Fraunhofer IEE auf der EXPO in Dubai: Offshore-Pumpspeicherkraftwerke für die weltweite Energiewende
Die Expo hat die Zukunft im Blick. Der Deutsche Pavillon CAMPUS GERMANY
bietet rund um das Thema Nachhaltigkeit beeindruckende Innovationen und
interessante Einblicke in Forschung und Wissenschaft. Als einer von rund
40 Partnern ist das Fraunhofer IEE im deutschen Pavillon mit der
Forschungsvision StEnSea – Stored Energy in the Sea vertreten.
Pandemiebedingt wurde die Expo 2020 in Dubai verschoben. Mit einer Feier
am 30. September 2021 wird die Expo eröffnet. Sie findet bis zum 30. März
2022 statt. Als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Pavillons
betonte Andreas Horbelt auf der Eröffnungspressekonferenz: „Mit dem
Deutschen Pavillon auf der Expo 2020 Dubai möchten wir einen Ort schaffen,
der nicht nur nachhaltige Innovationen „Made in Germany“ zeigt, sondern
auch dazu einlädt, sich als Teil einer Gemeinschaft zu erleben. Unser
Konzept für den Deutschen Pavillon möchte die Dringlichkeit eines
gemeinsamen Kampfes gegen den Klimawandel bewusst machen – spielerisch und
mit vielen Möglichkeiten, das komplexe Thema interaktiv zu erkunden."
Das vom BMWi geförderte Projekt StEnSea - Stored Energy in the Sea des
Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE in
Kassel zählte schon 2018 zu den 100 innovativen Preisträgern des
Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“ in Deutschland. Nun
hat es den Sprung auf die internationale Bühne geschafft und zeigt wie
durch Experimentierfreude, Neugier und Mut zum Umdenken zukunftsweisende
Innovationen im Bereich Energiespeicherung entstehen können.
»Im Projekt StEnSea haben wir nach Machbarbarkeits- und Potentialstudien
ein Funktionsmodell im Modellmaßstab 1:10 entwickelt und 2016 erfolgreich
im Bodensee getestet. Die wirtschaftliche Anwendung für solche
Speichersysteme liegt in Meerestiefen von 600 bis 800 Metern. Mögliche
Standorte liegen insbesondere vor den Küsten Europas, Japans und den USA.
Das von uns ermittelte Potential liegt bei rund dem 1.000-fachen der heute
weltweit installierten Pumpspeicherleistung - das ist ein wichtiger
Beitrag zur internationalen Energiewende«, erläutert Dr. Matthias Puchta,
Projektleiter am Fraunhofer IEE in Kassel.
»Nach dem erfolgreichen Test im Bodensee streben wir nun in der nächsten
Stufe eine dreimal so große Betonkugel an, die dann zirka das 50 bis
100-fache an Energie speichern kann. Dafür haben wir weltweit mögliche
Standorte recherchiert und genauer untersucht. Im Ergebnis wäre eine
Umsetzung in Norwegen sehr vielversprechend. Darüber hinaus haben wir die
Ergebnisse des Projektes mit möglichen industriellen Partnern diskutiert
und weiteren Forschungsbedarf identifiziert. Die Finanzierung der weiteren
Entwicklung soll in Abstimmung mit industriellen Partnern und den
öffentlichen Förderern aufgebracht werden«, erläutert Fraunhofer-
Bereichsleiter Jochen Bard, der sich derzeit für die Bildung eines neuen
internationalen Projektkonsortiums engagiert.
»Perspektivisch sehen wir mit heutiger standardisierter und verfügbarer
Technik bei der Speicherkapazität von 20 MWh pro Kugel ein weltweites
Potenzial mit einer elektrischen Gesamtspeicherkapazität von 893.000 MWh.
In zukünftigen Parks mit einer großen Anzahl solcher Anlagen können sich
damit vergleichsweise niedrige Speicher-Zykluskosten von voraussichtlich
2,0 € Cent pro kWh ergeben. Damit ließen sich kostengünstig wichtige
Ausgleichsbeiträge für die schwankende Erzeugung aus Wind und Sonne für
die weltweite Energiewende leisten«, ist Bard überzeugt.
