FH-Studie: Hidden Champions ticken wie Tesla
Dr. Jan-Philipp Büchler ist Mittelstandsforscher und Experte für die
sogenannten Hidden Champions. Der Professor für Unternehmensführung an der
Fachhochschule Dortmund hat zu diesen mittelständischen Weltmarktführern
über viele Jahre eine umfangreiche Datenbank aufgebaut. Sie bietet
spannende Einblicke in die Erfolgsgeschichten dieser häufig wenig
bekannten Branchengrößen und zum Tesla Model 3.
Mithilfe seiner Hidden-Champions-Datenbank hat er in einer Studie für das
Handelsblatt belegt, dass der Anteil deutscher Spitzentechnologie am Tesla
Model 3 enorm hoch ist: Gut ein Drittel der rund 3.000 Bauteile stammt von
insgesamt 50 deutschen Firmen – darunter 41 Hidden Champions aus dem
Mittelstand. Dass Hidden Champions aus NRW mit 38 Prozent einen großen
Anteil ausmachen, korrespondiert mit den starken Automobilzulieferer-
Clustern im Sauerland und entlang der Rhein-Ruhr-Schiene.
Um aufzuspüren, welche Unternehmen für Tesla produzieren, durchforstete
der Professor am Fachbereich Wirtschaft seine Datenbank zunächst nach
relevanten Branchen (Automobilzulieferer, Maschinen- und Anlagenbau,
Werkzeugbau, Produktionstechnologie etc.), um dann gezielt nach Hinweisen
auf Tesla zu filtern: Kennzahlen zu Strukturmerkmalen, Umsatzzahlen, Zahl
der Mitarbeiter*innen, Profitabilität, Forschungs- und Entwicklungsquote
sowie Innovations-, Patent- und Exportquote dienten als Indikatoren für
besondere Leistungsstärke, die von Tesla-Zulieferern erwartet wird.
Öffentlich zugängliche Quellen wie Geschäftsberichte, Unternehmensseiten,
Industrieverbände und Branchendienste auszuwerten, gehörte ebenfalls zur
Recherche. „Manche Unternehmen werben mit ihrer Geschäftsverbindung zu
Tesla, bei anderen haben wir – nach der Datenauswertung – auch direkt
angefragt und Interviews geführt,“ so Büchler.
Dass Tesla bei den deutschen Hidden Champions fündig geworden ist,
überrascht Professor Büchler nicht. Die geheimen Weltmarktführer ticken
wie Tesla. Sie gelten als innovationsstark und stecken durchschnittlich
sechs Prozent ihrer Einnahmen in Forschung und Entwicklung. Die Tesla-
Zulieferer stechen nochmals heraus: „9 Cent von jedem verdienten Euro
fließen zurück in die Forschung“, sagt Professor Büchler. „Auch die 50
Patente pro 1000 Mitarbeiter bei den Tesla-Zuliefern sprechen eine klare
Sprache.“
Wissenschaft-Praxis-Transfer
Die Innovationskraft der Hidden Champions wird gestärkt durch die
anwendungsorientierte Forschung an den Hochschulen. Die Fachhochschule
Dortmund kooperiert mit einer Reihe der Unternehmen, die nun Tesla
beliefern. Einige Beispiele: Die ifm electronic GmbH in Essen arbeitet mit
der FH Dortmund in Entwicklungsprojekten zum Innovations- und
Technologiemanagement zusammen und ist an einem kooperativen
Promotionsverfahren zu Smart Services beteiligt. Um die Erforschung neuer
Testverfahren geht es bei der Kooperation mit der Lüdenscheider Leopold
Kostal GmbH. Mit der Phoenix Contact GmbH & Co. KG in Blomberg und der
WILO SE aus Dortmund betreibt die Fachhochschule Innovationsforschung im
Kontext des IHK-InnoMonitor.
Jan-Philipp Büchler: „Die Fachhochschule Dortmund ist Teil eines vitalen
Ökosystems für Innovation und Wissenschaft-Praxis-Transfer. Wir sind nicht
nur ein geschätzter Netzwerk- und Entwicklungspartner, sondern profitieren
von der gemeinsamen Innovationsfreude und Entwicklungslust.“
