Das Forum Transregionale Studien begrüßt 61 Fellows aus 25 Ländern
m akademischen Jahr 2021/22 begrüßt das Forum Transregionale Studien 61
Postdoc-Wissenschaftler:innen aus über 25 Ländern, die in Berlin und an
verschiedenen Orten in Europa for-schen. Als Fellows erhalten sie die
Möglichkeit, an ihren eigenen Projekten zu arbeiten und sich im Rahmen der
Forschungsprogramme des Forums und mit Kolleg:innen in Deutschland und
andernorts auszutauschen und zu vernetzen. Sie beschäftigen sich mit
Fragen von Rechtsstaatlichkeit und Demokra-tie, autoritären Regimen und
Bewegungen, den gesellschaftlichen und kulturellen Folgen von Struktur-
und Technologiewandel sowie mit Narrativen und Strategien politischer
Emanzipation in Zeiten des Umbruchs.
»re:constitution – Exchange and Analysis on Democracy and the Rule of Law
in Europe« ist ein dezen-trales, europaweites Programm. Es ermöglicht den
Fellows, sich an Einrichtungen rechtswissenschaftli-cher Forschung oder
Praxis in verschiedenen Ländern der Europäischen Union mit Fragen ihrer
Verfassung(en) und mit unterschiedlichen Deutungen von Demokratie und
Rechtstaatlichkeit auseinanderzusetzen: Colleen Boland, eine Soziologin
und Anthropologin von der Universität Barcelona, untersucht in Leiden die
Kriminalisierung von Immigration und die damit einhergehende Aushöhlung
der Rechte von Migrantinnen und Asylbewerber:innen. Kevin Fredy
Hinterberger, Experte für Asyl- und Migrationsrecht in der
österreichischen Bundesarbeitskammer, analysiert am European University
Institute in Florenz die Wirksamkeit von parlamentarischen
Untersuchungsausschüssen bei der Bekämpfung wachsender politischer
Korruption. Die Europarechtlerin der Universität Zürich Christina Neier
befasst sich in Heidelberg mit der Solidarität zwischen den einzelnen
Mitgliedstaaten der Europäischen Union und mit damit verbundenen
Vorstellungen von Föderalismus und Demokratie. In Budapest vergleicht die
Verfassungs- und Europarechtlerin von der Polnischen Akademie der
Wissenschaften, Anna Wójcik, Angriffe auf Medienpluralismus und -freiheit
innerhalb der Europäischen Union.
Die re:constitution-Fellows des Jahrgangs 2021/22 kommen vom 26.-29.
Oktober in Berlin zu ihrem ersten Fellow-Exchange-Meeting zusammen, um
sich über Fragen von »Interlinked Values – Interlinked Problems and
Solutions? Protecting Fundamental Rights in the Shadow of Rule of Law
Backsliding« auszutauschen, das zweite Treffen findet im Frühjahr in
Budapest statt.
»Europa im Nahen Osten – Der Nahe Osten in Europa« (EUME) adressiert
Verflechtungen und Grenz-ziehungen in und zwischen Europa und dem Nahen
Osten und bietet Wissenschaftler:innen aus den Ländern des Nahen Ostens
einen Freiraum zur Diskussion grundlegender Fragen von Politik,
Gesellschaft und Kultur in Zeiten des Umbruchs. Die Historikerin Chloé
Kattar untersucht globale konservative Netzwerke und rechten
Internationalismus der 1970er- und 1980er-Jahre jenseits der
Unterscheidung zwischen Nord und Süd am Beispiel des libanesischen
Diplomaten und Philosophen Charles Malik. Das aktuelle Projekt der
Fotografin Nafiseh Fathollahzadeh »Goddess and Weapons«, ein
Foto-/Filmessay, der die Reise der ausgegrabenen Objekte von Tell Halaf
zwischen Nordsyrien und Berlin innerhalb eines Jahrhunderts verfolgt,
hinterfragt die imperiale Grammatik fotografischer Archive. Am Beispiel
der Aufstände 2019 im Libanon befasst sich der Politologe Jeffrey G. Karam
mit Möglichkeiten und Grenzen radikalen politischen Wandels. Die
Historikerin Eman Elnemr untersucht Zuschreibungen weiblicher Zügello-
sigkeit (khala’a) im Modernisierungsdiskurs männlicher Eliten Ägyptens
seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis heute. Die Politikwissenschaftlerin
Ezgi Saritas arbeitet an einer verflochtenen Geschichte der sexuellen
Moderne im späten Osmanischen Reich.
Magdalena Semczyszyn, Fellowin des Forschungsprogramms »Prisma Ukraïna –
Research Network Eastern Europe«, beschäftigt sich mit »illegaler«
jüdischer Migration ausgehend von Mittel- und Osteuropa in der
Nachkriegszeit.
In engem Bezug zum Prisma-Netzwerk steht das vom BMBF geförderte
Forschungskolleg »Europäische Zeiten/European Times – A Transregional
Approach to the Societies of Central and Eastern Europe (EU-TIM)«, das
gemeinsam von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder, der
Universität Potsdam und dem Forum getragen wird. Seit April 2021 nimmt
EUTIM Narrative von Zeit und Raum an den Rändern Europas in den Blick. Im
akademischen Jahr 2021/22 ist das Schwerpunktthema »Vergleichende
Wissenschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert«.
Das Merian Centre for Advanced Studies in the Maghreb (MECAM), von einem
Konsortium von vier deutschen und drei tunesischen Einrichtungen getragen
und ebenfalls vom BMBF gefördert, widmet sich am Standort Tunis dem
Leitthema »Imagining Futures – Dealing with Disparity«. Im September und
Oktober 2021 nahmen MECAMs zweite und dritte Internationale Fellow-Gruppen
ihre Arbeit zu Fragen von »Inequality and Mobility« und »Memory and
Justice« auf.
Für das akademische Jahr 2021/22 wurden acht weitere Wissenschaftler:innen
aus Ländern mit einge-schränkten bürgerlichen und wissenschaftlichen
Freiheiten im Rahmen der »Akademie im Exil« an die Standorte Berlin und
Essen berufen. Drei der acht Fellows werden für jeweils 24 Monate ihren
Forschungsaufenthalt am Forum Transregionale Studien durchführen. Dank
einer Sonderförderung der VolkswagenStiftung für geflüchtete Forschende
aus Afghanistan kann die Akademie im Exil bis zu zehn Fellowships mit
einer Laufzeit von zwei Jahren ausschreiben.
Die Fellows des Forums sind – je nach fachlicher Spezialisierung – an
Universitäten und Forschungsein-richtungen in Berlin und anderen
europäischen Städten assoziiert. Sie präsentieren und diskutieren ihre
Arbeiten regelmäßig in Seminaren, Konferenzen und Workshops. Über die
Wissenschaftskommunikation des Forums stehen ihnen Formate, Ressourcen und
Infrastrukturen der Vernetzung, Zusammenarbeit und Publikation zur
Verfügung. Auf dem »TRAFO – Blog for Transregional Research«
(trafo.hypotheses.org), werden die Debatten, Ideen und
Forschungsergebnisse einer größeren Öffentlich-keit zugänglich gemacht.
Termine und weitere Informationen entnehmen Sie bitte unserer Homepage www
.forum-transregionale-studien.
2021/2022«.
