GI-Mitglieder unterstützen Initiative für ein internationales Abkommen zu autonomen Waffensystemen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fordern die neue Bundesregierung
in einem offenen Brief dazu auf, eine führende Rolle bei der
Verwirklichung eines internationalen Abkommens zu Autonomie in
Waffensystemen zu übernehmen und sich im Koalitionsvertrag zu diesem Ziel
zu verpflichten.
Führende Forscherinnen und Forscher aus Deutschland – darunter viele
Mitglieder der Gesellschaft für Informatik – fordern die künftige
Bundesregierung in einem offenen Brief dazu auf, bei der Verwirklichung
eines rechtsverbindlichen internationalen Abkommens zur Regulierung
tödlicher autonomer Waffensysteme eine führende Rolle einzunehmen – und
dieses Ziel im Koalitionsvertrag zu verankern.
Prof. Dr. Hannes Federrath, Präsident der Gesellschaft für Informatik:
„Ich unterstütze diese Initiative, weil ich es vor dem Hintergrund der
technologischen Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz für geboten
halte, die Verbreitung autonomer Waffensysteme streng zu regulieren.
Insbesondere Waffen, die sich gezielt gegen Menschen richten oder die
aufgrund ihres Designs und während ihrer Nutzung nicht sicherstellen
können, dass echte menschliche Kontrolle gewahrt bleibt, müssen verboten
werden.“
In ihrem offenen Brief mahnen die Expertinnen und Experten an, dass der
unregulierte Einsatz autonomer Waffen das Völkerrecht, die Menschenrechte
und damit die Würde des Menschen ernsthaft gefährdet.
Prof. Dr. Ingo Timm, Co-Sprecher des Fachbereichs Künstliche Intelligenz
der GI: „Wir freuen uns sehr über das öffentliche Interesse und die
vielfältige Förderung der KI durch die Bundesregierung. Gleichzeitig
richten wir uns gegen Entwicklung und drohenden Einsatz von autonomen
Waffensystemen mit Entscheidungsgewalt zur Tötung von Menschen.
Insbesondere die Übertragung der Entscheidungsgewalt über Leben und Tod an
Maschinen lehnen wir kategorisch ab.“
Bereits in den letzten beiden Koalitionsverträgen wurde deutlich, dass
deutsche Bundesregierungen sich gegen Waffensysteme stellen, die ohne
menschliche Entscheidungs- und Verfügungsgewalt einsetzbar sind. Für die
jetzigen Koalitionsverhandlungen ist es laut dem offenen Brief jedoch
entscheidend, dass diese Position mit Nachdruck bekräftigt und vor allem
in Form eines konkreten Ziels verankert wird: Deutschland muss eine
führende Rolle bei der Entwicklung eines neuen, völkerrechtlich
verbindlichen Vertrages zur Regulierung von Waffensystemen übernehmen.
Die Initiative für diesen offenen Brief geht maßgeblich auf Prof. Dr. Jörg
Siekmann, Universität des Saarlandes und ehemalig Direktor am Deutschen
Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), sowie Prof. Dr. Karl
Hans Bläsius, Hochschule Trier, zurück. Unterstützt wurde die Initiative
vom Future of Life Institute (FLI), das sich auf internationaler Ebene für
ein Verbot tödlicher autonomer Waffen einsetzt.
Insgesamt wurde der offene Brief von 62 in Deutschland tätigen KI-
Forscherinnen und Forscher unterzeichnet, zu denen folgende Mitglieder der
Gesellschaft für Informatik gehören:
- Prof. Dr. Hannes Federrath, Präsident der Gesellschaft für Informatik
(GI) / Universität Hamburg
- Priv.-Doz. Dr. Matthias Klusch, Sprecher Fachbereich Künstliche
Intelligenz der GI / DFKI / Universität des Saarlandes
- Prof. Dr.-Ing. Ingo J. Timm, Sprecher Fachbereich Künstliche Intelligenz
der GI / DFKI / Universität Trier
- Prof. Dr.-Ing. habil. Christoph Benzmüller, Confederation of
Laboratories for Artificial Intelligence Research in Europe (CLAIRE) /
Freie Universität Berlin
- Prof. Dr. Philipp Slusallek, Direktor am Deutschen Forschungszentrum für
Künstliche Intelligenz (DFKI) / CLAIRE / Universität des Saarlandes
- Prof. Dr. Bernhard Schölkopf, Direktor am Max-Planck-Institut für
Intelligente Systeme
- Prof. Dr. Antonio Krüger, Direktor und CEO des DFKI / Universität des
Saarlandes
- Prof. Dr. Kristian Kersting, TU Darmstadt
- Prof. Dr. Katharina Morik, TU Dortmund / Fellow der GI
- Prof. Dr. Prof. h.c. Otthein Herzog, Universität Bremen / Fellow der GI
Der Offene Brief „Initiative für ein internationales Abkommen zu Autonomie
in Waffensystemen“ kann hier gefunden werden: https://autonomewaffen.org.
Eine aktuelle "Stellungnahme des Fachbereichs Künstliche Intelligenz gegen
autonome, letale Waffensysteme" kann hier heruntergeladen werden:
https://bit.ly/3nKszm1.
Über die Gesellschaft für Informatik e.V.
Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) ist mit rund 20.000 persönlichen
und 250 korporativen Mitgliedern die größte Fachgesellschaft für
Informatik im deutschsprachigen Raum und vertritt seit 1969 die Interessen
der Informatikerinnen und Informatiker in Wissenschaft, Wirtschaft,
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sich an die Ethischen Leitlinien für Informatikerinnen und Informatiker
der GI. Weitere Informationen finden Sie unter www.gi.de.
Der GI-Fachbereich Künstliche Intelligenz (GI-FBKI) ist Träger der von der
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