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Geschulte Gesundheitsmediatorinnen und –mediatoren sollen über Corona informieren

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Sozial benachteiligte und kulturell diverse Quartiere sind deutlich
stärker von der Corona-Pandemie betroffen als andere Wohngebiete. Dem soll
das Projekt „COVID-TCM“ entgegenwirken. Es zielt darauf ab, Ansatzpunkte
für Corona-Präventionsmaßnahmen zu identifizieren und die Impfakzeptanz zu
erhöhen. Initiator ist das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und
Epidemiologie – BIPS.

Seit Anfang August sind acht mehrsprachige Gesundheitsmediatorinnen und
–mediatoren im Rahmen des COVID-TCM-Projektes im Einsatz. Ziel ist, eine
Brücke zu Bewohnerinnen und Bewohnern in Bremen-Osterholz und Umgebung zu
schlagen und gezielt deren Informations- und Unterstützungsbedarfe während
der Corona-Pandemie zu ermitteln. Basierend hierauf wird die
Präventionsarbeit mit den Gesundheitsmediatorinnen und –mediatoren
gestaltet und durchgeführt. Bremen-Osterholz und Umgebung als einer der
diversesten Stadtteile Bremens wurden hierfür als Studienort ausgewählt.
Für die Arbeit als Gesundheitsmediatorinnen und –mediatoren wurden
Personen ausgewählt, die im Stadtteil gut vernetzt sind. Eine von ihnen
ist Elena Junck, Büroleiterin des Mütterzentrums in Blockdiek. Sie
erklärt, warum sie an dem Projekt mitwirkt: „Das Thema Corona ist sehr
aktuell, und ich finde, jeder sollte etwas dazu beitragen. Die Mitarbeit
in diesem Projekt ist mein Beitrag für die Gesellschaft. Ich denke, dass
die Ergebnisse helfen, aktuell zu handeln“.
Die insgesamt acht Gesundheitsmediatorinnen und –mediatoren sind Vorbilder
und Vermittler im Projekt und können den Bewohnerinnen und Bewohnern durch
eine gemeinsame Sprache oder Kultur auf Augenhöhe und mit Verständnis
begegnen. Für diese spezielle Aufgabe schult das BIPS sie im Laufe des
Projekts, etwa zum Thema der Umsetzung von Corona-Präventionsmaßnahmen.
Um passgenau auf die Informations- und Unterstützungsbedarfe eingehen zu
können, führen die Gesundheitsmediatorinnen und –mediatoren derzeit
Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern im Bremer Osten durch. Die
Interviews können dank der vielfältigen Sprachkenntnisse der
Gesundheitsmediatorinnen und –mediatoren neben Deutsch auch auf Englisch,
Kurdisch, Arabisch, Tamil, Twi, Russisch, Mazedonisch und Türkisch
stattfinden. „Wir sind sehr glücklich, dass wir ein Team mit so vielen
unterschiedlichen Sprachkompetenzen zusammenstellen konnten. Das wird die
Kontaktaufnahme und Informationsvermittlung ungemein erleichtern“, erklärt
die Projektkoordinatorin Marieke Gerstmann, wissenschaftliche
Mitarbeiterin am BIPS.
Eine enge und partizipative Zusammenarbeit zwischen dem Forschungsteam und
den Gesundheitsmediatorinnen und –mediatoren hat in diesem Projekt einen
hohen Stellenwert. Mediatorin Elena Junck erläutert: „Bisher finde ich es
sehr spannend und wir sind auch eine sehr bunte Truppe. Ich bin sehr
gespannt auf die Ergebnisse und wie es weiter geht. Wichtig finde ich,
dass wir die Ergebnisse unserer Interviews den Befragten zukommen lassen“.
Im nächsten Projektschritt werden basierend auf den Interviewergebnissen
die Präventionsaktivitäten gestaltet. Die einzelnen Maßnahmen werden in
Zusammenarbeit mit den im Stadtteil bereits aktiven Akteuren entwickelt
und umgesetzt.
Hintergrund COVID-TCM Projekt
Unter der Leitung von Prof. Dr. Hajo Zeeb vom BIPS erprobt das COVID-TCM-
Projekt den Einsatz von Gesundheitsmediatorinnen und –mediatoren, um eine
Verbesserung der Aufklärung über Corona-Schutzmaßnahmen und der
Impfakzeptanz in diversen Bevölkerungsgruppen zu erzielen. Als Grundlage
für das Projekt wird die partizipative Forschung, also der Einbezug der
Bewohnerinnen und Bewohnern vor Ort angestrebt. Ziel ist, dass die
Forschung für die Zielgruppe nützlich und bedeutsam ist und dass die
Forschungsergebnisse neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie
anderen Stakeholdern auch der Zielgruppe selbst zur Verfügung gestellt
wird. Dieses Projekt untersucht konkret, inwieweit ein
Gesundheitsmediatorinnen und –mediatoren-Konzept dazu geeignet ist,
Bewohnerinnen und Bewohnern in benachteiligten Quartieren in der Umsetzung
von Corona-Präventionsmaßnahmen und in der Bewältigung der Folgen der
Pandemie zu unterstützen. Gefördert wird das Projekt von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft.
Leibniz Living Lab - Gesundheitswerkstatt Osterholz
COVID-TCM ist Teil des Leibniz Living Lab - Gesundheitswerkstatt
Osterholz. Im Living Lab werden kreative Methoden, beispielsweise
themenbezogene Photodokumentation und Diskussion (Photovoice), für die
partizipative Entwicklung von Public Health Interventionen erprobt.
Evidenz – und theoriebasierte Präventionsprogramme werden an lokale
Bedarfe angepasst. Weiterhin suchen die Forschenden dort neue Wege, um
Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer anzusprechen sowie
interaktive Kommunikationsformate zur Entwicklung von Forschungsfragen und
deren Beantwortung zu testen.
Das Living Lab ist in Osterholz verortet und arbeitet eng mit den
vorhandenen gesundheitsbezogenen Diensten und Initiativen zusammen. Die
Arbeitsweise des Living Lab basiert auf den Ansätzen der partizipativen
Aktionsforschung und des integrierten Wissenstransfers. Als offene
Plattform wird das Living Lab sowohl für die Umsetzung
wissenschaftsinitiierter Projekte als auch für gemeinsam mit dem Stadtteil
entwickelter Gesundheitsförderungskonzepte genutzt.
Weitere Informationen zu dem Projekt finden sich hier: www.leibniz-living-
lab.de
Auf dem Bild: Mediatorin Elena Junck (links) im Gespräch mit BIPS-
Mitarbeiterin Marieke Gerstmann. ©S.Budde/BIPS
Das BIPS – Gesundheitsforschung im Dienste des Menschen
Die Bevölkerung steht im Zentrum unserer Forschung. Als epidemiologisches
Forschungsinstitut sehen wir unsere Aufgabe darin, Ursachen für
Gesundheitsstörungen zu erkennen und neue Konzepte zur Vorbeugung von
Krankheiten zu entwickeln. Unsere Forschung liefert Grundlagen für
gesellschaftliche Entscheidungen. Sie informiert die Bevölkerung über
Gesundheitsrisiken und trägt zu einer gesunden Lebensumwelt bei.
Das BIPS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der 96 selbstständige
Forschungseinrichtungen gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute
reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die
Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den
Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich,
ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Aufgrund ihrer
gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der
Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund
20.000 Personen, darunter 10.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.
Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Milliarden Euro.