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Eine Jacke aus einer Jacke aus einer Jacke …

Die grüne Farbe der Jacke zeigt, dass Material aus dem Recyclingprozess verarbeitet ist.  Schoeller Textil AG
Die grüne Farbe der Jacke zeigt, dass Material aus dem Recyclingprozess verarbeitet ist. Schoeller Textil AG
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Die grüne Farbe der Jacke zeigt, dass Material aus dem Recyclingprozess verarbeitet ist.  Schoeller Textil AG
Die grüne Farbe der Jacke zeigt, dass Material aus dem Recyclingprozess verarbeitet ist. Schoeller Textil AG

Herstellen, tragen, waschen, verbrennen: Dieser typische Lebenslauf von
Kleidungsstücken, der die Umwelt belastet, soll in Zukunft verändert
werden – hin zu kreislauf-wirtschaftlichen Prinzipien mit Recycling. An
einer Outdoor-Jacke aus PET-Flaschen und Recyclingmaterial haben Empa-
Forschende untersucht, ob das Produkt tatsächlich hält, was die Idee
verspricht.

Auf den ersten Blick eine normale Regenjacke. Drei Schichten Polyester,
innen ein Futter, darüber eine wasserdampf-durchlässige Membran und aussen
wasserabweisendes Gewebe, mit einer Kapuze. Doch der Reissverschluss lässt
stutzen. Statt in Kragenhöhe zu enden, zieht er sich hoch bis über die
Stirn … – wer würde ihn soweit zuziehen?

Die Erklärung liefert Annette Mark vom Textilhersteller BTK Europe, die an
diesem Produkt mitgewirkt hat. Der Reissverschluss soll optisch auffallen
– und dient vor allem dem Recycling: Festgenäht mit einem Garn, das sich
in kochendem Wasser auflöst, lässt er sich leichter entfernen als zwei
Verschlüsse. «Einmal ziehen, fertig», sagt die Expertin für Textilien und
Recycling. Auch die hellgrüne Farbe entsteht durch Recycling: das
Rohmaterial, ein Granulat aus einem Gemisch unterschiedlicher, aber
sortenreiner Textilien, ist dunkelgrün – und das Aufschmelzen und
Ausspinnen des Materials für neue Garne hellt es auf.

Kreislaufwirtschaft in der Textilindustrie

Magnetknöpfe, Nähte, Säume: Jedes Detail der Jacke folgt dem
«Design2Recycle»-Ansatz, wie es auf der Webseite von «Wear2wear» heisst.
Zu diesem Konsortium haben sich sechs Firmen aus Europas Textilbranche
vereint, um die Kreislaufwirtschaft zu fördern. Schliesslich enden mehr
als 70 Prozent aller weltweit produzierten Textilien auf einer Deponie
oder in der Müllverbrennung, ohne rezykliert zu werden.

Was kann Kreislaufwirtschaft in dieser Branche ausrichten? Ein Team der
Empa-Abteilung «Technologie und Gesellschaft» hat die Jacke und ihre
Umweltwirkungen genauer angeschaut – mit Hilfe einer Lebenszyklus-Analyse
über eine Gebrauchsdauer von vier Jahren; dreimaliges Waschen
eingerechnet. Die Kandidaten: eine ohne kreislaufwirtschaftliche Methoden
produzierte Variante, die «Startversion» der seit 2019 erhältlichen Jacke
in blauer Farbe – mit einer Aussenschicht aus Polyester, das aus dem
Material gebrauchter PET-Flaschen stammt – und die grüne Version aus dem
nachfolgenden Recycling-Prozess, in der unvermeidliche Materialverluste
durch neues Polyester ersetzt sind.

Die Analysen der Empa-Forschenden zeigen, dass die Recyclingprodukte
besser abschneiden – in elf untersuchten Umweltrisiko-Kategorien, darunter
Erderwärmung, Toxizität für Ökosysteme und Wasserknappheit. Auffällig
grosse Vorteile zeigen sich etwa bei der Luftverschmutzung, weil ohne
Verbrennung weniger Schadstoffe freigesetzt werden. Und bei der
Wasserknappheit, vor allem bei der grünen Jacke nach der ersten
Recycling-«Schleife», für die keine PET-Flaschen mehr verwendet werden.

Weitere Einsichten aus den Analysen: Beim Treibhauseffekt liegt der
maximale Umweltnutzen bei gut 30 Prozent. Und die Verwendung von PET-
Flaschen bringt für die Bilanz keine grossen Vorteile. Entscheidend ist
dagegen die Zahl der Rezyklierdurchgänge zu immer neuen Jacken: Die Bilanz
verbessert sich von Jacke zu Jacke – vorausgesetzt, die Qualität des
Polyesters bleibt hoch genug.

In der Praxis ist das anspruchsvoll, wie Mark erklärt: Je nach Herkunft
unterscheidet sich das Rohmaterial teils deutlich. Wurden die Fasern mit
bestimmten Hilfsstoffen beschichtet, können die Düsen der Spinnmaschinen
verstopfen. Und allgemein sinkt die Qualität mit der Anzahl der
Rezyklierungen: unregelmässigere Strukturen des Garns und geringere
Festigkeit.

Annette Marks Fazit zu den Empa-Analysen: «sehr realistisch» und nützlich
für Verbesserungen. «Die Zusammenarbeit war sehr angenehm», sagt sie,
«volle Transparenz und keine Kompromisse.» Auch die Forschenden fanden die
Kooperation fruchtbar. «Eine offene Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und
Wissenschaft ist enorm wichtig», sagt das ehemalige Teammitglied Gregor
Braun, der die Empa mittlerweile verlassen hat und nun als Berater für
Nachhaltigkeit arbeitet. «Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft können
gut miteinander harmonieren.»

Ob die Jacke ein Markterfolg wird? «Die Textilbranche ist im Umbruch. Es
findet ein Umdenken statt, das wir nicht verpassen sollten», sagt Annette
Mark. Doch Grosskonzerne, die bereits ähnliche Produkte entwickeln, «haben
ganz andere Möglichkeiten». Immerhin sind Gespräche mit einem Hersteller
von Sportbekleidung im Gange – für eine Fleece-Jacke, bei der auch die
Erkenntnisse der Empa helfen könnten.