Fachtagung für Bioökonomie: Lausitzer Bioökonomie-Branchen auf dem Weg zur „Modellregion“
Der Kohleausstieg rückt in greifbare Nähe und deutsche Braunkohlereviere
wie die Lausitz benötigen handhabbare Konzepte im Umgang mit der
Transformation. Ein Konzept, das die Stärken aus Wirtschaft, Wissenschaft
und Gesellschaft in besonderen Maßen bündelt, ist die Entwicklung der
Lausitz zu einer „Modellregion Bioökonomie“. Wie diese aussehen kann,
wurde am 11. November 2021 auf der Veranstaltung „Lausitz Session 2021 -
Modellregion Bioökonomie“ thematisiert.
Auf der vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) organisierten
Fachtagung zur biobasierten Wirtschaft, trafen sich am 11. November
virtuell zahlreiche Akteure der Bioökonomie. Im Rahmen der Veranstaltung
diskutierten rund 60 Teilnehmer über die Zukunft der Lausitz sowie über
eine Umsetzung der Bioökonomie in einer „Modellregion“. Zu Gast waren
zahlreiche Vertreter der Lausitzer Branchen, die anschaulich
verdeutlichten, wie eine biobasierte Wirtschaft schon heute in der Praxis
funktionieren kann.
„Die Modellregion - das ist ein Konzept zur Zusammenarbeit in der Region.
Wichtige Komponenten sind das Einbringen von regionalspezifischem Wissen
und ein starkes Akteurs-Netzwerk als Innovationstreiber für die
Transformation“, betont Anja Mertens, Leiterin des DBFZ-Kontaktbüros
Lausitz. „Die Branchen der Lausitzer Bioökonomie sind breit gefächert: Sie
reichen von der Aquakultur, über die Milchverarbeitung und
Agroforstwirtschaft bis hin zur Möbelherstellung.“, so Mertens.
Ein Beispiel für regionale und nachhaltige Rohstoffnutzung zeigte bspw.
das Start-Up „nevi GmbH“ aus Görlitz in seinem Impulsvortrag. Die Firma
nutzt von Hand geerntete Birkenrinde als Rohstoff und entwickelt Furniere,
Griffe und Möbeloberflächen. „Der Werkstoff Birkenrinde hat das Potenzial,
die Bauwelt zu revolutionieren. Wir verstehen uns als Wegbereiter hin zu
einer wirklich plastikfreien Welt mit hochwertigen, natürlichen
Materialien“, sagt Tim Mergelsberg, Geschäftsführer des Start-Ups. Die
junge Firma geht bei ihrer Produktentwicklung noch einen Schritt weiter:
„Aktuell entwickeln wir mit dem Fraunhofer IMWS ein Klebesystem mit bis zu
90-prozentigen biogenen Inhaltsstoffen. Am Schluss der Entwicklung soll
die Kreislauffähigkeit des Endprodukts stehen“, so Mergelsberg.
Die Veranstaltung „Lausitz Session 2021 - Modellregion Bioökonomie“ ist
eine von mehreren Netzwerkveranstaltungen zur Bioökonomie in der Lausitz.
Organisiert wird das Event vom Deutschen Biomasseforschungszentrum im
Rahmen des Projektes „Modellregionen Bioökonomie im Mitteldeutschen Revier
und im Lausitzer Revier (MoreBio)“, welches durch das Bundesministerium
für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert ist. Eine
Folgeveranstaltung ist für das Frühjahr 2022 angekündigt. Interessierte
Akteure können sich über die Webseite www.dbfz.de/biooekonomieatlas
vernetzen oder das Kontaktbüro Lausitz des DBFZ direkt nutzen.
Smart Bioenergy – Innovationen für eine nachhaltige Zukunft
Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und
unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen und stofflichen
Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren
Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz und Effektivität
zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen
der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert
und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für
Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam
mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit
des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer
energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender
Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die
herausragende Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem
Sektor dauerhaft abgesichert werden – www.dbfz.de.
