Ein digitales Denkmal für Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau soll entstehen
Leuphana-Studierende veranstalten Gedenkwoche
Der Arbeitskreis Campusgeschichte des Allgemeinen Studierendenausschusses
(AStA) der Leuphana Universität Lüneburg veranstaltet vom 8. bis 13.
November eine Gedenkwoche unter der Überschrift „Aufbruch der
Campusgeschichte in eine Erinnerungskultur“. Studierende und
Öffentlichkeit sollen mit der Veranstaltung die Gelegenheit erhalten, sich
über die Verbrechen während der Zeit des Nationalsozialismus zu
informieren und der Opfer zu gedenken. Im Zentrum steht eine Veranstaltung
am 9. November. Geplant ist dann eine europaweite Aktion an Hochschulen
mit der ein digitales Denkmal für Häftlinge des Konzentrationslagers
Dachau entstehen soll.
Die Leuphana befindet sich auf dem Gelände einer 1936 errichteten,
ehemaligen Wehrmachtskaserne. Dort waren seinerzeit u.a. das Infanterie-
Regiment 47 und Teile der Infanterie-Division 110 der Wehrmacht
untergebracht. Beide Einheiten waren unter anderem in Südosteuropa, in
Nordafrika sowie in Russland im Rahmen des sog. „Unternehmens Barbarossa“
– dem Codewort für den Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion – im
Einsatz und an verschiedensten Kriegsverbrechen beteiligt. Die
Studierenden wollen mit ihren Veranstaltungen auf diese Vergangenheit des
Universitätsgeländes aufmerksam machen.
Im Rahmen der Gedenkwoche planen die Studierenden in Kooperation mit den
Arolsen Archives für den 9. November eine europaweite Aktion an
Hochschulen, um gemeinsam ein digitales Denkmal zu bauen. Die Arolsen
Archives, ein internationales Zentrum zur NS-Verfolgung mit dem weltweit
umfangreichsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des
Nationalsozialismus, stellt Dokumente aus den Zugangsmeldungen des
Konzentrationslagers Dachau aus den November-Tagen des Jahres 1938 zur
digitalen Erfassung der Inhalte bereit.
Durch das Erfassen von rund 400 Häftlingsnamen erinnern die Teilnehmenden
aktiv an die Ereignisse am 9. November 1938 und besonders an die
Verschleppung von bis zu 30.000 Juden in Konzentrationslager. Sie werden
dabei mit dem sprunghaften Anstieg der Häftlinge im Konzentrationslager
Dachau konfrontiert. Der „Haftgrund“ lautet stets: „Schutzhaft Jude“. Die
Originaldokumente machen deutlich, wie aus Ausgrenzung offene Gewalt
wurde.
Außerdem ist die Ausstellung #stolenmemory auf dem Campus vor der Mensa zu
finden. Diese Multimediaausstellung wurde letztes Jahr mit dem Grimme
Online Award ausgezeichnet und richtet sich vor allem an Kinder,
Jugendliche und junge Erwachsene.
Die Veranstaltungen der Gedenkwoche im Überblick:
Montag 08.11.
Vortrag: von Prof. Ulf Wuggenig und Dr. Cheryce von Xylander – Selektive
Erinnerung. Auf- und Abrüstung einer 1000-jährigen Provinzstadt
Dienstag 09.11.
Workshop: “(Ur)Opa war (k)ein Nazi? – NS Täterschaft in der Familie und
Gesellschaft” mit dem Leiter der KZ Gedenkstätte Neuengamme Oliver von
Wrochem
"Long Night of the Digital Memorial" mit Dr. Christian Hölscher
Stadtrundgang und Stolpersteine putzen in Gedenken an die Pogrome 1938,
Kooperation mit dem Anna und Arthur
Donnerstag 11.11.
Workshop: Antisemitismusprävention mit der Amadeu Antonio Stiftung
Freitag 12.11.
Lesung: "Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen" mit Jennifer Teege
Samstag 13.11.
Führung: "Euthanasie"-Gedenkstätte
05.11 - 16.11.
Ausstellung: #stolenmemory mit den Arolsen Archives auf dem Campus
Weitere Informationen und Kontakt:
https://www.asta-lueneburg.de/
campusgeschichte@asta-luenebur
Eine nähere Erläuterung des Vorgehens finden Sie hier:
https://enc.arolsen-archives.o
