit Professor Andreas Simm, dem DGGG-Kongresspräsidenten
für das kommende Jahr, ein spannendes und umfangreiches wissenschaftliches
Programm vorzubereiten. Ich bin mir sicher: In Halle sehen wir uns dann
alle endlich wieder vor Ort und werden den persönlichen Austausch dann
noch mehr genießen können.