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Harald Kunstmann: Grundwasser - Feuchter Sommer bringt Entspannung, gleicht Defizit aber nicht aus

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Für seine lösungsorientierte Forschung und Modellsysteme, welche die
hydrologischen Vorgänge im Gesamtsystem darstellen, erhielt Harald
Kunstmann den Wasser-Ressourcenpreis 2021 der Rüdiger Kurt Bode-Stiftung.

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Sommer 2021 war durchwachsen: Während es im Juni im Süden Deutschlands
durchschnittlich noch rund zwei Grad wärmer war als im langjährigen
Mittel, war es gerade im Juli und August deutlich nasser und kälter. Die
Durchschnittstemperatur lag um eineinhalb bis zwei Grad unter diesem
Mittelwert und regional gab es bis zu doppelt so viel Niederschlag. Was
das für den Grundwasserspiegel bedeutet, weiß Professor Harald Kunstmann
vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des Karlsruher Instituts
für Technologie (KIT): „In den meisten Gebieten in Baden-Württemberg und
Bayern hat sich der oberflächennahe Grundwasserspiegel durch den
vermehrten Regen stabilisiert. Die tieferen Schichten haben von der
Erholung allerdings wenig mitbekommen; hier ist der Wasserstand vielerorts
immer noch sehr niedrig.“

Der Grundwasserspiegel teilt sich in die oberflächennahen und die tiefen
Stockwerke. Während sich die oberen schnell auffüllen, dauert es deutlich
länger, bis das Wasser auch die tieferen erreicht. „Der feuchte Sommer
bringt zwar lokale Entspannung, kann das grundsätzliche Defizit aber nicht
ausgleichen“, sagt der Hydrologe. Bereits seit 2003 nimmt beispielsweise
in weiten Teilen Bayerns die Grundwasserneubildung ab. „Die
Grundwasserbildung findet hauptsächlich im Winter statt, wenn die
Vegetation ruht. Um die Grundwasservorkommen aufzufüllen, müsste es auch
im Winter wieder mehr regnen und schneien.“

Das Verdichten und Versiegeln der Böden in der Landwirtschaft, im Wald und
in den Städten verschärften das Problem. „Wir müssen dem Wasser erlauben,
wieder besser in den Boden einzusickern“, so Kunstmann.

Um sich künftig regional angepasst auf die verschiedenen Wetterextreme wie
Hitzeperioden oder Starkregen einstellen und passende Strategien
entwickeln zu können, gelte es, sowohl ihre räumliche als auch zeitliche
Verteilung genau in den Blick zu nehmen. „Da sich solche Extreme lokal
völlig unterschiedlich auswirken, bringen uns Mittelwerte nicht weiter,
und wir müssen genauer in die Regionen hineinzoomen“, sagt der
Wissenschaftler.

Kunstmann untersucht deshalb anhand von hochauflösenden Modellsystemen,
wie sich beispielsweise Klimaveränderungen auf den regionalen
Wasserhaushalt der Erde auswirken oder welche langfristigen Entwicklungen
zu erwarten sind. „Wir haben Modellsysteme weiterentwickelt, welche die
hydrologischen Vorgänge im Gesamtsystem darstellen: vom Grundwasser und
oberflächennahen Erdschichten über die Landoberfläche bis in etwa 30
Kilometer Höhe in der Atmosphäre“, erläutert er. So ließen sich nicht nur
die Auswirkungen der steigenden Treibhausgase, sondern auch die
Wechselwirkungen zwischen Veränderungen der Landoberfläche, beispielsweise
durch großflächige Landnutzungsänderungen, und der Atmosphäre, und damit
auch der Niederschläge, verstehen.

Für seine lösungsorientierte Forschung erhielt Harald Kunstmann den
Wasser-Ressourcenpreis 2021 der Rüdiger Kurt Bode-Stiftung.
Weitere Informationen zu den Modellberechnungen finden Sie im
Expertenporträt: https://www.sek.kit.edu/kit-experten_Kunstmann.php

Für weitere Informationen stellt der Presseservice des KIT gerne den
Kontakt zu dem Experten her.
Bitte wenden Sie sich an Sandra Wiebe, Tel.: 0721 608-41172,
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>, oder an das Sekretariat der Abteilung
Gesamtkommunikation, Tel.: 0721 608-41105, E-Mail an <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>.
Im Portal „KIT-Expertinnen und -Experten“ finden Sie weitere
Ansprechpartner zu Highlights der Forschung am KIT und tagesaktuellen
Themen: www.sek.kit.edu/kit-experten.php