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Autonomes Fahren ist näher als gedacht

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• Stadt Heilbronn und Hochschule Heilbronn laden zum Bürgerdialog an den
Bildungscampus: Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg

Heilbronn, November 2021. Busse, die ohne Fahrer unterwegs sind oder
Pakete, die ohne menschliches Zutun ausgeliefert werden? Das klingt für
die meisten doch immer noch sehr nach Science-Fiction. Dass die Mobilität
von morgen aber schon näher ist, als viele denken, konnten Interessierte
beim Bürgerdialog von Stadt und Hochschule Heilbronn zum Testfeld
autonomes Fahren Baden-Württemberg auf dem Bildungscampus erfahren.
Neugier wecken, informieren und auch Ängste nehmen stand dabei im
Vordergrund.
Nikolai hüpft mit einer Getränkeflasche vor die Kamera. „Schau“, ruft der
Zehnjährige der gleichaltrigen Svenja zu, „die kann erkennen, dass das
eine Flasche ist.“ Die Kinder finden die künstliche Intelligenz, die
hinter autonomem Fahren steht, extrem spannend und cool, aber auch ein
bisschen gruselig, wenn da keiner fährt. Ob sie dann mal keinen
Führerschein mehr machen? „Nee, den braucht man schon, vielleicht zum
eingreifen“, sind sie überzeugt.

Ja, die Sicherheit beschäftigt viele, wie auch die eingereichten Fragen
aus der Besucherrunde an Nicole Dierolf, Moderatorin der
Podiumsdiskussion, zeigen. Ihre Gäste sind Elke Zimmer, Staatssekretärin
im Verkehrsministerium Baden-Württemberg, Jens Boysen, zuständig fürs
Verkehrs- und Mobilitätsmanagement der Stadt Heilbronn, Dr. Heinrich
Gotzig von der Firma Valeo Schalter und Sensoren GmbH, Stephan
Tschierschwitz von der Schwarz Mobility Solutions GmbH, und Professor
Dr.-Ing, Raoul Zöllner, der an der Hochschule Heilbronn zu diesem Thema
forscht.

Alle sind sich einig, dass autonomes Fahren viele Chancen birgt. „Wir sind
wissenschaftlich sehr weit, aber leider lässt sich nicht immer alles
gleich umsetzen“, gibt Zöllner zu. Da müsse sowohl bei der Industrie als
auch in der Gesellschaft noch einiges getan werden. Für das
Verkehrsministerium ist diese Art der Mobilität sowohl ein wichtiger
Baustein hin zur Klimaneutralität als auch Teil der Vision Zero, also
Verkehr ohne Verletzte und Tote. „Wir haben jetzt gerade keine sichere
Situation auf den Straßen, vor allem für die schwächsten Teilnehmer
Radfahrer und Fußgänger, die Sicherheit wird autonomes Fahren auf jeden
Fall erhöhen“, betont Zimmer. Um die Menschen zu überzeugen, müsse man
nicht nur diesen Aspekt immer wieder hervorheben, sondern sie auch davon
überzeugen, dass das eine Mobilität ist, die Spaß macht. „Das ist ja keine
Selbstkasteiung, wenn ich mich in so einen Bus setze.“

Während auf dem Podium noch diskutiert wird, schauen sich einige Besucher
bei den Themeninseln um, staunen über die verschiedenen Sensoren, die so
ein selbstfahrendes Fahrzeug benötigt. Im Außenbereich sind auch die
echten Fahrzeuge zu sehen, die auf dem Testfeld benutzt werden. Viele
kennen schon das „Paxi“, das Paket-Taxi, das auf der Buga selbständig
Pakete an die Bewohner im Neckarbogen auslieferte. Unbekannter ist ein
Kleinbus, der ab Mai 2022 den Bahnhof mit der Experimnta als autonomes
Shuttle verbinden soll.

„Mit unserer angewandten Forschung in den Bereichen autonomes fahren und
künstliche Intelligenz sind wir Treiber bei der Umsetzung neuer
Mobilitätstechnologien in der Region. Immer auch im Schulterschluss mit
kommunalen und Unternehmenspartnern, sagt Professor Oliver Lenzen, Rektor
der Hochschule Heilbronn. "Dazu verstehen wir uns aber auch als Mittler
der Forschung in die Gesellschaft - gerade mit solchen Veranstaltungen."

Mike Sautter, Entwickler an der HHN, und Doktorand Dominic Waldenmayer
haben über den Nachmittag viele Fragen beantwortet. „Es waren viele
fachfremde Menschen da, dadurch sind viele Themen aufgekommen, an die man
als Entwickler gar nicht so denkt“, freut sich Sautter. Viele wollten vor
allem wissen, wann man denn damit fahren kann. Lang dauert es wohl nicht
mehr.

Über das Projekt "Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg"

Das Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg ist ein vom
Verkehrsministerium des Landes gefördertes Projekt der
Forschungseinrichtungen Karlsruher Institut für Technologie, Fraunhofer
IOSB, Hochschule Heilbronn, Hochschule Karlsruhe und FZI Forschungszentrum
Informatik sowie der Kommunen Karlsruhe, Bruchsal und Heilbronn. Der
Bürgerdialog, der parallel in Heilbronn und Karlsruhe stattfand, markierte
den Abschluss des wissenschaftlichen Aufbaus des Testfeldes, das weiterhin
durch Unternehmen und Förderprojekte genutzt werden kann.

Der Aufbau des Testfeldes wurde 2016 begonnen, 2018 folgte die
Inbetriebnahme. Insgesamt sind Stand November 2021 nun rund 200 Kilometer
Straßennetz in 3-D kartographiert, über 100 Sensorsysteme an Kreuzungen
verbaut und 10 Versuchsfahrzeuge auf der Strecke unterwegs. „Solch eine
Infrastruktur wie Heilbronn durch das Testfeld erhalten hat, hat nicht
jede Stadt - das ist eine riesige Chance für die gesamte Region Heilbronn-
Franken“, sagt der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel beim
Bürgerdialog.

Auf dem Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg können Firmen und
Forschungseinrichtungen zukunftsorientierte Technologien und
Dienstleistungen rund um das vernetzte und automatisierte Fahren im
alltäglichen Straßenverkehr erproben, etwa automatisiertes Fahren von
Autos, Bussen oder Nutzfahrzeugen wie Straßenreinigung oder
Zustelldienste. Zudem lassen sich die regulatorischen und rechtlichen
Rahmenbedingungen evaluieren und fortschreiben.

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Hochschule Heilbronn – Kompetenz in Technik, Wirtschaft und Informatik
Mit ca. 8.200 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn eine der größten
Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr
Kompetenz-Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und
Informatik. An vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau
und Schwäbisch Hall bietet die Hochschule mehr als 50 Bachelor- und
Masterstudiengänge an. Die Hochschule pflegt enge Kooperationen mit
Unternehmen aus der Region und ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis
gut vernetzt.