Covid-19: Hohe Gesundheitsausgaben durch Ungeimpfte zu befürchten
Deutschlands niedrige Corona-Impfquote könnte für das Gesundheitssystem
teuer werden. Im Winter drohen dadurch Ausgaben für die stationäre
Behandlung von rund 180 Millionen Euro pro Woche, wie aus Berechnungen von
Forscherinnen und Forschern des IfW Kiel hervorgeht. Die hohen Ausgaben
wären vermeidbar, wenn die Impfquote höher läge.
Seit August liegt der Anteil ungeimpfter Personen in stationären Corona-
Behandlungen bei durchschnittlich fast 85 Prozent. Bei laut AOK
durchschnittlichen Behandlungsausgaben von 10.200 Euro ergeben sich so für
die Monate August und September 2021 Ausgaben von mehr als 160 Millionen
Euro für die stationäre Behandlung von an Corona erkrankten, aber
ungeimpften Erwachsenen. Bezieht man die zu erwartenden Nachmeldungen
durch das Robert-Koch-Institut (RKI) mit ein, steigt die Summe auf rund
180 Millionen Euro.
Dies zeigen aktuelle Berechnungen des Instituts für Weltwirtschaft aus dem
Forschungsfeld Globale Gesundheitsökonomie (Lena Merkel, Michael Stolpe,
Natalie Baier: „Eine Pandemie der Ungeimpften kann für Deutschland teuer
werden“/https://www.ifw-kiel.d
pandemie-der-ungeimpften-kann-
Erwachsenen bis Ende Juli ein Impfangebot gemacht wurde, ist davon
auszugehen, dass ein überwiegender Teil der Ausgaben für die stationären
Behandlungen vermeidbar gewesen wäre“, sagt Autorin Lena Merkel.
Mehr Infektionen im Winter vervielfachen Ausgaben für stationäre
Behandlungen
Im Winter drohen sich die Ausgaben für Ungeimpfte zu vervielfachen und auf
180 Millionen Euro pro Woche zu steigen. Denn sollte die Impfquote auf
ihrem aktuellen Stand verharren und sich die Prognose des RKI von einer 7
-Tage-Inzidenz von 400 pro 100.000 Einwohnern bewahrheiten, dürften auch
die Krankenhauseinweisungen drastisch zunehmen.
„Wir stehen vor dem ersten Winter, in dem das Infektionsgeschehen von der
viel ansteckenderen Delta-Variante getrieben wird. Sollte sich die
Impfquote in Deutschland nicht rasch noch weiter steigern lassen, muss mit
einer starken Belastung deutscher Krankenhäuser durch Covid-19 gerechnet
werden“, so Merkel.
Auch rechnen die Autoren mit einer Steigerung der durchschnittlichen
Behandlungskosten, da die Intensivbetten zunehmend mit Jüngeren belegt
werden. Deren Überlebenschancen stehen besser als die von älteren
Patienten, was die Behandlungszeit verlängert. Daher dürften künftig öfter
als bislang Behandlungsausgaben in der Spitzenkategorie von mehr als
77.700 Euro erreicht werden, derzeit ist dies laut AOK nur bei 10 Prozent
der Intensivbehandlungen der Fall.
„Bei weiteren Lockerungen der Präventionsmaßnahmen für bereits Geimpfte
darf die Pandemie der Ungeimpften nicht außer Acht gelassen werden. Es ist
ein Fehler, das Angebot kostenloser Corona-Schnelltests für Ungeimpfte
auslaufen zu lassen, die in den vergangenen Monaten signifikant zur
Erfassung des Pandemieverlaufs beigetragen haben“, so Merkel.
Die Autoren fordern eine bessere Datenbasis, um den Pandemieverlauf messen
und prognostizieren zu können, sowie eine Stärkung des öffentlichen
Gesundheitsdienstes, der relevant Daten erhebt. Die Hospitalisierungsrate
halten sie wegen der starken zeitlichen Verzögerung zwischen Ausbruch der
Erkrankung, Einweisung ins Krankenhaus und der Meldung der Daten als
alleinigen Leitindikator für unzureichend.
