Flexibel über Nacht: Elektrofahrzeuge ohne Netzüberlastung zu Hause mit Energie versorgen
Im Forschungstransferprojekt ismartC arbeiten Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler der BTU Cottbus-Senftenberg an einem integrierten
Lademanagementsystem, das die intelligente Einbindung der Ladevorgänge in
die Stromnetze ermöglicht.
Der geplante Ausstieg aus der Kernkraft im Jahr 2022 und der
Kohleverstromung in den 2030er Jahren sowie der weitere Ausbau der
Erneuerbaren Energien gefährden die Versorgungssicherheit des
Stromsystems. "Durch den enormen Zuwachs an Elektrofahrzeugen und
Ladepunkten verschärfen sich die Herausforderungen in der
Stromnetzbetriebsführung", so Mark Kuprat, wissenschaftlicher Mitarbeiter,
Fachgebiet Energieverteilung und Hochspannungstechnik. "Die Betriebskosten
und die Anforderungen an die Netzbetriebsführung steigen. Unternehmen
fragen uns vermehrt nach einem lokalen Lastmanagement zur Vermeidung der
Überlastung der elektrischen Betriebsmittel."
Ziel der Forschenden im Transferprojekt ismartC ist ein individualisiertes
Lademanagementsystem, das die privaten Haushalte einbindet. "Die Menschen
kommen von der Arbeit nach Hause und laden ihre Fahrzeuge nach Feierabend
etwa zur gleichen Zeit. Ergebnis ist, dass die Stromnetze überlasten", so
Saman Amanpour, Mitgründer im Projekt. "Unser Verfahren ermöglicht die
Anpassung der Ladezeiten, sodass diese automatisiert beispielsweise auf
den Abend, die Nacht oder den frühen Morgen verteilt werden können."
Das Integrated-Smart-Charging System (ISC) bietet die nötige Flexibilität
für einen sicheren Betrieb der Stromnetze, die Verringerung
Strombezugskosten um bis zu 50 Prozent ohne eine Einschränkung der
Mobilitätsbedürfnisse der Nutzer*innen von Elektrofahrzeugen. Die
Wissenschaftler Mark Kuprat, Saman Amanpour, Mikhail Ashkerov und Bastian
Garnitz entwickeln eine leistungsfähige IT-Infrastruktur, ein
Datenbankmanagementsystem, eine Smartphone-Applikation sowie die
dazugehörigen Schnittstellen und Serverumgebungen.
Das Projekt ismartC wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und
Energie (BMWi) im Rahmen des EXIST Forschungstransfers (EFT) mit 700.000
Euro gefördert. Das Projekt ist für die Laufzeit vom 1. Juli 2021 bis zum
31. Dezember 2022 am BTU-Fachgebiet Energieverteilung und
Hochspannungstechnik angesiedelt und wird durch den Projektträger Jülich
(PTJ) betreut.
Das sich aktuell in der Gründung befindende Unternehmen ePHANT ist ein
Spin-Off der BTU Cottbus-Senftenberg, das die langjährigen
Forschungsarbeiten im Bereich der netzdienlichen und strommarktbasierten
Integration der Ladevorgänge von Elektrofahrzeugen in ein kommerzielles
Produkt überführen wird. Das Spin-Off ist aus dem EXIST
Forschungstransferprojekt Integrated Smart Charging (ISC) hervorgegangen.
Die Gründer Mark Kuprat, Saman Amanpour, Mikhail Ashkerov und Bastian
Garnitz planen die Markteinführung der ePHANT Mobility Solutions für
Anfang 2023.
