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each LOVE

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Psychologische Praxisforschung aus Flensburg entwickelt zeitgemäße
Sexualkunde

Sind Sexualpraktiken aus Pornos beim ersten Mal angebracht? Wie verändern
Pornos die Beziehung zum eigenen Körper? Wie fühlen sich Mädchen, wenn sie
ihre Periode haben? Wie spricht man eine Transperson korrekt an? Diese Art
von Fragen bewegen Heranwachsende, und zwar immer früher. Aber während
sich das Sprechen über und das Ausleben von Sexualität kontinuierlich im
Rahmen des gesellschaftlichen Wandels verändert, ist der
Sexualkundeunterricht an Schulen im Wesentlichen der Alte geblieben. Der
Fokus liegt meist auf Themen wie Hygiene, Verhütung und körperliche
Funktionen, Emotionen und gesellschaftliche Entwicklungen kommen nicht
vor, die Materialien wirken oft antiquiert.

Viele Lehrkräfte fühlen sich mit der Aufgabe einer adäquaten und
zeitgemäßen Aufklärung entsprechend allein gelassen unzureichend
vorbereitet und darüber hinaus in einer politisch-diskursiv
risikobehafteten Position, bei der sie das Gefühl haben, „es“ nur falsch
machen zu können. Gleichzeitig haben Lehrkräfte den ausdrücklichen Wunsch,
einen positiven Einfluss auf die Heranwachsende auszuüben und
unterstützend zu wirken. Unklar bleibt bislang allerdings die Frage:
“Wie?”

Das Wissenstransferprojekt Teach LOVE entwickelt Antworten auf diese
Frage. Es adressiert zum einen den konkreten Weiterbildungsbedarfen von
Lehrkräften und Lehramtsstudierenden für einen zeitgemäßen
Sexualkundeunterricht, der auch aktuelle Diskurse über Sexualität,
sexuelle und fluide Identität, Medien- & Pornokonsum, digitale
Datingpraktiken und sich wandelnde Beziehungs- und Familienkonstellationen
aufgreift. Zum anderen möchte das Projekt ausdrücklich mittels eines
aufgeklärten Schulklimas einen Beitrag zu Prävention von sexualisierter
Gewalt leisten.

Unter der Leitung von Johanna Degen & Andrea Kleeberg-Niepage von der
Abteilung Psychologie der Europa-Universität Flensburg werden zusammen mit
Lehramtsstudierenden die Perspektiven von Heranwachsenden, Lehrkräften,
Lehramtsstudierenden und Eltern auf Erfahrungen mit Sexualkunde und
Bedarfe analysiert. Entlang dieser konkreten Bedarfe hat ein Team aus
WissenschaftlerInnen sowie systemischen und Paar-TherapeutInnen
bedarfsorientierte Weiterbildungen zum Thema Sexualkunde erarbeitet, die
in Kooperation mit der Weiterbildungseinrichtung EULE ab Herbst 2021 als
Pilotkurs erstmals angeboten werden.

Unter dem Motto: "Weiterbildung mit Herz und Expertise" entsteht hier eine
psychologisch fundierte, evidenzbasierte und umfassende Weiterbildung zur
Sexualkunde und Aufklärung.

Die modernen Online-Kurse bieten videobasierte Inputs der Lehrenden,
aktuelle Studien und Beispiele sowie Möglichkeiten für Selbstreflexion und
Selbsterfahrung. Das Ziel ist, Lehrkräfte mit den Fähigkeiten und dem
Selbstbewusstsein auszustatten, dass sie benötigen, um Jugendliche
psychisch und physisch gesund durch die der Entdeckung ihrer Sexualität zu
navigieren.

Ab 18.10 2021 werden in Zusammenarbeit mit der EULE an der Europa
Universität mit Lehrkräften aus der Schulpraxis und Lehramtsstudierenden
im Master die ersten Kurse durchgeführt und evaluiert. 2022 sollen die
Kurse dann deutschlandweit geöffnet werden.