Eine Million Euro: Auszeichnung für die Entwicklung von künstlicher Photosynthese
Als einer von drei Preisträgern erhält Markus Antonietti den mit 1.000.000
Euro dotierten internationalen Forschungspreis „Lombardia è Ricerca“ in
der Mailänder Scala. Die Forschenden haben Verfahren zur sauberen
Energiegewinnung mittels „künstlicher Photosynthese“ nach dem Vorbild der
Natur entwickelt.
Wir Menschen erzeugen mehr Kohlendioxid als Pflanzen und Algen nutzen
können. In der „künstlichen Photosynthese“ liegt nun die Chance, dieses
ökologische Ungleichgewicht zu beseitigen und saubere Energie,
insbesondere grünen Wasserstoff, zu erzeugen. Für dieses Verfahren haben
die Forschenden um Markus Antonietti die Mechanismen der natürlichen
Photosynthese ergründet, nachgeahmt und weiterentwickelt.
Der Beitrag von Markus Antonietti, Direktor am Max-Planck-Institut für
Kolloid- und Grenzflächenforschung und seinen Mitarbeitenden liegt in der
Entwicklung preiswerter und nachhaltiger Katalysatoren. Sie kommen bei der
„künstlichen Photosynthese“ zur Anwendung und können die Energie des
Sonnenlichts in molekulare Prozesse umsetzen, die sonst nur aus der
Biologie bekannt sind. Aus Wasser und Kohlenstoffdioxid werden auf diese
Weise Sauerstoff- und Kraftstoffmoleküle wie Ethanol gewonnen. „Die
Kohlendioxidbindung unseres Verfahrens ist schon jetzt viel höher als die
von Bäumen“, sagt Markus Antonietti und fügt ergänzend hinzu: „In
gemeinsamen EU-Projekten mit unseren italienischen Partnern stellen wir
uns Brennstoffmolekül-Produktivitä
Die Photokatalysatoren aus der Forschung von Markus Antonietti bestehen
aus polymeren Kohlenstoffnitriden. Dabei handelt es sich um ein gelbes
Pulver, das aus einfachen Molekülen wie Harnstoff gewonnen wird. Wie die
Pflanzen nutzen sie das Sonnenlicht, um Zucker, Treibstoffe oder nützliche
Chemikalien zu synthetisieren, aber effizienter und mit einem einzigen,
robusten und umweltfreundlichen Material. Für diese Leistung erhält
Antonietti nun den Preis „Lombardia è Ricerca“ zusammen mit Marcella
Bonchio und Pierre Joliot. „Durch diesen Preis wird unsere nachhaltige und
für die Zukunft so wichtige Forschung auch einer breiteren Öffentlichkeit
bekannt“, sagt Markus Antonietti. „Für die Reaktion auf die Klimakrise
gibt es einige sehr vielversprechende Möglichkeiten, aber darüber wird
öffentlich nicht diskutiert. Deswegen ist dieser Preis für mich in der
Bedeutung ganz oben“, erklärt er. Gemeinsam haben die Preisträger auf
verschiedenen Forschungsgebieten daran gearbeitet, die Effizienz der
Photosynthese zu verstehen und künstlich zu maximieren.
Seit 2017 wird der Forschungspreis „Lombardia è Ricerca“ für die beste
wissenschaftliche Erkenntnis im Bereich der Naturwissenschaften verliehen.
Die Jury besteht aus 15 internationalen Spitzenwissenschaftlern. Markus
Antonietti ist der zweite Preisträger aus Deutschland.
