US-Notenbank agiert zu zögerlich
Prof. Dr. Stefan Kooths (https://www.ifw-kiel.de/de/ex
kooths/), Konjunkturchef des IfW Kiel, kommentiert die Entscheidung der
US-Notenbank, ihre Anleihekäufe zu reduzieren, den Leitzins aber nicht zu
erhöhen:
„Die Fed nimmt mit ihrer jüngsten Entscheidung den Fuß nicht vom Gas, sie
drückt ihn nur etwas weniger kräftig durch. Sie entfernt sich damit immer
weiter von einer stabilitätsgerechten Geldpolitik. Dies gilt weniger mit
Blick auf die derzeit hohen Teuerungsraten. Diese sind kurzfristig von der
Notenbank ohnehin nicht kontrollierbar. Sorgen macht das zögerliche
Agieren vielmehr, weil die Geldpolitik immer weniger zur konjunkturellen
Entwicklung passt und sich so mittelfristige Inflationsgefahren
verstärken, zumal auch die Finanzpolitik expansiv unterwegs ist. Damit
besteht die Gefahr, dass sich die Inflationserwartungen entankern und die
Notenbank dann umso stärker gegensteuern muss, um das Vertrauen in ihr
Inflationsziel zurückzugewinnen. Die aktuelle Entwicklung im Vereinigten
Königreich zeigt, dass das keine rein theoretische Gefahr ist.
Die US-Notenbank begründet ihre Entscheidung mit der noch nicht erreichten
„maximalen Beschäftigung“. Das zeigt aber nur, wie problematisch das
Zielduo Preisstabilität und Vollbeschäftigung ist. Für die
Beschäftigungsentwicklung gibt es verschiedene Ursachen, eine mangelnde
Liquiditätsversorgung der Wirtschaft gehört nicht dazu. So droht eine
immer größere Überdosierung der Zentralbankgeldschöpfung, deren Korrektur
dann umso schmerzhafter ausfallen dürfte, weil sich in der Zwischenzeit
viele Akteure auf die sehr günstigen Finanzierungskonditionen einstellen
und entsprechende Verschuldungspositionen aufbauen bzw. Vermögenstitel zu
hoch bewerten.“
