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Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2021 "Anthropozän – Zeitalter? Zeitenwende? Zukunft?" ist eröffnet

Blick in die Ausstellung
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Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung "Anthropozän- Zeitalter? Zeitenwende? Zukunft?" im Naturkundemuseum Stuttgart SMNS, Jan Potente

Die Große Landesausstellung Baden-Württemberg 2021 „Anthropozän –
Zeitalter? Zeitenwende? Zukunft?“ im Naturkundemuseum Stuttgart wurde
gestern von Ministerpräsident Winfried Kretschmann eröffnet und ist vom
13.10.2021 bis zum 19.06.2022 für die Besucherinnen und Besucher im
Schloss Rosenstein zu sehen.

Keine andere Spezies prägt den Planeten Erde so wie der Mensch. Wir haben
alle Bereiche zwischen Erdkruste und Atmosphäre weitreichend verändert –
und sind damit selbst zur Naturgewalt geworden. Unser immenser Einfluss
auf Flora und Fauna, auf Erde, Wasser und Luft ist so stark geworden, dass
sich existenzielle Fragen stellen: Die nach der Belastbarkeit der Erde
und, damit unmittelbar verknüpft, der Zukunft der Menschheit. Vor diesem
Hintergrund hat eine internationale Kommission von WissenschaftlerInnen
den Beginn eines neuen Erdzeitalters, des Anthropozäns, ausgerufen. Die
Große Landesausstellung 2021 im Naturkundemuseum Stuttgart widmet sich
diesem – im wahrsten Sinne des Wortes – epochalen Thema. Die interaktiv
und lebensnah gestaltete Ausstellung beschäftigt sich mit den großen
Fragen unserer Zeit: Wie kam es dazu, dass der Mensch zum weltenprägenden
Wesen wurde? Wie haben wir den Planeten Erde bisher verändert? Und welche
zukünftigen Perspektiven gibt es für uns? Endgültige Antworten darauf hat
(noch) niemand, aber die Ausstellung bietet Orientierung.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Bei der Anthropozän-Diagnose
steht der Mensch als bestimmende Kraft einer neuen geologischen Epoche im
Mittelpunkt. Aber nicht im Triumph. Wir feiern keinen ,Sieg über die
Natur‘. Wir erkennen viel mehr, wie tief wir in das Wirkungsgefüge des
Planeten und in die Grundlagen unseres Lebens eingegriffen haben. Die
Große Landesausstellung zeigt uns eindrücklich, dass Politik und
Bürgergesellschaft neue Wege finden müssen, um mit dem postfossilen
Zeitalter umzugehen. Dies ist ein globales Projekt, für das sich die ganze
Menschheit zusammenschließen muss – mit einer neuen Kreativität auch in
der Zusammenarbeit der Völker und weg von herkömmlichen Konflikten und
Feindbildern.“

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kunst Baden-Württemberg: „Welchen Einfluss hat der Mensch
auf die Entwicklung unseres Planeten? Die neue Ausstellung des
Naturkundemuseums Stuttgart widmet sich diesem hochaktuellen und
drängenden Thema, das uns nicht erst in diesem Jahr durch Flutkatastrophen
einerseits und Dürren andererseits unmittelbar vor Augen geführt worden
ist. Erstmals wird eine derart ganzheitliche, naturwissenschaftliche
Aufbereitung über das Zeitalter des Menschen – von seinen Ursprüngen bis
zu den Zukunftsperspektiven – in einem musealen Kontext präsentiert. Dabei
gelingt es dem Museum, in einem gekonnten Dreiklang von Forschung,
Sammlung und Wissenstransfer aktuellste Erkenntnisse zusammenzuführen und
sie einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Denn mit ihrem
interaktiven Ansatz nimmt die Ausstellung alle mit und lädt zum Mitmachen
und Mitdenken ein – Groß und Klein, Fachkundige und Laien. Besser könnte
das Haus seinem Auftrag als Forschungs- und als Bildungsort nicht
nachkommen.“

Die Ausstellung wird finanziert vom Land Baden-Württemberg und gefördert
durch die Sparkassen-Finanzgruppe Baden-Württemberg und die Baden-
Württemberg Stiftung.

Anthropozän - der Begriff ist erst so alt wie dieses Jahrtausend. Mit der
Autorität des Nobelpreisträgers brachte ihn der Atmosphärenchemiker Paul
J. Crutzen im Jahr 2000 in die Diskussion. Die Ausrufung eines neuen
Erdzeitalters – das Zeitalter des Menschen – begründete er mit dem
gewaltigen Einfluss der Menschheit auf „ihren“ Planeten. Dieser Einfluss
verändere das Klima, Stoffkreisläufe und Ökosysteme so grundlegend, dass
er noch in Tausenden, wenn nicht Millionen von Jahren spürbar sein werde.

„Die Herausforderungen, die das Anthropozän mit sich bringt, werden immer
deutlicher: Forschungsergebnisse unserer WissenschaftlerInnen am
Naturkundemuseum und an Forschungseinrichtungen aus aller Welt belegen die
Auswirkungen des Menschen auf das Klima und die biologische Vielfalt. Auch
in unseren Forschungssammlungen, den Archiven des Lebens, sind Rückgang
und Aussterben verschiedenster Arten über die Zeit hinweg dokumentiert.
Mit der Großen Landesausstellung 2021 möchten wir unsere BesucherInnen für
diese Zukunftsthemen sensibilisieren und Perspektiven aufzeigen. Spannende
Exponate, interaktive Stationen und ein Rätselparcours für Familien
beleuchten das Thema von verschieden Seiten", so Prof. Dr. Lars Krogmann,
Interimsdirektor des Naturkundemuseums Stuttgart.

Eine Besonderheit der Ausstellung ist, dass sie den Blick von heute auf
vergangene und zukünftige Epochen weitet. Damit wird der Ist-Zustand in
einen größeren Kontext gestellt, werden Ursachen und Möglichkeiten
ausgelotet. Entsprechend steht am Beginn der Schau folgende Frage: Wie kam
es dazu, dass unsere Spezies die Welt so stark verändert? Wann wurden wir
zum Gestalter der Umwelt? Wenn wir unsere kulturelle Evolution betrachten,
dann springen hier gleich mehrere epochale Umbrüche ins Auge: Der bislang
wohl wichtigste war der Übergang vom nomadischen Jäger- und Sammlertum zu
Ackerbau, Viehzucht und Sesshaftigkeit. Doch auch spätere Entwicklungen,
wie der Beginn der Metallverarbeitung, die Industrialisierung oder das
derzeitige Wirtschaftswachstum haben unsere Umwelt nachhaltig geprägt.

„Für uns war es wichtig, dass wir mit der Ausstellung nicht allein bei der
Frage verbleiben, ob das Anthropozän eine eigenständige geologische Epoche
darstellt. Wir wollten uns vielmehr dem Thema aus naturwissenschaftlicher
Sicht so ganzheitlich wie möglich annähern. Einen Schwerpunkt stellen die
Auswirkungen unseres Handelns auf Umwelt und Lebewesen dar. Wir zeigen
aber auch, wie es dazu kam, dass wir die Welt so stark prägen. Und wir
sprechen an, welche Perspektiven und Lösungsansätze es für aktuelle
Herausforderungen gibt“, sagt Petra Härtl, Dipl.-Prähistorikerin und
Kuratorin der Ausstellung.

„Wo wir stehen“ lautet dann die Überschrift des umfangreichsten
Ausstellungsteiles. Dort zeigen Forschungsergebnisse aus allen
Fachbereichen des Naturkundemuseums Stuttgart, Beiträge von
Forschungseinrichtungen aus aller Welt sowie harte Fakten und plakative
Abbildungen, welche Folgen unser Handeln hat. Von der Überprägung der
Landschaft über Umweltverschmutzung und Klimawandel spannt sich der Bogen
bis hin zu den Folgen für Flora und Fauna. Konkrete Beispiele aus der
Region werden dabei mit globalen Entwicklungen verzahnt, abstrakte
Szenarien mit konkreten Erfahrungen verbunden. Zahlreiche spannende
Exponate aus den Sammlungen des Museums illustrieren dabei die neuesten
Forschungen zu anthropogenen Einflüssen auf die Lebenswelt unseres
Planeten.

Betrachtungen zu unserem Umgang mit Ressourcen und dem globalen
Müllproblem leiten über zur Frage nach unserer Zukunft: Welche Optionen
haben wir, als Einzelne und als Gesellschaft? Vor welchen
Herausforderungen stehen wir, und wie können wir ihnen begegnen? Werden
uns, wie schon mehrmals im Lauf der Geschichte, Erfindergeist und Technik
retten? Die Ausstellung zeigt mögliche Lösungsansätze, Grenzen und
Perspektiven. Ganz am Ende der Ausstellung erwartet dann noch ein
Highlight die BesucherInnen: Fiktive Gesteine und Fossilien geben eine
Ahnung davon, was in ferner Zukunft einmal von typischen Materialien
unserer Zeit bleiben wird.

„Für die Umsetzung der Inhalte der Ausstellung in einen BersucherInnen-
Parcours in den historischen Räumen von Schloss Rosenstein haben wir ein
Baugerüst als nachhaltiges Ausstellungssystem gewählt. Unterschiedliche
Ausstellungselemente ermöglichen eigene Zugänge zu den Themen:
Großgrafiken mit plakativen Fakten geben einen schnellen Überblick,
Reflexionsräume laden zum Weiterdenken ein, Visionskästen mit
künstlerischen Dioramen ermöglichen einen Zugang zu neuesten
Forschungsergebnissen“, so Dipl.-Des. Catherine François, eine der
verantwortlichen Ausstellungsgestalterinnen vom Stuttgarter Büro
raumhochn.

Die Ausstellung wird durch einen spannenden Kinderrätselparcours mit
vielen interaktiven Elementen abgerundet. Das Spiel „Rettet den Frosch!“
für Kinder und Familien führt mit Heft und Stift kreuz und quer durchs
Anthropozän, zu vielfältigen Rätselstationen. Überall heißt es schauen,
hören, checken, kombinieren, Entscheidungen treffen! Die Story: Der Frosch
droht heimatlos zu werden! Immer weniger Wasser im Teich, nie vorher
gesehene Riesenfrösche mit einem gewaltigen Maul und allerhand weitere
Gefahren machen das Leben für ihn richtig ungemütlich. Kann es überhaupt
noch ein Happy End geben? Die SpielerInnen haben es in der Hand!

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Vorträgen,
Führungen und Workshops, das Sie auf der Website des Museums unter: www
.naturkundemuseum-bw.de finden. Am 24./25.03.2022 findet die Tagung
„Anthropozän – Menschgemacht“ im Rahmen der Ausstellung im Museum am
Löwentor statt. Am 10.04.2022 ist ein Aktionstag für Familien im Schloss
Rosenstein geplant.

Laufzeit der Ausstellung: 13.10.2021 - 19.06.2022
Ort: Naturkundemuseum Stuttgart - Schloss Rosenstein