Impfung gegen SARS-CoV-2 bei Krebspatientinnen und -patienten mit soliden Tumoren: Neue Daten belegen gute Wirksamkeit!
Patientinnen und Patienten mit soliden Tumoren zeigen insgesamt ein gutes
Ansprechen auf die Impfung gegen SARS-CoV-2. Das zeigen neuen Daten, die
jüngst auf internationalen Krebskongressen vorgestellt wurden. Angesichts
der Tatsache, dass Krebspatientinnen und
-patienten generell ein hohes Risiko haben, schwer an COVID-19 zu
erkranken, ist die Impfung bei ihnen von besonderer Bedeutung. Die DEGRO
appelliert an Betroffene, das Impfangebot wahrzunehmen – „eine
Krebserkrankung ist keine Kontraindikation gegen die Corona-Impfung, wohl
aber ein Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe“.
Viele Krebspatientinnen und -patienten zögern, sich gegen SARS-CoV-2
impfen zu lassen. Gar nicht so sehr aus allgemeinen Bedenken oder weil sie
den Argumenten der Impfskeptiker gegenüber aufgeschlossen sind, sondern
weil sie denken, die Impfung würde bei ihnen ohnehin nicht wirken oder es
könne zu Interaktionen mit der Krebstherapie kommen, insbesondere wenn
eine immunmodulierende Therapie verabreicht wird.
Neue Studien zeigen nun, dass diese Ängste unbegründet sind. „Eine Impfung
gegen SARS-CoV-2 beeinflusst nicht die Krebstherapie, und umgekehrt wissen
wir jetzt, dass die Strahlentherapie, die Chemotherapie und auch die
meisten anderen medikamentösen onkologischen Therapien den Impferfolg
nicht beeinträchtigen“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Stephanie E. Combs,
Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).
Die Expertin verweist auf die Ergebnisse der CAPTURE-Studie [1].
Demzufolge kommt es nach der Impfung wie auch nach der Infektion bei den
meisten Krebspatientinnen und -patienten zur Serokonversion, d. h.,
spezifische Antikörper gegen SARS-CoV-2 sind im Blutserum nachweisbar und
es kommt zu dauerhaften neutralisierenden Antikörperantworten. Die
Schutzwirkung ist aber nicht nur von der Bildung der Antikörper (=
humorale Immunität) abhängig, sondern auch von der zellulären Immunität (=
T-Zell-Antwort). Es zeigte sich eine SARS-CoV-2-spezifische T-Zell-
Reaktion (auch auf gefährliche Virusvarianten wie die Delta-Variante) bei
der Mehrheit der Krebspatientinnen und -patienten. Die Studie zeigte
darüber hinaus, dass Krebsbehandlungen im Allgemeinen keinen Einfluss auf
die Immunantwort auf die SARS-CoV-2-Impfung haben. Lediglich die
Behandlung mit Rituximab schmälerte die humorale Immunität und die
Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren die zelluläre Immunität.
Allerdings treffen diese Ergebnisse nur auf Patientinnen und Patienten mit
soliden Tumoren zu. Bei Menschen mit hämatologischen Malignitäten wie
Leukämien und Lymphomen war die Immunantwort reduziert. Sie hatten in der
Studie eine verringerte oder gar fehlende neutralisierende Aktivität, vor
allem gegen die gefährlichen Virusvarianten. „Doch diese Patientinnen und
Patienten können nun von einer Drittimpfung profitieren, denn in der
Studie wurde beobachtet, dass eine vorhergehende SARS-CoV-2-Infektion die
durch den Impfstoff ausgelösten Immunreaktionen verstärkt hat. Das ist
eine gute Botschaft, denn es zeigt, dass das Immunsystem nicht, wie
befürchtet, gar nicht auf das Vakzin reagiert, sondern nur langsamer, also
mehr Reiz für die gleiche Reaktion benötigt. Die STIKO erlaubt daher seit
dem 24. September, immunkompromittierten Patientinnen und Patienten vier
Wochen nach Zweitgabe eine dritte Impfdosis zu geben – und diese Option
sollten wir nutzen“, erklärt die Münchner Expertin.
Auch die VOICE-Studie [2], die die Impfung gegen SARS-CoV-2 bei
Patientinnen und Patienten, die eine Chemotherapie, Immuntherapie oder
Chemoimmuntherapie für solide Tumoren erhalten hatten, kam zu ermutigenden
Ergebnissen. Eine SARS-CoV-2-bindende Antikörperkonzentration von > 300
BAU/ml, die als Maß des adäquaten Ansprechens definiert wurde, erreichte
die breite Mehrheit der in dieser Studie untersuchten Teilnehmenden. Keine
adäquate Antikörperreaktion hatten nur 6,9 % in der Immuntherapie-Gruppe,
16,2 % in der Chemotherapie-Kohorte und 11,2 % in der Chemoimmuntherapie-
Kohorte – und fast die Hälfte dieser Non-Responder bzw. suboptimalen
Responder entwickelte eine Spike-spezifische T-Zell-Reaktion.
Angesichts dieser Datenlage unterstreicht die DEGRO ihre Empfehlung, dass
Krebspatientinnen und -patienten sich impfen lassen sollten. DEGRO-
Präsidentin Prof. Cordula Petersen, Hamburg, hebt hervor, dass Menschen
mit Krebs oft schwerere COVID-19-Verläufe befürchten müssen, außerdem
könne eine COVID-19-Erkrankung dazu führen, dass die Krebstherapie
verschoben werden müsse, was wiederum die Aussicht auf den Therapieerfolg
der Krebsbehandlung mindere. „Wir möchten allen unseren Patientinnen und
Patienten die Impfung ans Herz legen und gleichzeitig alle, die schon
geimpft sind, weiterhin zur Vorsicht mahnen: Halten Sie Abstand, befolgen
Sie trotzdem die Hygieneregeln, denn in seltenen Fällen kann es – wie auch
bei vollständig gesunden Menschen – zu Impfdurchbrüchen kommen. Menschen
mit Krebs sollten alles daransetzen, das Risiko für eine mögliche SARS-
CoV-2-Infektion auf ein Minimum zu reduzieren!“
[1] Shepherd STC et al. Ann Oncol (2021) 32 (suppl_5); S1129-S1163
[2] Oosting S et al. Ann Oncol (2021) 32 (suppl_5);S1283-S1356
