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BAuA-Arbeitszeitbefragung 2019: Beschäftigte profitieren, wenn ihre Arbeitszeit erfasst wird

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Bei der Mehrheit der Beschäftigten in Deutschland wird die Arbeitszeit
erfasst. Dabei weichen Art und Anteile der Erfassung nach Faktoren wie
Geschlecht, Alter, Wirtschaftszweig oder Tätigkeit voneinander ab.
Beschäftigte, deren Arbeitszeit erfasst wird, berichten deutlich seltener
über zeitliche Entgrenzung. Zudem verfügen sie über eine größere zeitliche
Flexibilität. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Auswertung der BAuA-
Arbeitszeitbefragung, die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und
Arbeitsmedizin (BAuA) als baua: Fokus „Arbeitszeiterfassung und
Flexibilität – Ergebnisse der BAuA-Arbeitszeitbefragung 2019“
veröffentlicht hat.

Die Arbeitszeit ist ein wichtiger Schlüsselfaktor für die körperliche und
psychische Gesundheit der Beschäftigten. Mit seinem Urteil vom Mai 2019
hat der Europäische Gerichtshof die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert,
Arbeitgeber zu verpflichten, ein „objektives, verlässliches und
zugängliches System zur Arbeitszeiterfassung“ einzurichten. Die mit dem
Urteil einhergehende Diskussion bewegt sich im Spannungsfeld zwischen
zeitlicher Flexibilität und Entgrenzung von Arbeitszeit. Der baua: Fokus
„Arbeitszeiterfassung und Flexibilität – Ergebnisse der BAuA-
Arbeitszeitbefragung 2019“ beschreibt erstmals die Verbreitung, die
Varianten und die Auswirkungen einer systematischen Arbeitszeiterfassung
für Deutschland. Dazu wurden die Daten von rund 8.400 abhängig
Beschäftigten im Alter von 18 bis 65 Jahren ausgewertet.

Die Analyse zeigt, dass bei der Mehrheit der Beschäftigten die
Arbeitszeiten bereits betrieblich oder durch eine Selbstaufzeichnung
erfasst werden; bei der Arbeit im Homeoffice oder in der Telearbeit jedoch
deutlich seltener (80 Prozent im Betrieb, 66 Prozent bei der Arbeit von
zuhause). Beschäftigte, deren Arbeitszeit nicht erfasst wird, berichten
häufiger über zeitliche Entgrenzung, die sich beispielsweise in überlangen
Arbeitszeiten, Pausenausfall oder fehlenden Ruhezeiten zeigen kann.
Zeitliche Entgrenzung wirkt sich jedoch negativ auf Wohlbefinden und
Gesundheit aus.

Insbesondere Beschäftigte, die von zuhause aus arbeiten, arbeiten häufig
länger, wenn ihre Arbeitszeit nicht erfasst wird. Gerade in diesen Fällen
bekommt die Arbeitszeiterfassung eine besondere Bedeutung, um eine
mögliche zeitliche Entgrenzung sowohl für Beschäftigte, als auch für
Betriebe sichtbar zu machen.

Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass die Erfassung der Arbeitszeit ein
wesentliches Element gesundheitsförderlicher Arbeitszeitgestaltung
darstellt und Beschäftigte in verschiedener Weise davon profitieren. Sie
haben eine geringere zeitliche Entgrenzung und einen größeren zeitlichen
Handlungsspielraum. Auch die Grenzziehung zwischen Privatleben und Beruf,
das heißt zwischen Arbeits- und Ruhezeit, gelingt besser. Zudem wird
Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit beziehungsweise zu atypischen
Zeiten, wie am Wochenende oder außerhalb der Geschäftszeiten, transparent
und somit auch für einen betrieblichen Diskurs zugänglich.

Letztlich bietet die systematische Erfassung der Arbeitszeit auch für
Betriebe Vorteile: Wenn Beschäftigte variabel an unterschiedlichen Orten
ihre Arbeit aufnehmen, unterbrechen und beenden, trägt eine
Arbeitszeiterfassung dazu dabei, den Überblick über die geleistete,
hochvariable und fragmentierte Arbeitszeit nicht zu verlieren. Die
gemessene Arbeitszeit ist deshalb auch ein wichtiges Rückmeldeinstrument
und eine hilfreiche Kennzahl für die erbrachte Leistung. Darüber hinaus
gibt die Aufzeichnung der Arbeitszeit Hinweise zur Arbeitsintensität und
stellt somit einen wichtigen Indikator im Rahmen der betrieblichen
Gefährdungsbeurteilung dar.

Den baua: Fokus „Arbeitszeiterfassung und Flexibilität – Ergebnisse der
BAuA-Arbeitszeitbefragung 2019“ gibt es im PDF-Format auf der Homepage der
BAuA unter <www.baua.de/dok/8864868>.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des
BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den
Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit.
Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und
bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden
sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 750 Beschäftigte.
<www.baua.de>