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Netzausbau intelligent beschleunigen

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Um den Netzausbau für die Energiewende zu beschleunigen, muss sich nicht
geltendes Recht, sondern die Praxis der Stromnetzbetreiber ändern. Damit
diese technologieoffener als heute arbeiten, muss die Politik Anreize
setzen, so dass die bestehenden und die neuen Stromnetze gezielt gesteuert
und dadurch optimaler ausgelastet werden können. Auch eine frühzeitigere
und strukturierte Berücksichtigung von Einwänden der Öffentlichkeit kann
dazu führen, dass spätere Klagen und Verzögerungen vermieden werden. Für
eine bessere Beteiligung sowie für die Optimierungen von Netzauslastung
und -steuerung hat das Öko-Institut heute in einem Policy Brief
Empfehlungen vorgelegt.

„Für den Netzausbau liegt ein verlässlicher Rechtsrahmen vor. Diesen zu
ändern und dann zu prüfen, ob die Änderungen wirken, braucht Zeit – Zeit,
die wir beim Ausbau und Integration der erneuerbaren Energien ins
Stromnetz nicht haben“, erläutert Silvia Schütte, Projektleiterin am Öko-
Institut. „Neubauprojekte als auch das bestehende Netz müssen höchsten
technischen Anforderungen genügen, damit möglichst viel Strom in möglichst
wenig Leitung passt – um es mal herunterzubrechen.“

Stromnetze: Auslastung technologieoffen optimieren
Die Stromübertragungsnetze werden heute im Schnitt nur zu rund 35 Prozent
ausgelastet – so gelangt zu wenig Strom aus erneuerbaren Quellen im Norden
zu den verbrauchsstarken Gegenden im Süden Deutschlands. Heute bereits ein
Problem – vor allem aber in Zukunft, wenn Windparks vor der Küste deutlich
mehr Strom produzieren sollen. Der Grund: Im bestehenden Wechselstromnetz
lässt sich der Strom ohne weitere Netzelemente nicht steuern. Und: Ein
Engpass im System begrenzt den Leistungsfluss auch auf den benachbarten
Leitungen.
Dies ließe sich jedoch durch technische Lösungen, wie sogenannte
Phasenschiebertransformatoren ändern. Das sind große, festinstallierte
Transformatoren, die den Lastfluss gezielt steuern. Die Stromflüsse würden
gelenkt, das Netz könnte höher ausgelastet werden. Ähnlich arbeiten
kleinere, moderne Technologien, sog. statisch-synchrone
Serienkompensatoren. Ihr Vorteil besteht darin, dass sie auch zur
temporären Überbrückung von Netzengpässen eingesetzt werden können, da sie
per Lkw bewegt werden können.
„Auch ein genaues Monitoring der Witterung kann dazu beitragen, das
Stromnetz bei Wind oder in der kühleren Jahreszeit höher auszulasten“,
ergänzt Franziska Flachsbarth, Co-Autorin der Studie und Energieexpertin
am Öko-Institut. „Doch den deutschen Netzbetreibern fehlt der ökonomische
Anreiz, Technologien zur Höherauslastung des Stromnetzes einzusetzen.
Dabei läge hier ein enormes Potenzial, deutlich mehr Strom in bestehenden
Stromleitungen zu transportieren.“

Mitmachen statt informieren: Bürgerbeteiligung beim Netzausbau
Bereits heute gibt es die Möglichkeit, dass Bürgerinnen und Bürger sich
beim Netzausbau beteiligen. Hierfür finden jedoch häufig reine
Informationsveranstaltungen statt, die wenig Raum für echte Beteiligung
bieten. Zudem sind diese häufig zu spät im Prozess eingeplant, wenn
Anregungen nicht mehr aufgegriffen werden können.
Das Öko-Institut schlägt hier konkrete Verbesserungen vor: So sollte mit
den aufwendigen Netzberechnungen erst gestartet werden, nachdem die
Eingangsdaten öffentlich diskutiert und ggf. überarbeitet wurden. Die
Ergebnisse der Netzberechnungen durch die Übertragungsnetzbetreiber
sollten in einer gesonderten Beteiligungsveranstaltung diskutiert werden.
Zudem sollten bei Veranstaltungen Entscheidungsträger und -trägerinnen
aller beteiligten Akteure – insbesondere von Bundesnetzagentur und von den
Übertragungsnetzbetreibern – anwesend sein. So können Sachverhalte direkt
geklärt werden, ohne dass auf abwesende Parteien verwiesen wird, was heute
häufig der Fall ist.
„Bürgerinnen und Bürger haben aktuell oft das Gefühl, dass ihre
Anmerkungen nicht beachtet werden“, beschreibt Flachsbarth aus eigenen
Beobachtungen von Beteiligungsformaten, „dabei kommen sie möglicherweise
nur zur falschen Zeit. Doch die Verantwortung, den Ablauf eines
Netzplanungsprozesses transparent darzustellen und aufzuzeigen, wann wer
wie mitsprechen kann, liegt klar bei dem Gesetzgeber – und dieser muss es
für die Übertragungsnetzbetreiber und die Bundesnetzagentur regeln. Hier
zeigt unser Vorschlag einfache Möglichkeiten der Verbesserung auf.“
Das Gutachten und die Empfehlungen an die Politik wurden im Projekt
„Energiewende möglich machen“ entwickelt und aus Eigenmitteln des
Instituts, das heißt Auftraggeber-unabhängig, finanziert. Das vollständige
Gutachten wird in Kürze veröffentlicht.

Policy Brief „Stromnetze: Netzausbau zügig und nachhaltig realisieren“ des
Öko-Instituts (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Policy-Brief_Oeko-
Institut_Netzausbau.pdf
)

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen
Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der
Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien,
wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal
umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg,
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