Digitale Ausstellung mit „Augmented Reality“-Elementen zum FH- Jubiläumsjahr
Mit dem eigenen Smartphone tauchen die Besucherinnen und Besucher über
Website oder Jubiläumsfestschrift in die von Studierenden und Lehrenden
entwickelte interaktive Ausstellung über Vergangenheit und Zukunft der
Hochschule ein.
Bielefeld (fhb). Bunte Objekte formen sich zum einem 3D-Krankenhauszimmer,
das plötzlich auf dem Handybildschirm im eigenen Wohnzimmer erscheint.
Hinter abstrakten Schwarz-weiß-Illustrationen mit QR-Code-Funktion
verbirgt sich die Welt der „Spekulativen Infografik“. Die digitale
Ausstellung zum 50-jährigen Bestehen der Fachhochschule (FH) Bielefeld
nimmt die Besucherinnen und Besucher mit auf eine Reise durch
Vergangenheit und Zukunft der Hochschule. Die virtuelle Ausstellung auf
www.50years.fh-bielefeld.de ist dabei gleichzeitig ein Trip durch die
Gesellschaft, in der die Hochschule existiert.
Interaktive „Augmented Reality“-Elemente
Das Besondere dabei sind die „Augmented Reality“-Elemente (AR), also eine
erweiterte Realität: Mithilfe einer eigens programmierte App („50years
AR“, kostenlos bei Google Play und im Applestore) erscheinen interaktive
Objekte auf dem Handydisplay im realen Raum und illustrieren die
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der FH Bielefeld. Die
Visualisierungen greifen einzelne Themen aus dem Lehr- und
Forschungsspektrum der FH Bielefeld auf und zeigen, wie diese sich
entwickelt haben und weiter entwickeln könnten. Erarbeitet wurde die
digitale Ausstellung von Studierenden des Fachbereichs Gestaltung,
federführend: die Studienrichtung „Digital Media and Experiment“, unter
der Leitung von Prof. Claudia Rohrmoser und Prof. Florian Kühnle.
50 Jahre Vergangenheit und 50 Jahre Zukunft
Die Ausstellungswebsite www.50years.fh-bielefeld.de präsentiert
Vergangenheit und Zukunft: Auf der linken Seite die wichtigsten
Meilensteine der Hochschule seit ihrer Gründung 1971, auf der rechten
Seite wagen die interaktiven Informationsgrafiken einen spekulativen
Ausblick in die Zukunft.
Von Geschlechteridentitäten, Mietenspiegel und Digitalisierungskritik
Die Grafiken bilden dabei in breites Spektrum an Themen ab: Eine
Visualisierung zeigt, wie sich die Geschlechterverteilung unter den
Studierenden der FH Bielefeld seit 1971 entwickelt hat. Erst 2018
veränderte sich das Bild mit der Einführung der dritten Option ‚divers‘.
In der Zukunft sieht man, wie immer mehr Optionen berücksichtigt werden
und letztlich zu einem Spektrum verschmelzen. Ein weiteres Objekt stellt
die Entwicklungen von BAföG-Satz, Einstiegsgehältern und dem Bielefelder
Mietenspiegel einander gegenüber. Zugang zu Wohnraum wird zum Messwerkzeug
für soziale Gerechtigkeit. Das Versprechen, dass der Zugang zu einem
Studium bessere Lebensverhältnisse ermöglicht, wird hinterfragt. Wieder
andere Grafiken zeichnen alarmierende Zukunftsszenarien des
Wirtschaftswachstumsmodells oder werfen einen verschmitzten Blick darauf,
wie unsere Kalender sich dank der weitreichenden Digitalisierung in eine
„Monokultur aus Zoom-Terminen“ verwandeln.
Digitale Ausstellung ergänzt analoge Festschrift
Die Ausstellung bildet das digitale Pendant zur Jubiläumsfestschrift der
FH Bielefeld: Auf 752 Seiten wirft die Festschrift einen Blick auf
Geschichte(n) der Zukunft und reflektiert die vielfältige Entwicklung der
Fachhochschule. Das Buchcover und ausgewählte Seiten sind mit „AR-Markern“
versehen, die mit der App eingescannt werden können.
Konzipiert wurde das Buch von Prof. Dr. Andreas Beaugrand, Professor für
Theorie der Gestaltung. Fotografien und Layout übernahmen Studierende und
Alumni des Fachbereichs Gestaltung. „Das Buch berichtet aus vielfältigen
Perspektiven von den Studierenden, Lehrenden, Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern, Absolventinnen und Absolventen bis zu Vertreterinnen und
Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik“, so
Beaugrand. Die Festschrift ist als Open-Source Download unter folgenden
Link als PDF-Datei abrufbar: https://www.transcript-
verlag.de/978-3-8376-5750-0/50
bielefeld-1971-2021/?number=97
Ausstellung im heimischen Wohnzimmer
Die AR-Marker im Buch erwachen durch das Einscannen mit der App zum Leben:
Die AR-App bietet beispielsweise ein Mini-PacMan-Murmelspiel,
Videoskultpuren, eine virtuelle Schneekugel und kurze 3D-animierte Filme,
die wie in einem Pop-Up-Buch aus den Buchseiten hervorspringen. Mitunter
muss man seinen Platz verlassen, um die gesamte Dimension eines Objektes
zu erfassen. Prof. Claudia Rohrmoser: „Das Besondere an diesen virtuellen
Buchillustrationen ist die Räumlichkeit und Veränderbarkeit. So animiert
das Buch dazu, diese raumgreifenden virtuellen Besucher in den eigenen
vier Wänden mit Körpereinsatz zu erforschen.“ Die AR-Marker stehen auf der
Website zum Download zur Verfügung.
Entstanden sind die AR-Arbeiten in einem Seminar der Studienrichtung
„Digital Media and Experiment“ in Zusammenarbeit mit dem AR-Entwickler
Leonid Barsht. Bachelor- und Masterstudierende verschiedener
Fachrichtungen des Fachbereichs Gestaltung, darunter Illustration,
Grafikdesign und Animation, setzten sich mit den wissenschaftlichen Texten
und dem retrofuturistischen Design der Jubiläumsfestschrift auseinander
und gestalteten mit individuellen ästhetischen Ansätzen dynamische AR-
Objekte als Illustration der Inhalte.
50 Years of Future
Getreu dem Jubiläumsmotto „50 Years of Future“ der FH Bielefeld legen die
interaktiven Grafiken vor allem Augenmerk auf die kommenden Jahre: Wie
lässt sich darstellen, was noch nicht in Fakten oder Zahlen zur Verfügung
steht? Prof. Florian Kühnle: „Was noch in der Zukunft liegt, ist offen,
unklar, unscharf, fiktional. Wir können vorausdenken, vermuten,
abschätzen, simulieren – wir bleiben aber immer im Spekulativen.“
