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Traditionen im Wandel von der Antike bis heute

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Öffentliche Ringvorlesung „Tradition(en)“ eröffnet Themenjahr des
Exzellenzclusters –Themen von altägyptischen Göttern über Tradition und
Innovation in der arabischen Literatur bis zur Weitergabe religiöser
Traditionen in Familien heute – Vorträge aus Philosophie, Theologie,
Rechtswissenschaft und Soziologie, Ägyptologie, Arabistik und Romanistik –
Teilnahme vor Ort oder per Zoom

Zum Auftakt des neuen Themenjahres „Tradition(en)“ am Exzellenzcluster
„Religion und Politik“ beleuchtet eine gleichnamige Ringvorlesung die
Entstehung, Überlieferung und den Wandel von Traditionen in Religionen,
Recht und Literatur. „In sieben Vorträgen entsteht ein Panorama von der
Antike bis in die Gegenwart, das am Beispiel verschiedener Traditionen die
Bedeutung von Überlieferungsprozessen zeigt und das Zusammenwirken
unterschiedlicher Akteure bei Tradierungsprozessen untersucht“, erläutern
die Judaistin Prof. Dr. Regina Grundmann und der katholische Theologe
Prof. Dr. Michael Seewald. Die Reihe beginnt am Dienstag, 2. November, mit
einem Vortrag des Rechtshistorikers Prof. Dr. Nils Jansen, der auch der
Sprecher des Exzellenzclusters ist. Nils Jansen spricht zum Thema „Das
Recht und seine Vernunft. Aus der Geschichte universeller Gerechtigkeit“.
Interessierte können vor Ort mit 3G-Nachweis oder nach Anmeldung per Zoom
teilnehmen.

Die thematische Bandbreite der Vorträge reicht vom altägyptischen Gott
Amun bis zur Weitergabe religiöser Traditionen in Familien heute.
„Traditionen werden in Debatten um Gleichberechtigung, Identität oder
Religion oft als statisch dargestellt, sind bei genauer wissenschaftlicher
Betrachtung aber ständigem Wandel ausgesetzt. Sie wurden und werden, je
nach den Interessen ihrer Trägergruppe, verändert, neu interpretiert,
umgeformt, verschwiegen, verschleiert oder gar erfunden“, erläutern Regina
Grundmann und Michael Seewald. Die Vortragsabende der Ringvorlesung
beleuchten dieses Phänomen aus vielfältigen Perspektiven, etwa mit Blick
auf das Verhältnis von Tradition und Innovation in der arabischen
Literaturwissenschaft, von Tradition und Avantgarde in der französischen
Literatur, von Tradition und Legitimation am Beispiel liturgischer Fragen
oder von Tradition und Erkenntnis in der Philosophie.

Zu Wort kommen Mitglieder des Exzellenzclusters und der Universität
Münster aus der Katholischen Theologie, der Philosophie, der Ägyptologie,
der Arabistik, den Rechtswissenschaften, der Romanischen Philologie und
der Soziologie. „Bei der wissenschaftlichen Beschäftigung mit
Tradition(en) lassen sich mindestens drei Aspekte unterscheiden: erstens
der Vorgang der Weitergabe oder der Akt der Überlieferung (‚Tradition‘),
zweitens die Sachgehalte oder die Praktiken des Überlieferten
(‚Traditionen‘) und drittens die Akteure oder die Trägergruppen der
Überlieferung (‚Tradenten‘ und Rezipienten sowie ihr Verhältnis
untereinander)“, so Regina Grundmann und Michael Seewald. Die
Ringvorlesung „Tradition(en)“ befasst sich mit Fallbeispielen aus
verschiedenen Epochen, die die genannten drei Aspekte in unterschiedlicher
Weise beleuchten.

Zweites Themenjahr „Tradition(en)“

Das zweite Themenjahr des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ trägt
den Titel „Tradition(en)“. Im Jahresprogramm 2021/22, das viele
Veranstaltungen und Medienformate umfasst, erörtern Cluster-Mitglieder mit
Gästen aus Wissenschaft und Kunst die Entstehung und den Wandel von
Traditionen sowie den Prozess der Überlieferung, seiner Konzeptualisierung
in verschiedenen Disziplinen und seiner Bedeutung zum Verständnis von
Religionen. Gefragt wird auch, inwiefern Kritik, Umschrift und
Neuaneignung von Traditionen die Innovation im religiösen Feld befördern.

Das Jahresprogramm geht weiter mit der Gesprächsreihe „Tradition(en):
interdisziplinär und transepochal“, in der im Sommersemester 2022
Forschende der Philosophie, Soziologie, Evangelischen Theologie sowie der
Rechts- und Geschichtswissenschaften miteinander ins Gespräch treten. Die
Ergebnisse eines internationalen Forschungsvorhabens zur Weitergabe
religiöser Traditionen in Familien Europas und Kanadas, gefördert von der
John Templeton Foundation, werden im Kontext des Themenjahres öffentlich
vorgestellt. Erwartet werden Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk
und die Arabistin Prof. Dr. Sarah Stroumsa von der Hebrew University in
Jerusalem als Hans-Blumenberg-Gastprofessorin. (sca/vvm)